„Schluss mit Herumdrexeln!“: Demos gegen SPAR-Programm

Während große Handelsketten wie Billa, Merkur, Hofer oder Lidl Gesprächsbereitschaft mit der Landwirtschaft zeigen, setzt SPAR – aktuell konkret im Milchbereich – weiterhin auf billigste Einstandspreise.  Nun reicht es den Bauern. Am Aschermittwoch protestiert der Bauernbund vor großen SPAR-Geschäftsstellen.

Egal ob in Deutschland, Frankreich oder Spanien, quer durch Europa demonstrieren Landwirte gegen Preisdruck und unfaire Handelspraktiken, mit denen sich Bauern und ihre Genossenschaften durch die enorme Marktmarkt weniger großer Supermarktketten konfrontiert sehen. 

Auch in Österreich laufen aktuell Gespräche mit den Vertretern des Lebensmitteleinzelhandels betreffend Preiserhöhung etwa bei Milch und Milchprodukten. Einzig SPAR Österreich-Chef Gerhard Drexel will weiterhin auf Dumpingpreise, Schleuderangebote und Rabattschlachten zu Lasten von Österreichs Bauernfamilien setzen. „Somit droht, dass auch andere Handelsketten ihre gemachten Zusagen wieder zurückziehen“, befürchtet Österreichs Bauernbundpräsident Georg Strasser. 

Nach einem Gespräch von Strasser und LK-Österreich-Präsident Josef Moosbrugger mit dem Handelsboss in dessen Firmenzentrale in Salzburg, in dem sich Drexel einmal mehr uneinsichtig gezeigt hat, reicht es den Bauern nun. Strasser: „In wesentlichen Fragen gab es kein Entgegenkommen, schon gar keine Einigung. Es ist an der Zeit, dass sich der Lebensmitteleinzelhandel sowohl zu den biologisch wie auch den konventionell erzeugten Produkten unserer heimischen Landwirtschaft bekennt und damit unseren Bäuerinnen und Bauern jene Wertschätzung entgegen bringt, die sie verdient haben.” Die von den Landwirten verlangte höchste Qualität ihrer Produkte müsse auch fair abgegolten werden. Strasser: „Spar ist gerade bei der Milch der erste beim Fordern, aber der letzte beim Bezahlen.” 

Als Antwort darauf gilt im Bauernbund sofort die Devise: „Schluss mit dem Herumdrexeln! Wir demonstrieren gegen das SPAR-Programm.“

Noch am Freitag haben der Österreichische Bauernbund und seine starken Landesbauernbünde in Nieder- und Oberösterreich, der Steiermark, Salzburg, Tirol und Kärnten geschlossen ihre Mitglieder dazu aufgerufen, am Aschermittwoch in einer groß angelegten Protestaktion gegen das unakzeptable SPAR-Programm aufzutreten. 

Bauernbunddirektor Norbert Totschnig: „Angemeldet werden Aktionen vor den SPAR-Zentralen von St. Pölten über Maria Saal bis Wörgl, vor INTERSPAR in Leoben und in Oberösterreich vor mehreren Spar- Filialen. Mittlerweile koordinieren hunderte Funktionäre auf Landes, Bezirks- und Ortsebene erste Aufmarschpläne vor den SPAR-Geschäftsstellen.“ Und das sei erst der Anfang: „Niemand sollte die Schlagkraft des Bauernbundes unterschätzen, gar auf die leichte Schulter nehmen.“

Während SPAR erst dieser Tage seine jüngsten Umsatzzuwächse und damit eine Steigerung des Geschäftsgewinns von 324 auf 352 Mio. Euro verlautbaren konnte, ist die Preis- und Einkommenssituation in der Land- und Forstwirtschaft trist. „Seit zehn Jahren nominell stagnierende Einkommen, dazu täglich weitere Betriebsführer, die das Handtuch werfen und ständig steigende Ansprüche an unsere Produkte. Jetzt ist es genug, auch die Handelskonzerne tragen dazu mit Verantwortung“, betont Strasser.

In Österreich sind bäuerliche Produzenten und die Lebensmittelwirtschaft einem besonders hohen Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Die vier größten Lebensmittel-Handelskonzerne teilen sich hierzulande knapp 90 % des Marktes (REWE Österreich 32,9 %, SPAR Österreich 31,7 %, Hofer 19,3 %, Lidl mit 7 %).

Seit Wochen versuchen nun die verantwortlichen Manager der Molkereiwirtschaft notwendige Preiserhöhungen zur Abgeltung von Kostenerhöhungen und Auflagen für Landwirte und Molkereien durchzubringen. Zum Teil mit Erfolg, vorerst nicht so bei SPAR.

Generell appelliert der Bauernbund an den Handel, die „Aktionitis“ und das Preisdrücken bei Agrarprodukten und Lebensmitteln endlich einzustellen und auch unnötige Einfuhren auch von unfair erzeugter Billigware, herbeitransportiert aus aller Welt, nicht zuletzt auch aus Klimaschutzgründen einzustellen.

Bernhard Weber

 

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