Wolfspetition an Tiroler Landtag übergeben

Am Montag vergangener Woche wurde diese Petition „Schutz der Bevölkerung, der Land- und Almwirtschaft, des Tourismus und des ländlichen Raumes vor gefährlichen Beutegreifern“ der Talgemeinden des Paznaun an Landtagspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann überreicht. 

Im Bild: Landtagspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann, LT-Vizepräsident und Bürgermeister Anton Mattle, Helmut Ladner (Bgm. Kappl), Arnold Tschiderer (Obmann-Stv. TVB Paznaun), Christoph Mallaun (Vorstand TVB Paznaun) und Bernhard Pircher (Obmann Agrar-gemeinschaft Versing)

Die Agrargemeinschaft Alpe Versing wurde am 12. Juli 2020 schlagartig mit der Thematik Beutegreifer Wolf konfrontiert. Mehrere verletzte, tote und abgängige Schafe schockten die Bauern. Weitere Vorfälle um den großen Beutegreifer veranlassten die Talgemeinden des Paznaun, eine Petition gegen den Wolf zu starten.

„Landwirtschat ist ein Stück Landesidentität. Die Almwirtschaft ist im Tal und im ganzen Land Tirol ein unverzichtbarer Teil der bäuerlichen Wirtschaftsweise. Die bestehende Almbeweidung mit verschiedenen Nutztierarten entspricht jahrhundertealten bewährten Beweidungsformen. Die Schafbeweidung im hochalpinen Bereich schützt außerdem vor Erosionen und Lawinen. Sie sind ein unschätzbarer Beitrag zum Schutz unseres Lebens-, Wirtschafts- und Freizeitraumes“, so Bernhard Pircher, Obmann der Agrargemeinschaft Versing. „Durch die Risse des Beutegreifers Wolf ist aber nicht nur die Land- und Almwirtschaft oder Jagd betroffen, es herrscht darüber hinaus auch in der Bevölkerung und bei vielen Touristikern große Verunsicherung.“

Bereits vor wenigen Wochen wurde von den Gemeinden Serfaus und Fiss eine Petition zu dieser Thematik vorbereitet und eingebracht. Für Pircher war klar, dass die vorbereitete Petition der Gemeinde Serfaus auch im Paznaun flächendeckend mitgetragen werden muss: „Mit den Bürgermeistern der Talgemeinden See, Kappl, Ischgl und Galtür konnten gleich breite Unterstützer dieser Petition gefunden werden. Sie wurde in jeder Gemeinde von verschiedenen Verantwortungsträgern aus Tourismus, Landwirtschaft, Jagd und Vereinen mitgetragen.“ 

LH Platter sichert Unterstützung zu

Auf Initiative des Vereins zum Schutz und Erhalt der Land- und Almwirtschaft in Tirol fand vergangene Woche ein intensiver Austausch zur Wolfsproblematik im Innsbrucker Landhaus statt. Neben Landeshauptmann Günther Platter und LH-Stellvertreter Josef Geisler nahmen die bäuerlichen Spitzen Tirols an dieser Sitzung teil, um gemeinsam mit dem EU-Rechtsexperten Univ.-Prof. Dr. Walter Obwexer eine Linie in Sachen Schutzstatus des Wolfs zu finden. LH Platter unterstrich dabei, dass für die Almsaison 2021 Maßnahmen getroffen werden müssen, um den Almauftrieb sicherzustellen: „Uns allen ist bewusst, wie massiv die Bauern und Almbewirtschafter von den Wolfsrissen betroffen sind. Als Land wollen wir so gut es geht helfen, auch wenn der rechtliche Rahmen sehr eng ist. Vor allem ist es uns ein zentrales Anliegen, die Almbewirtschaftung zu sichern, die weit über die Landwirtschaft hinaus Bedeutung für unser Land hat“, betont LH Günther Platter.
 
Die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU stellt viele Tier- und Pflanzenarten unter Schutz, darunter den Wolf, der sich im so genannten Anhang IV – dem strengsten Schutzstatus – wiederfindet: „Wir haben deswegen das Gespräch mit dem EU-Rechtsexperten Walter Obwexer gesucht, um unserem langfristigen Ziel – der Senkung des Schutzstatus – näherzukommen“, sagt dazu Platter. Der Landeshauptmann ist bereits selbst aktiv geworden und bereitet für Ende September in enger Abstimmung mit den anderen Mitgliedsländern eine gemeinsame Resolution der ARGE ALP vor. „Aktuell wird etwa das Wolfsmanagement nur regional geregelt. Wir wollen, dass hier die Länder des Alpenbogens eng zusammenarbeiten und Druck in Richtung Brüssel aufbauen. Auch vom Bund fordern wir in dieser Thematik stärkere Unterstützung“, so Platter.
 
Für LH-Stellvertreter Josef Geisler ist es wichtig, dass die Bauern spürbare Hilfe bekommen. „Es geht uns nicht um Entschädigungszahlungen. Dafür wird das Land Tirol sorgen. Wir brauchen eine Handhabe, um die Almbewirtschaftung sicherzustellen. Und diese Maßnahmen müssen spätestens im Frühjahr 2021 feststehen. Das bedeutet, wir arbeiten auf verschiedenen Ebenen: Die Landwirtschaftskammern sind ebenso mit eingebunden wie die restlichen Bundesländer und unsere befreundeten bäuerlichen Organisationen in Bayern, Südtirol und den angrenzenden Alpenländern“, erklärt Geisler. Gemeinsam sind Platter und Geisler auch bereit, die notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen. „Wir haben auf der einen Seite rechtlich gültige Richtlinien. Wir können sie nicht einfach wegwischen. Aber in einer Taskforce soll jetzt rasch der weitere Weg ausgearbeitet werden. Darüber werden wir auch die Bauern informieren. Die grobe Linie muss bis in den Spätherbst hinein stehen“, unterstreichen die beiden Politiker.
 
Dass die Bauern jetzt Antworten brauchen, damit das Kulturgut Alm und die funktionierende Almwirtschaft nicht gefährdet sind, war eine der zentralen Forderungen der bäuerlichen Vereinsvertreter bei diesem Gespräch: „Wir haben uns sehr um dieses Gespräch bemüht. Auch wenn die Emotionen verständlicherweise hochkochen, müssen wir auf einer sachlichen Ebene bleiben. Unser Ziel ist es, dass eine Entnahme von Wölfen möglich wird. Dazu brauchen wir die Unterstützung vieler Ebenen. Aber was im Land möglich ist, müssen wir auch auf Landesebene lösen“, betonten stellvertretend Vorstandsmitglied und Obmann des Tiroler Schafzuchtverbandes Michael Bacher und Vereinsobmann und LK-Präsident Josef Hechenberger. Die Bauern dankten LH Platter in diesem Zusammenhang für seine klaren Aussagen zum Wolf.

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