Oberösterreich als Lebensmittelproduktionsstandort weiter stärken – das ist ein zentrales Anliegen von Agrarlandesrat Max Hiegelsberger. Beim eigens einberufenen „Regionalitätsgipfel“ vergangene
Woche wurden Möglichkeiten und geplante Projekte zur Realisierung besprochen. Insbesondere die öffentliche Nachfrage soll zukünftig noch zielgenauer auf die regionalen Anbieter abgestimmt werden.

Investition in mehr Regionalität

8000 Mahlzeiten werden pro Werktag in den Küchen des Landes Oberösterreich zubereitet und ausgegeben. Der jährliche Wareneinsatz für Lebensmittel beläuft sich auf 4,6 Millionen Euro. Damit ist die Gebietskörperschaft einer der größten Nachfrager von Lebensmitteln. Mit dieser Position geht aber auch eine gewisse Vorbildwirkung auf die heimische Lebensmit­telwirtschaft einher.

Bereits 2018 wurde daher das Projekt „RegioLem – regionale Lebensmittel“ in der größten Einzelküche, dem Landesdienstleistungszentrum (LDZ) in Linz, gestartet. Durch die Entwicklung einer Software kann seither der Regionalitätsanteil schnell ermittelt und nachgewiesen werden. Zudem werden die regionalen Zutaten und ihre Herkunft offensiv ausgelobt.

Aufgrund der positiven Resonanz wurde noch vor Ausbruch der Corona-Pandemie beschlossen, das Konzept auf weitere Küchen des Landes auszuweiten. Diese zweite Projektphase wird nun mit den 16 Küchen der Landwirtschaftsschulen eingeläutet. Die Umsetzung startet mit Schulbeginn.

„Der konsequente Einkauf regionaler Lebensmittel ist der beste Weg unsere heimische Landwirtschaft abzusichern“, betont Landeshauptmann Thomas Stelzer. In diesem Sinne hat das Land Oberösterreich beschlossen, das Budget für den Wareneinkauf für das verbleibende Jahr 2020 um zehn Prozent zu erhöhen. Diese 460.000 Euro sind der Erhöhung des Regionalitätanteils von 55 auf 65 Prozent zweckgewidmet.

Vorbildwirkung des Landes OÖ

Indem das Land mit gutem Beispiel vorangeht, sollen auch private Kantinen, die Gastronomie sowie die Konsumenten nachziehen. Der Zeitpunkt ist aktuell gut wie nie. „Die Landwirtschaft hat in der Corona-Krise viel Aufmerksamkeit erhalten, da sie die Versorgung mit hochqualitativen Lebensmitteln durchgehend gesichert hat“, weiß Hiegelsberger. Das dürfte die Zustimmungswerte der Bevölkerung für mehr Regionalität, die bereits zuvor hoch waren, zusätzlich gestärkt haben.

Diesen Rückenwind will auch der Bund nutzen. Erst kürzlich hat die Regierung angekündigt, die öffentliche Beschaffung vollständig auf regionale Quellen umstellen zu wollen. Nachdem Oberösterreich in diesem Bereich eine Vorreiterrolle zukommt, wurde es von der Bundesbeschaffungsagentur als Pionierregion des Pilotprojektes „Dynamisches Beschaffungssystem“ auserkoren. Ziel ist es, die öffent­liche Vergabe besser auf heimische Produzenten abzustimmen und die regionalen Anbieter im Ausschreibungsverfahren zu unterstützen.

Mehrwert für alle Bürger

Eine Erhöhung des regionalen Wareneinkaufs ist kurzsichtig gesehen mit Mehrkosten verbunden. Auf lange Sicht aber geht damit ein Mehrwert für alle einher. „Die zusätzlichen Ausgaben für heimische Lebensmittel finanzieren schließlich auch den Er-holungswert unserer gepflegten Landschaft und der wirtschaftlichen Räume“, so Hiegelsberger.

Erst kürzlich hat auch Gesundheitsminister Rudolf Anschober den „Regi­onalitäts-Ball“ aufgenommen. Er erklärte in einer Presseaussendung, bei der Herkunftskennzeichnung im Bereich der Außerhausverpflegung initiativ werden zu wollen. Jedoch nicht ohne zuvor eine Machbarkeitsstudie zur nationalen Kennzeichnung in Auftrag zu geben. Ergo unnötig Zeit ins Land ziehen zu lassen – das finden zumindest die bäuerlichen Interessensvertreter: „Der Bauernbund ist schon jahrelang darum bemüht und fordert eine verpflichtende Kennzeichnung auch in der Gemeinschaftsverpflegung. Im aktuellen Regierungsprogramm wurde das bereits verankert. Je früher diese umgesetzt wird, desto besser ist es für die heimische Landwirtschaft“, insistiert Bauernbund-Landesobmann Max Hiegelsberger.

- Bildquellen -

  • Regionalitätsgipfel: Land OÖ / Max Mayrhofer
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