Unklarheiten beim Übertritt der Staatsgrenze mit Almtieren, Anfahrt auf Almen über andere Länder oder auch die Einreise von dringend benötigtem Almpersonal sowie Richtlinien des Almausschanks sind einige Bereiche, in denen Fragen offen sind. Diese können nur aufgrund der aktuellen Entscheidungsgrundlagen beantwortet werden, Änderungen sind situationsbedingt in den nächsten Wochen möglich.

 

Tiroler Bauernzeitung: Dürfen deutsche Hirten, Sennerinnen oder Senner einreisen?

LANZINGER: Ja, aber beim Grenzübertritt sollte der zukünftige „Alminger“ eine Bestätigung mitführen. Diese Bestätigungen wurden gemeinsam mit dem Land Tirol erstellt und zur Kenntnisnahme an die Polizeidirektionen weitergeleitet. Als notwendige Daten brauchen wir den Namen, das Geburtsdatum und die Adresse des ausländischen Almpersonals sowie die Daten der Alm und den Almbeginn. Erstellt werden die Bestätigungen von den Bezirkslandwirtschaftskammern und können per E-Mail versendet werden.

Tiroler Bauernzeitung: Dürfen die Almbauern in Hinterriss oder anderen Grenzgebieten über Deutschland auf die Alm fahren?

LANZINGER: Ja, seit der Gültigkeit der Verordnungsänderung ab 1.Mai dürfen die Almbauern über Deutschland auf ihre Almen nach Hinterriss oder Jungholz fahren. Bestätigungen der Bezirkslandwirtschaftskammer als Nachweis der Almbewirtschaftung in Hinterriss sind ebenfalls hilfreich.

Tiroler Bauernzeitung: Gibt es zusätzliche Vorschriften für den Almviehtransport nach Deutschland oder von Deutschland?

LANZINGER: Nein, für den grenzüberschreitenden Transport musste schon in der Vergangenheit vom zuständigen Amtstierarzt ein „Alpen/Weide-Viehverkehrszeugnis“ ausgestellt werden. Wir empfehlen eine rechtzeitige Meldung an den Amtstierarzt. Um etwaige Verkehrsbeschränkungen abzufragen, empfehlen wir, die Corona-Hotline der Bezirkshauptmannschaften anzurufen. 

Tiroler Bauernzeitung: Werden die kleinen Grenzübergänge für die landwirtschaftlichen Transporte geöffnet?

LANZINGER: Derzeit läuft eine Abklärung des Landes Tirol mit dem Innenministerium, um eine Öffnung der „kleinen Grenzübergänge“, die für die landwirtschaftliche Bewirtschaftung von immenser Bedeutung sind, zu erwirken. Die Öffnungszeiten der jeweiligen Grenze können in der Corona-Hotline der Bezirkshauptmannschaften aktuell abgefragt werden.

Tiroler Bauernzeitung: Darf heuer der Almausschank geöffnet werden?

LANZINGER: Rechtlich unterscheiden sich die Vorschriften zu den gewerblichen Gastronomiebetrieben insbesondere bei den notwendigen Betriebsanlagen. Von den Experten werden allerdings ähnliche Vorsichtsmaßnahmen wie in der Gastronomie empfohlen (siehe nebenstehende Übersicht „Corona-Sicherheitsmaßnahmen“ und auf der Homepage www.sichere-gastfreundschaft.at). Bei weiteren Fragen sind die Almberater der Bezirkslandwirtschaftskammern gerne behilflich. 

Tiroler Bauernzeitung: Wie sieht heuer die Vorbereitung auf die Almsaison aus?

LANZINGER: Trotz aller Zusatzauflagen durch die Corona-Beschränkungen haben die Almbauern heuer besonders zeitig mit der Almvorbereitung begonnen. Das warme Frühjahr und der Regen in der letzten Woche versprechen zumindest einen frühen Almstart. Eine alte Weisheit besagt, dass eine gute Almvorbereitung der halbe Erfolg für einen guten Almsommer ist. So sollten auch heuer wieder alle Rauschbrandimpfungen und das Schafbaden für die Räudebekämpfung und die Klauengesundheit unbedingt durchgeführt werden. Das öffentliche Baden mit dem Trocknen auf festem Untergrund ist ein wichtiger Beitrag, dass gesunde Tiere auf die Gemeinschaftsalmen aufgetrieben werden. Bei allen Veranstaltungen sind die COVID-Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten. Vom Tiroler Almwirtschaftsverein empfehlen wir auch eine Weidegewöhnung der Almtiere auf dem Heimbetrieb. Die gute Vorbereitung hilft den Almtieren beim Umstieg auf das Almgras und erleichtert dem „Alminger“ die Arbeit. 

Tiroler Bauernzeitung: Das Thema Alm und Wolf bleibt weiterhin aktuell?

LANZINGER: Viele Beispiele zeigen, dass ein Nebeneinander von Almbewirtschaftung und Wölfen nicht funktioniert. Wir Almbauern wollen die Almen ordentlich bewirtschaften und für die Zukunft erhalten und der Wolf gefährdet die Almbewirtschaftung. Für uns hat die Almerhaltung Vorrang vor dem Wolf. Gemeinsam setzen wir uns ein, dass die Tiroler Almen nicht dem Wolf zum Opfer fallen und wir in 20 Jahren nicht vor einer Vielzahl an verlassenen Almen stehen!

Tiroler Bauernzeitung: Wie steht es um die Vermarktung der Almprodukte?

LANZINGER: Gleich bedeutsam, wenn nicht noch wichtiger wird das Bemühen, die Almprodukte um einen guten Preis zu verkaufen. Insbesondere im Jahr 2020 werden die Herausforderungen bei der Milch- und Rindfleischvermarktung durch die corona-bedingten Absatzeinbrüche nochmals schwieriger. Der einzige Hoffnungsschimmer in der Krise sind die vielen heimischen Konsumenten, die sich gesunde, regionale Lebensmittel wünschen. Trotz aller ungünstigen Voraussetzungen müssen unsere Anstrengungen für den Markenschutz, die Bewerbung und die Absatzmaßnahmen gesteigert werden. Wir Almbauern brauchen Partner, die uns unterstützen, um die Almmilch – die weltbeste Milch – als Besonderheit zu einem ordentlichen Preis zu verkaufen. Die Grundlage für die Auslobung von Almmilch und Almfleisch wurde in den letzten Jahren vom österreichischem Almwirtschaftsverein mit der AMA mit dem Logo „Von der Alm“ geschaffen. Jetzt muss die Umsetzung beginnen. Nur mit einem ordentlichen Preis können wir es schaffen, dass die Almbauern motiviert bleiben, ihre Tiere auf die Alm zu treiben.

Tiroler Bauernzeitung: Eine letzte Frage: Gibt es heuer einen Tiroler Almwandertag?

LANZINGER: Leider muss heuer der Tiroler Almwandertag 2020 wegen der Corona-Krise entfallen. Im Jahr 2021 wird der Tiroler Almwandertag wieder planmäßig stattfinden.

Tiroler Bauernzeitung: Danke für das Gespräch! 

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