Immer wieder wird uns erklärt, dass in den Gemeinden absolut keine Internet-Versorgungsprobleme bestehen können, da sich beim Gemeindeamt noch nie jemand darüber beschwert hat“, berichtet Volker Dobringer vom Breitbandbüro Oberösterreich, von Gesprächen mit so manchem Amtsleiter. Viel mehr sei es aber
so, dass Bürger bei langsamen Internetverbindungen nur den Provider (Internetanbieter) kontaktieren würden und die Information deshalb gar nicht zur Gemeinde komme. Bestehen also Versorgungsprobleme, sollten diese aktiv bei der Gemeinde gemeldet werden.

Unterversorgung erkennen und melden

Im Breitbandatlas (abrufbar unter www.breitbandatlas.info) sind die aktuell von den Providern eingemeldeten Bandbreiten für jede Region ersichtlich. Hier kann mittels einfacher Adresseingabe die „theoretische“ Versorgung eines jeden Haushalts abgefragt werden. „Diese Werte entsprechen vor allem im Mobilfunkbereich leider oft nicht der Realität, da die Provider meist illusorisch hohe Bandbreiten eingemeldet haben“, so Dobringer. Es werde also mehr versprochen als geliefert wird – abgerechnet werde aber trotzdem der volle Tarif. Aufgrund der aktuellen Fördersituation seien Gebiete mit mehr als 30 Megabit pro Sekunde via Festnetz nicht förderfähig. Dobringer empfiehlt daher solche „nicht vorhandene“ Bandbreiten mittels sogenanntem „Netztest“ (genaue Anleitung unten) nachzuweisen. Als Ergebnis liefert der Netztest drei wesentliche Werte: Downloadgeschwindigkeit, Uploadgeschwindigkeit und Ping (Reaktionszeit). „Wer dabei ein deutlich schlechteres Testergebnis erhält, als beim Provider bestellt und bezahlt, sollte dies nicht nur beim Internetanbieter selbst sondern auch an die Gemeinde melden“, rät der Breitband­experte.

Ausbau nur bei breitem Interesse der Bevölkerung

Um den Breitbandausbau zu forcieren, haben zahlreiche Gemeinden eine eigene Arbeitsgruppe dafür gegründet. Meist sind hier die Bauernbund-Ortsgruppen der Treiber für den Ausbau, da viele Bäuerinnen und Bauern besonders stark von langsamen Datenleitungen betroffen seien. „Um auch entlegene Gebiete und Höfe neu erschließen zu können, braucht es verstärkt Zusammenarbeit und lokale Koordination“, empfiehlt auch der bäuerliche Nationalratsabgeordnete Manfred Hofinger sich in den Bauernbund-Ortsgruppen zusammenzuschließen. Das Breitbandbüro Oberösterreich unterstützt diese auch nach ihren Möglichkeiten mit Bürgerinfoabenden und Schulungen. Der Glasfaserausbau findet nur bei breitem Interesse statt: „Mindestens 60 Prozent der Bevölkerung im förderfähigen ländlichen Raum müssen dem Breitbandausbau mit einer positiven Interessensbekundung zustimmen“, so Dobringer. Erfahrungen hätten gezeigt, dass diese am schnellsten und besten mittels Aufklärung durch persönliche Gespräche bei Hausbesuchen eingeholt werden können. „Je mehr davon überzeugt werden, desto höher ist die Chance der Umsetzung“, erklärt Dob­ringer.

Im Anschluss daran werde mit den marktüblichen Internetanbietern abgeklärt, ob diese in absehbarer Zeit einen flächendeckend Breitbandausbau in der Gemeinde planen. Ist dies nicht der Fall, kommt die „Fiberservice OÖ“ ins Spiel. Dabei handelt es sich um die „Landesglasfaser-Gesell­schaft“, die den Ausbau von Gebieten übernimmt, in denen der Markt nicht funktioniert.

Die nächste realistische Einreichmöglichkeit ist laut Dobringer im Herbst 2019. Bis zur Umsetzung kann es drei bis vier Jahre dauern. „Die Möglichkei­ten, sich an geförderten Projekten zu beteiligen, liegen auf dem Tisch. Wir sollten sie daher auch jetzt alle nutzen“, rät auch Hofinger sich beim OÖ. Breitbandbüro als ersten Ansprechpartner zu informieren.

Breitbandmessung: Wie schnell ist mein Internet wirklich?

1) Website www.netztest.at aufrufen

2) Um verlässliche Ergebnisse zu erhalten, sollte der PC bzw. Laptop direkt mit einem LAN-Kabel zum Router verbunden sein. Messungen über eine drahtlose Verbindung (W-LAN) sind zwar möglich, können jedoch das Messergebnis beeinflussen.

3) Zum Testzeitpunkt sollten parallel keine anderen Anwendungen laufen und auch keine weiteren Personen im Haushalt das Internet nutzen.

4) RTR-Netztest starten.

5) Der Netztest sollte zu mindestens zwei unterschiedlichen Tageszeitpunkten (1x unter Tags, 1x am Abend nach 19 Uhr) durchgeführt werden.

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Breitband: Was es ist, wer es braucht und wieviel es pro Haushalt kostet

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AUTORThomas Mursch-Edlmayr
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