Reaktivierter Hof mit Vielfalt bestellt

Am Betrieb „Krienmühle“ der Familie Simmel im oberen Mühlviertel wird Vielfältigkeit hochgelebt. Drei Standbeine – die Direktvermarktung, der Anbau von Sonderkulturen und die Forstwirtschaft – sorgen für die nachhaltige Bewirtschaftung am Hof.

In den vergangenen Jahren hat sich viel verändert am Hof der Familie Simmel in der Gemeinde Putzleinsdorf. Im Jahr 2013 haben sich Michaela (47) und Herbert (40) Simmel bewusst dazu entschieden, den Famili­enbetrieb mit 77 Hektar zu übernehmen. Damals waren alle Flächen verpachtet und der gesamte Tierbestand verkauft. „Wir wollten den Betrieb reaktivieren und davon leben können“, erzählt das Ehepaar. Mit am Hof leben außerdem die drei Töchter Pauline (11), Katharina (9) und Johanna (5), sowie die junggebliebenen Altbauern Berta und Franz Prechtl.
Schwiegersohn Herbert stammt ursprünglich nicht von einer Landwirtschaft ab, sondern ist gelernter Fliesenleger und Hafner. Trotzdem entschied er sich die Ausbildung zum land- und forstwirtschaftlichen Facharbeiter, sowie später zum Meister der Forstwirtschaft zu absolvieren. Den Quereinstieg in den landwirtschaftlichen Betrieb sieht er als Vorteil: „Dadurch kann man den Weitblick bewahren und hat eine offene Herangehensweise“, so der Nebenerwerbslandwirt, der zudem im Pflegebereich tätig ist. Seine Frau Michaela hat an der Boku studiert und war als Raumplanerin tätig. „Die verschiedenen Standbeine des Familienbetriebs tragen zu einem guten Gelingen bei“, ist die Bäuerin überzeugt.

Plenterwald: Mit der Natur arbeiten

Bereits die vorgehenden Generatio­nen haben die zu­gehörigen Wälder mit knapp 40 Hek­tar großteils als Plenterwald bewirtschaftet. „Bei der Bewirt­schaftungsform führen wir nur Erntemaßnahmen durch und diese sind zu­gleich auch die Pflegemaßnahmen“, erklärt der Landwirt. Forstberater Stefan Stelzer von der Bezirksbauernkammer Rohrbach ergänzt: „Bei Schad­ereig­nis­sen durch Wind, Käferfraß oder Schneedruck ist außerdem meist nur eine Waldschicht betroffen, wodurch eine bessere Risikostreuung sichergestellt werden kann.“ Langfristig gesehen erbringe ein Plenterwald auch ökonomische Vorteile, da die Holz­ernte nicht nur alle 80 bis 100 Jahre möglich ist, sondern regelmäßig. Die Bewirtschaftung fordere jedoch Know-how und ein gewisses Fingerspitzengefühl. Durch das Vordenken der früheren Generationen profitiere man nun von einem zukunftsfähigen Wald. Ein stabiler und gesunder Mischbestand, der Klima und Wetterkapriolen trotzen kann, sei die Grundlage für ein langfristiges kalkulierbares Einkommen aus der Forstwirtschaft.

Plenterwald: Im Plenterwald stehen auf kleinem Raum alte und junge Bäume verschiedener Arten und Dickenklassen nebeneinander.

Quelle: Amt der Vorarlberger Landesregierung

Der Familienbetrieb setzt weiters auf den Anbau und Verkauf von Sonderkulturen, wie z. B. Kümmel, Blaumohn oder auch Leinsamen. Die Backsaaten werden an Bäckereien in der Umgebung direktvermarktet. „Der Betrieb ist insgesamt also sehr breit aufgestellt. Wenn in einem Jahr ein Betriebszweig schlechter ist, ist das auch nicht die große Tragödie. So haben wir diese Vielfältigkeit nicht nur im Wald, sondern auch im Einkommen“, erklären die Betriebsführer.

