Ein Schuss Aktionismus

Kommentar von Bernhard Weber,
Chefredakteur.

In einem Schreiben an seine Mitglieder hat der Verband Bio Austria dazu aufgerufen, per Protestmail an Funktionäre in den Landwirtschaftskammern sowie an politische Entscheidungsträger auf Landes- und Bundesebene eine bessere Vertretung von Bio einzufordern. Gefordert wird in der Protestnote, die per Online-Link einfach weitergegeben werden kann, neben einer eigenen Bio-Maßnahme im Agrarumweltprogramm ÖPUL ab 2023 auch eine Prämiengestaltung, die „vollumfänglich die Leistungen der Biobäuerinnen und Biobauern honoriert“. Davon seien die Pläne des Ministeriums weit entfernt, monieren Bundesobfrau Gertraud Grabmann sowie die Landesobfrauen und -männer des Verbandes, von Bio Ernte Steiermark und Demeter.
Recherchen bei den Adressaten auf Bundesebene haben ergeben, dass sich nicht wenige der rund 13.500 Verbandsmitglieder der „Aufforderung zur Wahrnehmung der biobäuerlichen Interessen im nächsten ÖPUL“ angeschlossen haben. Trotzdem stellt sich die Frage, ob es diese aktionistisch-populistische Fleißaufgabe im Stile einer NGO gegen das Ministerium oder die Landwirtschaftskammern überhaupt gebraucht hat? Dass Österreichs Biobauern allein im Vergleich zu ihren Kollegen in den EU-Nachbarländern sehr gut unterstützt werden, ist mit Zahlen belegbar. Nur zwei davon: Insgesamt gehen 195 Millionen Euro oder 44 Prozent aller Gelder aus dem ÖPUL an die Biobetriebe. Tendenz steigend. Vielleicht war die Aktion aber auch nur einem neuen Brauch angepasst: „Hallo Wien! Gebt uns Süßes, sonst gibt‘s Saures!“

bernhard.weber@bauernzeitung.at

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