Wettbewerbsfähigkeit, Tierwohl, Umweltschutz und Biosicherheit – aus diesen vier Eckpunkten besteht laut dem international gefragten Schweineexperten Mandes Verhaagh das „magische Quadrat“ der Rahmenbedingungen in der Schweineproduktion. Aus seiner Sicht müssen diese vier Aspekte gemeinsam betrachtet werden, auch wenn es zwischen ihnen viele Zielkonflikte gibt. Verhaagh forderte daher bei einem Pressegespräch in Linz, die moderne Schweinehaltung mit (inter)-nationaler Wettbewerbsfähigkeit neu zu denken.

Gleiche Tierwohlstandards für alle EU-Länder

In erster Linie brauche es einen europäischen Konsens und einheitliche Tierwohlstandards für alle EU-Mitgliedsstaaten. „Das Beispiel Ferkelkastration zeigt, was für Wettbewerbsprobleme wir bekommen, wenn wir alles nur auf nationaler Ebene innerhalb eines Binnenmarktes lösen wollen“, so Verhaagh. Zudem sei die Regulierung nur über Qualitätssicherungssysteme möglich.

„Wir können das Schwein nicht mit dem Ei vergleichen.“ – Mandes Verhaag

In der ganzen Debatte dürfe aber nicht darauf vergessen werden, dass der Außenhandel für Europa essentiell sei. „Nur 65 Prozent eines Schweins werden bei uns vermarktet. Der Rest sind Teilstücke, die zur Gänze exportiert werden müssen“, erklärte der Experte. Generell brauche es daher eine teilstückspezifische Betrachtung: „Wir können das Schwein nicht mit dem Ei vergleichen“, gibt Verhaag zu bedenken.

Der Wissenschaftler vom Thünen-Institut in Braunschweig ist überzeugt, dass die betäubungslose Ferkelkas-tration für europäische Länder ein Dauerthema bleiben wird. Zudem werden die Umsetzungsstrategien zur Verringerung von Schwanzbeißen aktuell von der EU kontrolliert. Ein Kupierverbot würde alle Mietgliedsstaaten gleichermaßen treffen.

Quelle: Land OÖ
V.l.: Lederhilger, Langer-Weninger, Hiegelsberger, Verhaagh und Straßmayr beim Gespräch mit Journalisten

Investitionen brauchen Planungssicherheit

„Trotz der stark gestiegenen Preise ist die Verunsicherung bei den heimischen Schweinebauern aufgrund der anhaltenden Diskussion um Tierwohl und Haltungsbedingungen groß“, weiß Agrarlandesrat Max Hiegelsberger. Sichtbar werde das vor allem durch die enorme Zurückhaltung bei Investitionen in den vergangenen Jahren. Walter Lederhilger, Obmann vom Verband der Österreichischen Schweinebauern (VÖS), fordert daher klare Rahmenbedingungen für die Landwirte: „Investitionen im Stallbau brauchen Planungssicherheit. Sie müssen auch noch in 25 Jahren dem gültigen Recht entsprechen, um die Wirtschaftlichkeit zu wahren.“

Die heimische Schweinebranche sei grundsätzlich jedenfalls für Weiterentwicklungen bereit. Entscheidend aber sei, marktkonform zu produzieren. „Für die Vermarktung von mehr Tierwohl ist eine Honorierung notwendig. Die Schweinebauern müssen von dem Mehraufwand profitieren“, ist Verhaag überzeugt. Das sieht auch VÖS-Geschäftsführerin Maria Straßmayr so: „Mehrleistungen bedeuten ja auch Mehrkosten, das Fleisch der freiwilligen Programme muss auch einen höheren Preis haben.“

Aktuell betragen die Zuschläge für Landwirte beim Programm AMA plus ‚Mehr Tierwohl‘ (z. B. Gustino Stroh) sieben Euro pro Schwein und bei GVO-freier Fütterung mit Donau-Soja zehn (Zucht und Mast) bzw. acht Euro pro Schwein (Mast). Diese Beträge seien scharf kalkuliert und gerade einmal hoch genug um die Mehrkosten abzudecken.

Laut Straßmayr kann die GVO-freie Fütterung bei Schweinen ein Ziel sein. Gespräche mit den verschiedensten Partnern entlang der Wertschöpfungskette hätten jedoch zuletzt gezeigt,  dass eine GVO-freie Fütterung derzeit nicht realisierbar ist. „Probleme dabei sind die lückenlose Teilnahme des Lebensmitteleinzelhandels sowie die zusätzlichen Kosten“, so die VÖS-Geschäftsführerin. Die Mehrkosten beim Endverbraucherpreis werden hier zwischen 20 und 50 Cent je Kilo Schweinefleisch beziffert.

Landwirtschaftskammer-Präsidentin Michaela Langer-Weninger sieht zudem beim Thema Anrainerkonflikte bei Stallbauten eine große Herausforderung: „Die Landwirte investieren in moderne Technik, um Belästigungen möglichst gering zu halten. Wir müssen hier vermitteln, dass unsere landwirtschaftlichen Familienbetriebe die Chance zu einem nachhaltigen Wachstum brauchen, um die Bevölkerung mit regionalen und hochwertigen Lebensmitteln versorgen zu können.“

- Bildquellen -

  • Pressekonferenz Schweine: Land OÖ
  • Bauplan Schweinestall: agrarfoto.com
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