Geschmack trifft Qualität

Seit 2014 züchtet die Familie außerdem Merinolandschafe. Dabei sei den Betriebsführern das Wohl der Tiere ebenso wichtig wie die Erzeugung hochwertiger Naturprodukte. „Unsere Lämmer und Schafe werden mit ganz viel Liebe und Sorgfalt gehalten. Mit hochwertigen, selbst erzeugtem Futter garantieren wir beste Fleischqualität“, so die Simmels. Die Schlachtung der Tiere erfolgt in Zusammenarbeit mit einer Fleischhauerei in der Region. „Wir schätzen die regionale Zusammenarbeit und das leben wir auch“, erklärt die Be­triebsführerin. Die Produkte werden dann im hofeigenen Verarbeitungsraum zerlegt sowie zu Fleisch- und Wurstprodukten, wie z. B. Räucherwaren, Le­berknödel oder Beuschel veredelt und können von Kunden direkt im Hof­laden gekauft werden. Das Fleisch wird küchenfertig vakuumverpackt bereitgestellt. Auch kleinere Mengen oder eine Probier-Lammjause verkauft der Famili­enbetrieb, denn: „Schneller greift ein Kunde zu Lammfleisch, wenn er es auch ausprobieren kann“, ist Herbert überzeugt. Bei der Vermarktung wird außerdem mit dem Lagerhaus in Rohrbach, der Food-Coop in Lembach und einem Marktladen in Sarleinsbach zu­sammengearbeitet. „Ziel der Direktvermarktung ist es, immer das gesamte Tier zu ver­edeln und in Wert zu setzen“, erklärt er.

Wo Vielfalt gelebt wird: Hochwertige Naturprodukte

Auf dem Betrieb werden auch Seifen hergestellt. „Unsere Tochter Pauline lei­det unter Neurodermitis“, erzählt die Landwirtin, die sich daher entschloss die Schafmilch für das Sieden von Seifen zu verwenden. Die natürlichen Seifen seien auch für empfindliche Kinderhaut geeignet und die hauseigenen Produkte haben geholfen, die Hautprobleme der Tochter in den Griff zu bekommen. „Dies hat sich in der Umgebung herumgesprochen, wodurch sich die Nachfrage verstärkt hat“, so Michaela Simmel.
Für das Scheren der Schafe ist ihr Mann zuständig. Die ungewaschene Schafwolle (auch Rohwolle genannt), wird als biologischer Dünger verwendet und findet bei Besitzern von Hochbeeten guten Anklang. Aus der Wolle, die in der Manufaktur Haslach gewaschen und kardiert wird, fertigt Michaela Simmel Produkte, wie z. B. Filzseifen oder auch gefilzte Trocknerbälle an. „Die liebevoll verpackten Geschenkboxen sind bei den Kunden sehr beliebt“, berichtet Michaelas Mann.

Marketing durch Social Media

Das Wohl der Tiere, ein verantwortungsvoller Umgang mit den Rohstoffen und die Zufriedenheit der Kunden stehe für den Familienbetrieb an oberster Stelle. Neben ihrer Website sehen die Betriebsführer auch Social-Media-Kanä­le als wichtige Werbemaßnahmen. „Auf Instagram und Facebook sind wir sehr aktiv“, erzählt die Bäuerin. Weiters nütze man für Vermarktungszwecke die Angebote der AMA Genuss Region und des Genusslands Oberösterreich.
Durch die unterschiedlichen Betriebszweige haben die Simmels einem bereits verpachteten Hof erfolgreich neues Leben eingehaucht. Freude an der Arbeit ist für die Landwirte ein wichtiges Motto: „Zufriedenheit im täglichen Tun ist in einer gewissen Weise auch Erfolg. Zu den Betriebszielen zählt aber auch, unseren Kindern vorzuleben, wie breit, abwechslungsreich und kreativ Landwirtschaft gedacht und interpretiert werden kann und wie viele Möglichkeiten und Chancen sie für ein zufriedenes und erfülltes Leben birgt.“

- Bildquellen -

  • Plenterwald: Amt der Vorarlberger Landesregierung
  • Michaela und Herbert Simmel: BZ / Luegmair
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QUELLEAnna Sophie Luegmair
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