Was hält ein Kabarettist und ehemaliges Bauernhofkind von der aktuellen Agrarpolitik? ProHektar hat beim niederbayerischen Künstler Christian Maier nachgefragt. Ein Gespräch über Nacktschnecken killen, Hochsicherheits-Schweineställe und Überlebensstrategien für kommende Lockdowns.

Er fährt in seinen Liedern mit dem „Güllefassl über jedes Abrissstraßl“ und kennt im „Bauernblues“ alle Eigenheiten von „Johnny“, Fendt und Lanz. Als der „Huawa“ aus „Da Huawa, da Meier und I“ ist der bayerische Kabarettist Christian Maier auch in Österreich einem breiten Publikum bekannt. Im Vorjahr startete er mit dem Solo-Programm „Sondervorstellung“ – oder besser sollte starten, denn dank „Corona-Berufsverbots“ hat der Niederbayer aktuell viel Zeit. Mit vier Kindern ist daheim im Home-Office immer was los. „Ob das jetzt besser oder schlechter ist, dass mich die Kinder ganzen Tag da haben, weiß ich nicht“, lacht Maier, der selbst „im Rudel mit fünf
Geschwistern“ aufgewachsen ist.

Anekdoten aus der Kindheit

Bei seinen Programmen daher immer mit dabei: Anekdoten aus seiner Kindheit und Jugend am Bauernhof. Traktorfahren als Zehnjähriger, der „Nacktschnecken-Killer-Slalom“ am Bonanza-Rad oder der Steinschleuder-Schuss auf Spatzen gehörten da einfach dazu: „Ein schmaler Grat, aber als Kind probierst du das alles aus.“
Heutzutage hätte es der Nachwuchs jedenfalls schwerer als er früher, meint Maier. Wenig Zeit, viele Aufgaben und hohe Anforderungen: Die Bildungsschere gehe auseinander, und die Jungen würden „zu früh in dieses Leistungssystem hineingepresst – auch in der Landwirtschaft“. Da gelte „entweder studieren oder unten durch“. Dabei meint der Musiker: „Kinder sollen sich doch einfach entwickeln können.“ So wie er selbst. Die Landwirtschaft der Eltern hat der kleine Bruder übernommen („Und dann war das auch geklärt, dass ich was anderes machen kann.“). Ihn zog es erst einmal in die Welt – um später wieder zurückzukommen und heute selbst einen kleinen Hof zu haben, samt vier glücklichen Hühnern mit Hahn, Gemüse und Streuobstwiesen. Damit geht er den Weg der Selbstversorgung. Die Kinder sollen gerüstet sein, „wenn mal wirklich etwas passiert“. Man habe ja gesehen, wie die Leute im ersten Lockdown durchgedreht sind und die Supermarktregale leergeräumt haben. Maier: „Wenn das noch extremer wird, dann werden die Menschen wieder zurückkommen auf das Wesentliche, und da gehört halt auch die Gartenarbeit dazu.“

Im Hochsicherheitsstall Ferkel schauen spielt es nicht mehr

Groß wirtschaften würde er selbst aber nicht wollen. Dass die Politik heute die Verantwortung oft auf Bauern und Verbraucher abwälzt, wurmt ihn. Landwirte heute könnten „nur mit Masse“ überleben: „Entweder sie hören auf und gehen ans Bandl zu BMW oder sie schwimmen da mit“, so Maiers Resümee. Bestes Beispiel: Der Saustall in seiner direkten Nachbarschaft. 10.000 Tiere haben dort Platz. „Der Stall ist ja eigentlich ein Hochsicherheitstrakt. Der ist keimfrei, da darfst du auch, wenn kein Corona ist, nicht ohne Maske rein.“ Mit den Kindern da schnell mal Ferkel schauen, das spiele es da nicht.
Mit dem viel diskutierten Thema Versorgungssicherheit habe das aber nichts zu tun. „Wir Deutschen sind Schweinfleisch-Export-Weltmeister“, meint Maier. Verurteilen wolle er niemanden, die schwarzen Schafe in der Tierhaltung aber schon. Dass deutsche „Schweinereste“ nach Afrika geflogen werden, das auch noch subventioniert werde und die Menschen dort keine Möglichkeit hätten, im eigenen Land erzeugtes Fleisch zu verkaufen, stehe für ihn alles nicht mehr in Relation. Studien, denen zufolge das Corona-Virus auf den Menschen geht, weil die Artenvielfalt zurückgeht, stimmen ihn daher nachdenklich. Ob die Industrialisierung der Landwirtschaft und Monokulturen in Europa und weltweit der richtige Weg seien, werde sich herausstellen. In Österreich laufe es seiner Ansicht nach besser: „Ihr habt da schon eher den Weg ins Regionale gefunden, und auch mit biologischem Anbau seid ihr uns da weit voraus.“ In Deutschland brauche es dafür wieder eine Mode. Maier: „Das muss ein Hype sein. Das muss man sich leisten können. Da fährt man dann schon mal mit dem Porsche vor den Bio-Laden – weil man sich‘s ja leisten kann“, führt der Künstler aus. „Aber das kann ja auch nicht der richtige Weg sein…“
Überhaupt findet der Kabarettist: „Die romantische Landwirtschaft, wie ich sie als Kind erlebt habe, gibt es heute nur noch für Touristen.“ Da fahre man mit den Kindern einmal ein paar Tage auf den Bauernhof, dort könne der Nachwuchs Ziegen streicheln und beim Melken zuschauen, da bekomme man dann auch mit, dass die Milch doch nicht aus dem Supermarkt kommt. „Aber das ist eine Nische“.

„Fahr’ in Bundestag, füll’ ihnen a Probe ab, mach’ ihnen klar, des is koa Scheiß, sondern fürs Geleistete ein gerechter Preis…“

In seinen Kabarett-Programmen verpackt Maier all das und noch viel mehr mit viel Schmäh. Schimpfen wolle er nicht, den Politikern den Spiegel vorhalten aber schon. Etwa mit seinem „Güllelied“, in dem es heißt: „Fahr’ in Bundestag, füll’ ihnen a Probe ab, mach’ ihnen klar, des is koa Scheiß, sondern fürs Geleistete ein gerechter Preis…“. Bis er wieder uneingeschränkt auftreten darf („die Bühne geht mir furchtbar ab“), geht es jetzt nach den langen Winterwochen vorerst wieder ans Garteln. 


Aktuell: Für 10. Juli 2021 plant er, im Lungau aufzutreten. Die Lieder, die er mit Gruppe „Da Huawa, da Meier und I“ 20 Jahre lang auf die Bühne brachte, haben in Bayern Kultstatus erlangt. Auch als nunmehriger Solokünstler darf die Musik nicht fehlen. Mit Gitarre und der Mundharmonika geht’s zur Sondervorstellung, denn klar ist: „Wenn’s dann was wird, wird’s was Besonderes“. www.christianmaier.net

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  • Christian Maier: Flo Huber
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AUTORVictoria Schmidt
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