Der Name Nokia war lange Zeit weltweit Synonym für Mobiltelefone, der Hersteller damit Finnlands bekanntestes Unternehmen. Diese Spitzenposition hat der frühere Weltmarktführer allerdings vor einigen Jahren verloren. Was aber hat das Potenzial, zu Suomis neuem Nokia zu werden? Laut dem finnischen Landwirt und Copa Cogeca-Funktionär Max Schulman sind es finnische Haferflocken. Denn Hafer wächst im Hohen Norden aufgrund der klimatischen Bedingungen auf Finnlands Äckern sehr gut.
Die Vegetationsperiode ist sehr kurz, aber intensiv. Zwei Drittel des jährlichen Tageslichts entfallen auf die kurze Wachstumsperiode im Sommer. Gesät wird der Hafer im Mai, geerntet wird im August und September. Im Hochsommer scheint die Sonne in Südfinnland bis zu 19 Stunden lang. Der arktische Winter führt zu weniger Pestizidbedarf und weniger Spritzmittelrückständen in finnischem Hafer.

Diese Bedingungen machen Finnland zur „Hafer-Supermacht“, wie der Wissenschaftler Dr. Veli Hietaniemi am Betrieb Schulman erklärt. Der Landwirt bewirtschaftet auf seinem Betrieb Stor-Tötar Gård – Gård ist das finnische Wort für Bauernhof – in Südfinnland 300 ha Ackerland und Wald. Die Durchschnitts-Erntemenge im Ackerbau liegt bei 500 t pro Jahr. Max Schulman setzt voll auf seine Hauptkultur: glutenfreier Hafer. Und er liegt damit genau im Trend, denn die Beliebtheit von Hafer, Haferflocken und Produkten aus Hafermehl steigt stetig.

Im Jahr 2018 verspeiste der durchschnittliche Finne bereits mehr als sieben Kilogramm Hafer. Tatsächlich produzieren Finnlands Landwirte bereits 14 % des europäischen Qualitätshafers. Und Schulman und Hietaniemi sehen vor allem im glutenfreien Qualitätshafer noch viel Potenzial für die Zukunft. Sie sind überzeugt: Ähnlich wie damals die Nokia-Handys werden Haferprodukte aller Art der nächste finnische Exportschlager.
Der zweite bedeutende Agrarbereich in Finnland ist die Rinderhaltung. Milchbauer Jan de la Chapelle hält auf seinem Betrieb Lindö 180 Milchkühe und 140 Stück Jungvieh. Neben 140 ha Grünland und 80 ha Gerste und Hafer gehören 1.500 ha Wald zum Betrieb. Damit gehört Lindö Gård zu den größten Betrieben im Land. 40 % des jährlichen Einkommens von etwa 1,4 Mio. Euro bezieht der Betrieb aus der Milchwirtschaft. Stolz ist de la Chapelle auf die Milchleistung seiner Herde von durchschnittlich 12.000 l pro Kuh und Jahr.

Milchbauern leiden noch unter Russland-Embargo

Bis vor fünf Jahren, konkret bis August 2014, exportierte de la Chapelle die Milch nach St. Petersburg. Dann trat nach der Krim-Krise das russische Handelsembargo in Kraft. Bis damals exportierte Finnland 500 Mio. l Milch nach Russland. Seitdem das Embargo gilt, erhalten die finnischen Bauern zwar Unterstützungen von der EU. Dennoch würden „wir Bauern für etwas bezahlen, dass wir nicht verschuldet haben“, meint de la Chapelle. Die Erlöse im Milchbereich seien fast nicht mehr kostendeckend. Dank Betriebseinkommen aus seinem Waldbesitz könne er sich die Milchproduktion aber noch leisten.

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Neuer Laufstall auf Lindö Gård: Früher ging die Milch nach Russland.

Um den Wald kümmert sich de la Chapelle nicht selbst, sondern Mitarbeiter eines großen Forstunternehmens. Das sei auf vielen finnischen Familienbetrieben so üblich, wird betont. Gepflanzt werden fast ausschließlich Fichten, Birken und Kiefern. Finnlands Forste bedürfen allerdings anderer Bewirtschaftung als jene in Zentraleuropa, erklärt Matti Keronen, Forstarbeiter der Metsä Group. So wird etwa kein Baum älter als 80 Jahre. Würde man Bäume in diesem Alter nicht fällen, würden sie eingehen, so Keronen. Die Mischung der Baumarten will man hier beibehalten, klimaangepasste Baumsorten braucht es – noch – nicht. Obwohl der Klimawandel auch hier für erhöhtes Schädlingsaufkommen verantwortlich gemacht wird. Großes Augenmerk legt man deshalb auf die Waldhygiene. Schadholz ist weit und breit keines zu sehen, der Borkenkäfer muss unbedingt in Schach gehalten werden, um Finnlands „Grünes Gold“ nicht zu gefährden.

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“Clear Cut”: ein klarer Schnitt im Forst

Die neue GAP soll mehr Flexibilität bringen

Die Nachhaltigkeit wird von den Forstwirten seit Langem groß geschrieben. Laut dem 1886 erlassenen Forstgesetz muss jeder geschlagene Forstabschnitt sofort ersetzt werden. Zwar wurden die „klaren Schnitte“, wie Finnen die Kahlschläge nennen, des Öfteren kritisiert, weil der Eindruck entsteht, es werde zu viel Holz entnommen. Tatsächlich wächst aber auch in Finnland, ähnlich wie in Österreich, mehr Holz nach, als jährlich entnommen wird. Von Brüssel wollen sich die Forstbetriebe daher nichts vorschreiben lassen und lehnen die Eingliederung der Forstmaterie in die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU ab.
Von der neuen GAP nach 2020 erwarten sich die Finnen mehr Flexibilität, etwa bei den strengen Regeln der Fruchtfolge. Finnlands Bauern würden gerne so arbeiten, „wie es das Wetter ihnen vorgibt“. Dass die Kommission nationale Strategiepläne vorschlägt, befürworten die finnischen Farmer. Das könnte laut Schulman die gewünschte Flexibilität herbeiführen, die sich viele von ihnen wünschen.

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Finnlands Bauern würden „gerne so arbeiten, wie es das Wetter vorgibt“.

Eva Zitz

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  • Finnland 1: Europäische Union/Cornelia Smet
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