Agrana-Ergebnis leidet unter Ukraine-Abschreibungen

Agranas Ethanolsparte, hier im Werk Pischelsdorf, trug maßgeblich zum Betriebsergebnis des Jahres 2021/22 bei.

Das Segment Stärke war für Agrana im zurückliegenden Geschäftsjahr 2021/22 der Ergebnisbringer. In den Sparten Frucht und Zucker musste der Konzern herbe Einbußen aus den Ukraine-Sondereinflüssen hinnehmen. So das Fazit zu der von Agrana-Vorstandsvorsitzenden Markus Mühleisen am 13. Mai 2022 präsentierten Jahresbilanz 2021/22 des heimischen Zucker-Stärke-Frucht-Konzerns Agrana.

Quelle: Agrana
Agrana Vorstandsvorsitzender Markus Mühleisen musste aufgrund der Ukraine-Krise deutliche Ergebniseinbußen bekanntgeben.

Bis zum Kriegsausbruch voll auf Kurs

Mühleisen zum Ergebnis: „Bis zum Kriegsausbruch waren wir für die Erreichung unserer Ziele voll auf Kurs und hätten ohne negatives Ergebnis aus Kriegssondereinflüssen unseren prognostizierten deutlichen Ergebnis-Anstieg erreicht.“ Denn operativ sei das Geschäftsjahr 2021/22 sehr zufriedenstellend verlaufen, so der Agrana-Chef. Die Umsatzerlöse der Gesamtgruppe von 2,9 Milliarden Euro seien deutlich über dem Wert des Vorjahres gelegen. Das operative Ergebnis stieg um 18,3 % auf 86,5 Mio. Euro an.

Deutlicher Einbruch des Ergebnisses aus der Betriebstätigkeit

Sehr deutlich unter dem Vorjahreswert lag allerdings das Ergebnis aus der Betriebstätigkeit (EBIT). Im Vergleich zum Vorjahreswert von 78,7 Mio. Euro erzielte Agrana 2021/22 nur 24,7 Mio. Euro. Der Rückgang ist durch Sondereinflüsse in Höhe von -69,8 Mio. Euro (Vorjahr: -11,9 Mio. Euro) verursacht, hauptsächlich aufgrund von Wertberichtigungen in Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine.
Basierend auf der langfristig ausgerichteten Dividendenpolitik wird der Agrana-Vorstand der Hauptversammlung heuer die Ausschüttung einer Dividende von 0,75 Euro je Aktie vorschlagen (Vorjahresdividende: 0,85 Euro je Aktie).

Ukraine-Abschreibungen im Segment Frucht

Im Segment Frucht hat eine gute Apfelverarbeitungskampagne 2021 zu einer Erholung des Fruchtsaftkonzentratgeschäftes geführt. Der Umsatz im Segment Frucht stieg im Vorjahresvergleich moderat um 7,2 % auf 1,25 Milliarden Euro. Ausschlaggebend dafür waren gestiegene Verkaufspreise sowohl bei Fruchtzubereitungen und bei Fruchtsaftkonzentraten. Bedingt durch den Krieg in der Ukraine hat Agrana im Segment Frucht jedoch Goodwill-Wertberichtigungen in Höhe von -67,7 Mio. Euro vorgenommen. Dadurch fiel das Ergebnis der Betriebstätigkeit in dieser Sparte mit -16,8 Mio. Euro in die Verlustzone.

Hohe Ethanolnotierungen

Im Segment Stärke waren historisch hohe Ethanolnotierungen der Hauptgrund für eine vor allem im zweiten Halbjahr 2021/22 sehr starke EBIT-Entwicklung. Bei Umsatzerlösen von knapp mehr als einer Milliarde Euro erzielte Agrana hier ein Ergebnis aus der Betriebstätigkeit von 71,7 Millionen Euro bzw. eine EBIT-Marge von 7,1 %.
Belastend für die Margen wirkte allerdings, dass Agrana die extrem gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten nicht in vollem Umfang an die Kunden weitergeben konnte. Andererseits haben die hohen Energiepreise auch die Ethanolnotierungen unterstützt. Mit 812 Euro/m3 im Jahresdurchschnitt wurde der Vorjahreswert um rund 228 Euro/m3 übertroffen. Der Geschäftsbereich Ethanol trug damit entscheidend zur positiven Ergebnisentwicklung bei. Das EBIT im Segment Stärke stieg deutlich um 10,6 %.

Zuckerfabriken ausgelastet

Im Segment Zucker gab es durch eine erhöhte Rübenmenge eine verbesserte Auslastung der Fabriken. Die Umsatzerlöse stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 14,6 % auf 640 Mio. Euro. Allerdings blieb das Ergebnis aus der Betriebstätigkeit negativ und lag mit rund -31 Mio. Euro noch unter dem schwachen Vorjahreswert von -27,3 Mio. Euro. Höhere Zuckerverkaufsmengen und -preise konnten die gestiegenen Rohstoffkosten und v. a. die deutlich höheren Energiepreise nur zum Teil kompensieren. Zusätzlich belastend wirkte eine Forderungswertberichtigung gegenüber der Beta Pura GmbH (ausgelöst durch den Krieg in der Ukraine) in Höhe von -2,1 Mio. Euro.

Positiver Ausblick

Für das Geschäftsjahr 2022/23 erwartet Agrana einen „sehr deutlichen Anstieg“ beim Ergebnis der Betriebstätigkeit (EBIT). Auch beim Konzernumsatz geht das Management von einem deutlichen Anstieg aus. 
Dieser Prognose liegt die Annahme zugrunde, dass der Krieg in der Ukraine temporär und regional begrenzt bleibt und dass die Versorgung mit Energie und Rohstoffen gewährleistet ist. Weiters wird erwartet, dass sich die Absatz- und Beschaffungsmärkte im neuen Geschäftsjahr wieder teilweise normalisieren können. Agrana erwartet auch, die deutlich gestiegenen Preise bei Rohstoffen und Energie in angepassten Kundenkontrakten weitergeben zu können.

9.000 Mitarbeiter, 2,9 Milliarden Euro Jahresumsatz – Agrana veredelt landwirtschaftliche Rohstoffe zu hochwertigen Lebensmitteln und einer Vielzahl von industriellen Vorprodukten. Rund 9.000 Mitarbeiter erwirtschaften an weltweit 55 Produktionsstandorten einen jährlichen Konzernumsatz von rund 2,9 Milliarden Euro. Das Unternehmen wurde 1988 gegründet, ist Weltmarktführer bei Fruchtzubereitungen sowie bedeutendster Produzent von Fruchtsaftkonzentraten in Europa und im Segment Stärke bedeutender Produzent von kundenspezifischen Kartoffel-, Mais- und Weizenstärkeprodukten sowie von Bioethanol. In Zentral- und Osteuropa ist Agrana das führende Zuckerunternehmen.

- Bildquellen -

  • W2219 Muehleisen 002: Agrana
  • W Biodiesel Pischelsdorf: APA-Schedl
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AUTORH.M.
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