Die Putenmast hat wieder Zukunft: Mit Qualität gegen Billigimporte

Putenfleisch ist im Aufwind: Die steigende Nachfrage nach heimischem Truthühnerfleisch macht die Haltung dieser Tiere für Bauern wieder interessant. Landwirtschaftskammer und Geflügelmastgenossenschaft starten eine Beratungsoffensive.

Außenklimabereiche im Putenstall – so genannte „Wintergärten“ – werden immer beliebter.

Bis 2015 erfuhr in Österreich erzeugtes Putenfleisch einen stetigen Rückgang, die Selbstversorgung sank auf einen Tiefstwert von 41 Prozent. Massive Billigangebote aus dem Ausland und im Gegenzug hohe Tierschutzauflagen und damit höhere Produktionskosten in Österreich hatten die Putenmast uninteressant gemacht.

Heimische Qualität wird wieder wahrgenommen

Doch das Blatt hat sich wieder gewendet. Die Einführung von Fixpreisen für Mäster, die Erweiterung der Qualitätsprogramme um Tierwohlmodule und nicht zuletzt auch Umstellungen im Lebensmittelhandel auf heimische Ware zeigen Wirkung: Inländisches Putenfleisch legt in der Gunst der Konsumenten wieder zu. Die Eigenversorgung konnte zuletzt wieder auf 50 Prozent gesteigert werden.

„Konsumenten fragen beim Einkauf zunehmend nach, woher das Fleisch stammt“, sagt Michaela Langer-Weninger, Präsidentin der Landwirtschaftskammer OÖ. Markus Lukas, Obmann der Geflügelmastgenossenschaft (GGÖ): „Unsere jahrelange Arbeit trägt Früchte.“

Die erste Lebensmittelhandelskette hat bereits auf 100 Prozent Frischfleisch aus Österreich umgestellt – auch bei Putenfleisch, wo dieses Unterfangen den größten Schritt bedeutet. Denn die Konkurrenz aus dem Ausland punktet durch deutlich niedrigere Preise. Das hat einen Grund: „In keinem EU-Mitgliedsstaat gelten derart hohe Standards für die Truthühnermast wie in Österreich, speziell in Bezug auf die Anzahl der Tiere, die je Quadratmeter gehalten werden dürfen. Alle Truthühnermäster in der Vertragsproduktion produzieren außerdem im Rahmen des AMA-Güte- und Herkunftssiegels, was zusätzliche Auflagen und Kontrollen bedeutet“, sagt Langer-Weninger.

Heimische Putenmäster dürfen Tiere mit höchstens 40 Kilo pro Quadratmeter halten, das sind knapp vier Hennen oder zwei Hähne. EU-weite Regelungen für die Haltung von Truthühnern im konventionellen Bereich gibt es nicht. In Polen, dem Haupterzeugerland in der EU, sind Besatzdichten zwischen 60 und 70 Kilogramm anzutreffen, in Deutschland gibt es eine freiwillige Beschränkung auf 52 (Hennen) bzw. 58 Kilogramm (Hähne) pro Quadratmeter.

Neben der geringeren Besatzdichte in den Ställen sei Putenfleisch aus Österreich auch zu 100 Prozent gentechnikfrei, betont Lukas. „Deutschland wirbt mit einem Pickerl auch dafür, tatsächlich wird aber nur die letzten zehn Wochen gentechnikfrei gefüttert“, ärgert sich Lukas.

LK-Präsidentin Langer-Weninger rät generell, die Verpackungen genauer unter die Lupe zu nehmen, da die Aufmachung von nach Österreich eingeführter Ware jener der heimischen immer ähnlicher werde. Sie schlägt vor, das AMA-Güte­zeichen größer als bisher auf Geflügel­verpackungen zu platzieren. Ebenso müssten Haltungsbedingungen der Tiere und die Qualität des Fleisches ein wesentliches Kriterium bei Ausschreibungen für Gemeinschaftsverpflegungen sein.

Verbesserte Tierhaltung, verringerter Antibiotikaeinsatz

Stolz ist die Branche auf Weiterentwicklungen in der Mast. Stallneu- und umbauten werden auf Tierwohl ausgerichtet. Fast alle neuen Stallungen verfügen über einen so genannten „Wintergarten“, einen Außenklimabereich, der etwa ein Viertel der Stallfäche ausmacht. Zusätzlich werden in neuen und alten Ställen Aufsitzflächen montiert, um den Tierbereich besser zu strukturieren. Schließlich soll auch das positive Image von Truthahnfleisch wiederhergestellt werden, denn die Putenhaltung hatte Anfang der 2000er-Jahre mit negativen Schlagzeilen zu kämpfen. Der Einsatz von Antibiotika ist seither stark zurückgegangen, allein seit 2013 wurde er um 58 Prozent reduziert.

- Bildquellen -

  • 2019 WG Pute 006: Karl Feichtinger
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