Halbgas

Kommentar von Martina Rieberer,
Chefin vom Dienst

Es strömt zwar schon langsamer, aber noch kontinuierlich, das Gas in den Leitungen von Russland nach Österreich. Doch wie lange noch, bis man uns auf Geheiss des Kreml willkürlich den Gashahn zudreht? Mit Blick auf Finnland, Frankreich und andere vom Gaskrieg betroffene Länder ist davon auszugehen, dass Wladimir Putin „unfreundliche Länder“, also jene die sich wegen des Angriffskrieges in der Ukraine für Sanktionen gegen Russland aussprechen, mit Gaslieferstopps strategisch weiter zermürbt. Jetzt, zu Sommerbeginn, sind Österreichs Gasspeicher zu 40 % gefüllt. Doch der nächste Winter kommt schneller, als sich die Regierung darauf vorbereiten kann. Im Detail bleibt weiter ungeklärt, wo Gas im Notfall zuerst fließt. Welche Energie-Alternativen realistisch sind und wie wir vom Russengas rasch unabhängig werden. Die nun geplante Wiederbelebung des früheren Kohlekraftwerkes im steirischen Mellach ist Sinnbild einer augenscheinlich brenzligen Versorgungslage. Anders ist nicht zu erklären, warum eine grüne Energieministerin, die kürzlich höchstpersönlich das vermeintlich letzte Stück Kohle ins Museum getragen hat, eben jenes Kohlekraftwerk reaktiviert. Weniger Symptome sondern Ursachen bekämpfen könnte Gewessler mit dem zügigen Ausbau von Sonnen- und Windenergie. Warum pflastern Länder hektarweise Äcker mit PV-Anlagen zu, während Hallendächer und Hofer-Parkplätze leer bleiben? Warum stehen in drei von neun Bundesländern noch keine Windräder? Und wo bleibt die Subventionierung von Biomasse, Biogas? Läuft der Ausbau Erneuerbarer Energien weiter nur auf Halbgas, schlittern wir bald mit Vollgas in die Abhängigkeit.

rieberer@bauernzeitung.at

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