Getreidemarkt KW 27/2020: Erntedruck hält an

Die internationalen Weizennotierungen stehen unter einem vor allem von den USA ausgehenden Erntedruck. In den Staaten sind die Ernteergebnisse über Erwarten gut. Dazu kommt eine weltweit großzügige Versorgungslage.
Die Pariser Weizennotierungen können sich dem nicht entziehen, obwohl die Ernteprognosen für die EU sowie auch für weitere bedeutende Weizenregionen wie die Ukraine laufend gesenkt werden. Auch bei Mais drückt das wachstumsfördernde Wetter auf die US-Maiskurse. Der Sojakomplex spiegelt das Auf und Ab der Spannungen zwischen USA und China, wobei China überraschend große Mengen an Bohnen in den Vereinigten Staaten einkauft.

Österreich: Lager werden geräumt

Am österreichischen Kassamarkt ist das Neugeschäft zu Erliegen gekommen. Noch ist unklar, was die neue Ernte an Mengen, Qualitäten und Preispotenzial bringen wird. An der Wiener Produktenbörse notierten am Mittwoch der Vorwoche (24. Juni) nur sehr wenige Produkte. Inländischer Qualitätsweizen und Mahlweizen aus dem EU-Raum gaben jeweils einen Tick nach, die als „eher theoretisch“ bewertete Futtermaisnotierung ging einen Deut nach oben.
Im Fokus steht neben der neuen Ernte auch die Räumung der Lager von alterntiger Ware. Aufgrund der jüngsten Regenfälle und Abkühlung rechnet man mit einem um 14 Tage verzögerten Erntebeginn insesondere bei den noch grünen Weizenbeständen.
Gleichzeitig, so heißt es, erwache in Italien mit der Öffnung und dem zaghaften Einsetzen des Tourismus allmählich wieder die Nachfrage. Bereits kontrahierte Lieferungen würden nunmehr zügiger abgerufen. Der Handel zeigt sich ob beider Faktoren – verzögerte Ernte und mehr Schwung in der Auslagerung – erleichtert, denn damit gelinge es, die Lager zu räumen und den Carryover in die nächste Saison deutlich zu senken.
Erste Berichte über Druschergebnisse von Winterbraugerste auf leichten Böden südlich und östlich von Wien sprechen von zufriedenstellenden Sortierungen und Proteingehalten.

Christian Posekany, AIZ

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