In Frankreich hat Premierministerin Elisabeth Borne vor dem Hintergrund der anhaltenden Trockenheit und hohen Temperaturen einen interministeriellen Krisenstab eingesetzt. Wie die Regierung mitteilte, soll das Gremium die landesweiten Maßnahmen koordinieren, unter anderem um die Trinkwasserversorgung abzusichern.

Paris: „Schlimmste Trockenperiode“
Gegenüber der Bevölkerung wurden weitere Maßnahmen angekündigt um die Trinkwasserversorgung sicherzustellen. Es handle sich um die schlimmste je dagewesene Trockenperiode, deren Auswirkungen durch eine Abfolge von Hitzewellen verschärft würden, heißt es aus Paris. Tatsächlich waren im Juli am französischen Festland 84 % weniger Regen gefallen als üblich. Neue Auflagen für die Wassernutzung sind bereits in Kraft. Je nach Umfang ist die Entnahme für landwirtschaftliche Zwecke begrenzt oder verboten, allen Protesten der Bauern zum Trotz, welche dies als Widerspruch zur Ernährungssouveränität auffassen. Das Landwirtschaftsministerium geht beispielsweise im Grünland von einem Defizit von 60 % aus.

Tankwagen in Spanien
Auch Spanien leidet unter der anhaltenden Trockenheit und hat inzwischen in vielen Landesteilen die Wassernutzung eingeschränkt, wovon die Landwirtschaft allerdings nicht direkt betroffen ist. Der spanische Bauernverband berichtete zuletzt von dürrebedingten Problemen bei der Sonnenblumenund Getreide- sowie Steinfrucht- und Olivenproduktion. Die Viehhaltung kämpft bereits mit der Versorgung bei Tränkewasser. Zahlreiche Betriebe werden nur noch über Tankwagen mit Wasser versorgt.

Futterknappheit in Italien
Auch in ltalien ist die Situation nach wie vor angespannt. Die Weichweizenerträge in der Po-Ebene lagen um 40 % unter dem üblichen Niveau. Bei Mais wird in der wichtigen Agrarregion anteilig mit Totalausfällen gerechnet. Der mitgliederstärkste Landwirtschaftsverband Coldiretti erwartet für Italiens Getreideproduktion gegenüber 2021 einen Rückgang von etwa 30 %, im Mais könnten die Einbußen sogar 45 % erreichen. Auch bei zahlreichen Obstsorten hat die Trockenheit die Erträge laut Coldiretti spürbar gedrückt, je nach Kultur werden bis zu 70 % Minus angeführt. Auch die italienische Milchproduktion ist hitzebedingt um im Schnitt 20 % gesunken. Vielerorts wachse zudem die Angst vor Futterknappheit, insbesondere in Regionen ohne Bewässerungsmöglichkeiten für den Mais.

Notreifer Mais in Deutschland
Ähnliche Sorgen plagen auch deutsche Landwirte. In Franken mussten bereits Anfang August die ersten Maishäcksler ausrücken, wie der Bayerische Bauernverband berichtete. Der Grund, die Silomaisbestände waren aufgrund massiver Trockenheit in die Notreife übergegangen. Landwirte versuchen nun zu retten, was zu retten ist.

MaisQuelle: BZ/Rieberer
Kein seltener Anblick im August: Auf sandigen Böden verdorrt der Mais ohne Bewässerung, vor allem in Süd- und Ostösterreich.

Verluste bei Herbsternte
Schäden zeichnen sich indes auch in Österreich ab. Laut aktueller Auswertung der Hagelversicherung zieht sich eine Trockenzone mit mehr als 50 % Niederschlagsdefizit vom nördlichen Weinviertel in das Wiener Becken und über Semmering und Wechsel die Ost- und Südsteiermark hinunter bis ins Kärntner Lavanttal. Habe man bei der Getreideernte „noch Glück gehabt“, so drohen in der Trockenregion laut dem Vorstandsvorsitzenden der Hagelversicherung Kurt Weinberger bei Mais, Sojabohne, Sonnenblumen, Ölkürbis und vor allem auch im Grünland „erhebliche und massive Ernteausfälle“.

- Bildquellen -

  • Mais: BZ/Rieberer
  • DürreEuropa: Olivier Klencklen - stock.adobe.com
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AUTORRed. CW
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