Spätestens seit dem der Schlachthof Tönnies mit mehr als 1500 Covid-19-infizierten Mitarbeitern zum deutschen Corona-Hotspot geworden ist, wird die Fleischverarbeitungsbranche angefeindet. Gerne werden dabei alle Betriebe, ob groß oder klein, In- oder Ausland über einen Kamm gescho­ren.

Harsche Kritik kam erwartungsgemäß von den Tierschutzorganisatio­nen. Eine „Agrarwende“, welche wie­der die Würde von Tier und Mensch im Blick habe, forderte gar „Vier Pfoten“-Direktorin Eva Rosenberg. Ihrer Meinung nach würde der Coronavirus-Ausbruch zeigen, „dass das System der industriellen Fleischproduktion an allen Ecken und Enden kracht“ und vor allem auf der Ausbeutung von Menschen, Tieren und Umwelt basiere.

Zu Unrecht in einen Topf geworfen

Dieses Urteil mag auf den Fleischriesen Tönnies, mit seinen widrigen Arbeitsbedingungen und den enormen Schlachtkapazitäten zutreffen, nicht aber auf die heimischen Fleischverarbeiter. Darauf verwiesen sowohl Ministerin Köstinger als auch Agrarlandesrat Max Hiegelsberger: „Die österreichischen fleischverarbeitenden Betriebe sind mit jenen in Deutschland nicht zu vergleichen.“

Vielmehr sollte man sich laut Hiegelsberger die Gesamtsituation vor Augen führen: „Die Landwirtschaft und die Lebensmittelverarbeitung haben während der Corona-Krise gezeigt, wie immanent wichtig die Ernährungssouveränität in Krisenzeiten ist. Mit derartigen Aussagen wird eine Branche einmal mehr in Misskredit gebracht und zunehmend unter Druck gesetzt.“

Der Verantwortung nachgekommen

Einen Vorwurf machen kann man den betroffenen Betrieben nicht. Durch die enge Zusammenarbeit der Mitarbeiter besteht von vornherein eine höhere Ansteckungsgefahr.

Zudem zeigen Laborversuche, dass sich Kälte auf das Virus positiv auswirkt.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentliche erst kürzlich einen Bericht, wonach die Virenzahl selbst nach drei Wochen bei vier Grad nur minimal sank. Bei Zimmertemperatur hingegen überlebte das SARS-COV-2-Virus lediglich ein bis zwei Tage.

Unter diesem Aspekt sind die insgesamt zehn infizierten Personen an drei oberösterreichischen Schlachthöfen (Wels-Land, Ried und Braunau) kein Resultat sorgfaltslosen Handelns. Vielmehr ist den Betrieben verantwortungsvolles Handeln zu attestieren. Der Rieder Schlachthof ist sogar proaktiv auf die Behörden zugegangen und hat seine Arbeiter freiwillig auf Corona testen lassen. „Das Virus ist nach wie vor unter uns. Das vorsorgliche Handeln der Schlachthöfe ist ein gutes Beispiel dafür wie wir uns bestmöglich damit auseinandersetzen“, lobt Hiegelsberger.

Auch Landeshauptmann Thomas Stelzer und Gesundheitsreferentin, LH-Stv. Christine Haberlander bedankten sich für die gute Zusammenarbeit: „Nur durch intensive Kooperation erhalten wir in solchen Fällen schnellstmögliche Ergebnisse.“

Gegenüber den Konsumenten beruhigte auch die Agentur für Ernährungssicherheit (AGES). Ihrer Expertise nach gehe von den produzierten Fleischwaren keine Ansteckungsgefahr für den Endverbraucher aus.

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  • Schweine Im Wattestäbchenwald: Foto: Gernot – Stock.adobe.com
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