Hagel-Webinar: Unser Grünland ist systemrelevant

Statt Frischfutter einzugrasen lässt Landwirtin Isabella Übertsberger nun ihre Kühe auf die Weide.

Sachgerecht bewirtschaftetes Grünland zählt zu den wichtigsten Lebensgrundlagen Österreichs. Von sachgerecht bewirtschaftetem Grünland lässt sich beispielsweise mehr Protein ernten als von einem Acker mit Sojabohnen. Dazu kommt die Funktion für Landschaftsbild und Klimaschutz. Durch die Klimaerwärmung ist die Grünlandwirtschaft aber besonders herausgefordert. Wie damit umzugehen ist, darauf haben Fachleute in einem Webinar der Österreichischen Hagelversicherung Antwort gegeben. Die Vortragenden waren:
• DI Johannes Fankhauser, Leiter der Sektion II, Landwirtschaft und ländliche Entwicklung im Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (BMLRT),
• Mag. DI Johann Költringer, Geschäftsführer der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM),
• Barbara Scheitz, Geschäftsführerin der Andechser Molkerei in Oberbayern,
• Stefan Lindner, Obmann der Zentralen Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Rinderzüchter (ZAR),
• Isabella Übertsberger, Landwirtin im Flachgau,
• DI Andreas Klingler und Dr. Andreas Schaumberger, Forschungsinstitut Pflanzenbau und Kulturlandschaft, HBLFA Raumberg-Gumpenstein sowie
• DI Peter Frühwirth, Landwirtschaftskammer Oberösterreich.

Förderung auch in neuer GAP-Periode

Johannes Fankhauser betonte, dass man auch in der neuen Periode der Gemeinsamen Agrarpolitik den Erhalt der Grünlandbewirtschaftung fördern wolle. Dies betreffe immerhin rund die Hälfte der landwirtschaftlich genutzten Flächen in Österreich. Im Fokus stehen eine weitere Erhöhung der Umweltwirkung und des Tierwohls sowie eine Stärkung des Absatzes und der Kennzeichnung heimischer Lebensmittel.

Gentechnikfrei, ohne Soja und Palmöl

Johann Költringer zeigte die Qualitätsstrategien auf, mit denen es der heimischen Milchwirtschaft gelingt, im hartem internationalen Wettbewerb zu bestehen und die Milchwirtschaft durch vielfältige Anpassungen als Schlüsselbranche vor allem in Berg- und benachteiligten Gebieten zu halten und weiterzuentwickeln. Durch vielfältige Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstrategien wie Gentechnikfreiheit, Verzicht auf Soja- und Palmölprodukte sei die heimische Branche auch international ein Vorbild.
Einen Blick nach Deutschland ermöglichte Barbara Scheitz als Geschäftsführerin der Andechser Molkerei. Die Molkerei hat sich konsequent einer Bio-Strategie verschrieben und hat kürzlich zudem mit dem Projekt „KlimaBauer“ begonnen, Landwirte zu honorieren die nachweislich CO2-Bindung auf ihren Böden erreichen.

Zweinutzung als besondere Stärke

ZAR Obmann Stefan Lindner betonte den Fokus in der Rinderzucht auf Fitness und Lebensleistung. Das Fleckvieh als Zweinutzungsrasse sei eine besondere Stärke der heimischen Rinderhaltung. Man sei dabei, in der Zucht auch die Forschung in Richtung verminderte Methanemissionen zu forcieren. Die Erblichkeit für Methanemissionen liege relativ hoch zwischen 10 und 40 Prozent. Damit könne man guten Gewissens Fleisch und Milch auf Basis von Grünlandfutter auch in Zukunft verantworten.

Wo sich die Kühe selbst das Futter holen

Isabella Übertsberger, Milchviehhalterin in Straßwalchen im Salzburger Flachgau, stellte bei dem Webinar ihre betrieblichen Strategien vor, um mit 94 Milchkühen samt Nachzucht klimafreundlich, umweltbewusst und arbeitssparend zu wirtschaften. Besonders bewährt habe sich auf ihrem Betrieb die Umstellung von Eingrasen auf Weidehaltung. Das arbeitsaufwendige Frischfuttereinholen wurde eingestellt, die Kühe gehen nun selbst auf die Weide. Mit Heumilch sieht sich die Bäuerin auch vermarktungsmäßig gut aufgestellt. Mit Nachsaat, bodennaher Gülleausbringung, Reifendruckregelung habe man weitere ökologisch und wirtschaftlich sinnvolle Maßnahmen umgesetzt.

Klimaforschung am Grünland

Mit welchen Methoden an der HBLFA Gumpenstein künftige Klimaszenarien modelliert werden, das beschrieben Andreas Klingler und Andreas Schaumberger. Ergebnisse des einzigartigen Klimafolgenexperiments an der HBLFA zeigen, dass künftig mit früheren Erntezeitpunkten, Veränderungen des Pflanzenbestandes und einem Ertragsrückgang zu rechnen ist. Zu den wichtigsten Anpassungsmaßnahmen zählen die Optimierung der Nutzungsintensität, die Züchtung trockenheitstoleranter Sorten und die verstärkte Nutzung von Almen.

Quelle: Frühwirth
Die Einsaat von Knaulgras und Rotklee trotze der Trockenheit (l.). Der Altbestand mit Englischem Raygras kam mit der Trockenheit nicht mehr zurecht (r.).

Mehr Schnitte brauchen mehr Nährstoffe

Peter Frühwirt von der LK OÖ betonte, dass die Anpassung der Grünlandflächen an die Klimaänderungen eine Reihe von Maßnahmen erfordert. Dazu zählen unter anderem: Artenspektrum im Wirtschaftsgrünland anpassen, Nährstoffversorgung optimieren, Bodendruck reduzieren und Schnitthäufigkeit anpassen. Die Absicherung der Grundfutterproduktion kann begleitet werden unter anderem von Dürreversicherungen, Grundfutterproduktion auf Vorsorge und Auslagerung der Grundfutterproduktion über Kooperationen. Die Veränderungen des klimatischen Produktionsumfeldes werden Auswirkungen haben auf die Entwicklung der Betriebe und die Bewirtschaftung des Grünlandes. Der Druck auf das Dauergrünland wird steigen, insbesondere in reinen Grünlandbetrieben.

- Bildquellen -

  • W210317 Grünland Einsaat: Frühwirth
  • W210317 Uebertsberger Weide: Eva Frischling - Rookie Photography
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