Tanners Kür an der Front

Kommentar von Prof. Hubert Wachter,
Publizist.

Es klang jedenfalls respektvoll und war wohl auch so gemeint, was Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Oberbefehlshaber des Bundesheeres, dieser Tage über „seine“ neue Ministerin – mit Klaudia Tanner steht erstmals eine Frau an der Spitze der Armee – befand: „Wer sich im niederösterreichischen Bauernbund als Frau durchsetzt, der muss schon besondere politische Fähigkeiten haben.“ Richtig. Die politische „Pflicht“ hat die quirlige, leutselig-kumpelhafte, bei Entscheidungen jedoch knallharte Politikerin neun Jahre lang als Agrar-Direktorin souverän erfüllt. Jetzt ist sie zu ihrer „Kür“ angetreten. Im offenbar undankbarsten, weil finanziell und strukturell ausgehungerten Ressort als Verteidigungsministerin. Von langfristig fehlenden 16 Mrd. Euro ist die Rede, um das Heer glaubwürdig zu ertüchtigen. In Ausrüstung und Gerät. Tatsächlich aber steht vielmehr eine eher radikale Heeres-Re-Dimensionierung bevor, eisernes Sparen ist angesagt, nur ein bissl was für Miliz und Katastrophenschutz, und das sollte es dann schon gewesen sein. Diese speziell „grünen“ Regierungs-Absichten zu drehen, das wird zur Tanner’schen Herkulesaufgabe werden. Die Ministerin wird in aller Härte und öffentlichem Klartext den Takt vorgeben müssen, vor allem in der sich abzeichnenden Debatte über das generelle Schicksal des Bundesheeres. Motto: Sein oder Nichtsein. Denn es geht um nichts weniger als um eine ordentliche, professionelle, den neuen Herausforderungen angemessene glaubwürdige Sicherheitspolitik des Landes, so wie es ihr beamteter Minister-Vorgänger ohnehin schon in drastischen Worten formuliert hat. Daran wird schlussendlich Klaudia Tanners Kür im Soldatenrock gemessen werden.

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