„Besser Rüben vor Ort statt langem Transport“

Mit der drohenden Schließung der Zuckerfabrik Leopoldsdorf würde ein fast 200-jähriges Stück Erfolgsgeschichte des heimischen Zuckers verloren gehen. Neben den nüchternen Bilanzzahlen sollten vor allem die Selbstversorgung und Gentechnikfreiheit an erster Stelle vor Billigimporten aus dem Ausland stehen, meinen Niederösterreichs Agrarpolitiker.

BB-Direktor Paul Nemecek und Gänserndorfs BBK-Obmann Manfred Zörnpfenning sehen die heimische Selbstversorgung mit Zucker in Gefahr: „Durch den Klimawandel, niedrige Weltmarktpreise und Schädlinge gehen Österreich die Rüben aus.“

Am 24. August hat der Aufsichtsrat der Agrana Beteiligungs-AG die Schließung der Zuckerfabrik Leopoldsdorf ab 2021 angekündigt, sollte es bis Mitte November 2020 zu keiner vertraglichen Zusicherung einer Rübenanbaufläche von zumindest 38.000 Hektar kommen.

Ende der Selbstversorgung mit GVO-freiem Zucker befürchtet

Dabei haben viele der rund 4.500 Rübenbauern in Niederösterreich in den vergangenen Jahren mit der Zuckerrübenproduktion nichts verdient, sondern meist noch Geld in die Produktion gesteckt. Nach Aufhebung der nationalen Produktionsquoten haben die meisten EU-Staaten ihre Zuckererzeugung gesteigert. Österreich reduzierte dagegen als einziges EUAnbauland seine Rübenfläche, im Jahr 2019 um 20 Prozent im Vergleich zum Jahr davor. Trotzdem brach der Zuckerpreis massiv ein.

Zusätzlich vernichtete allein heuer das massive Auftreten des Rüben- derbrüsslers bis zu einem Viertel der angebauten Rübenkulturen. Mancherorts hat der Schädling den Rübenanbau längst unmöglich gemacht, denn dieser Käfer ist nur sehr schwer mit den nur noch eingeschränkt zur Verfügung stehenden Pflanzenschutzmitteln zu bekämpfen. „Um die nun gewünschte Flächenzunahme wieder zu erreichen, ist ein klares Bekenntnis zum heimischen Rübenanbau und damit zu wirksamen Schädlingsbekämpfungsmitteln unabdingbar“, erklärte Johannes Schmuckenschlager. Der LK-NÖ-Präsident spricht sich klar für bundesweit längerfristige, reguläre Zulassungen geeigneter Pflanzenschutzmitteln aus. „Oder, wenn nicht anders möglich, für zeitgerechte Notfallzulassungen.“

Planungssicherheit entlang der gesamten Erzeugungskette

Ähnlich argumentiert Rübenbauern-Präsident Ernst Karpfinger: „Uns fehlt das notwendige Werkzeug zum Arbeiten. Bei uns alles zu verbieten und dann Importe aus Drittstaaten zuzulassen, die Pflanzenschutzmittel verwenden, die bei uns längst verboten sind, ist der falsche Weg.“

Schon seit Jahren warnen die bäuerliche Interessenvertreter vor der Schließung einer der beiden letzten Zuckerfabriken im Land. „Nur Planungssicherheit für die Bauern kann  die Eigenversorgung mit Zucker erhalten“, betont auch Bauernbunddirektor Paul Nemecek. Gemeinsam mit der Politik müsse es gelingen, rasch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die erforderlichen 38.000 Hektar bis November sicherzustellen, nachdem die Standortfrage in Leopoldsdorf nun an neue Bedingungen gekoppelt ist. Bauernbundobmann Stephan Pernkopf: „Die Bauern wollen Rüben anbauen, man muss sie aber auch lassen. Sie brauchen Verlässlichkeit und notwendige Rahmenbedingungen. Eine nationale Kraftanstrengung und ein Schulterschluss von Wirtschaft, Bauern und Konsumenten sind jetzt notwendig.“

LK-Vizepräsident Lorenz Mayr appelliert, die Forschung weiter zu forcieren, denn gegen manche Schädlinge fehlen wirksame Mittel.

 

 

MS

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