Wertvoll wie ein Bierdeckel…

Kommentar von Prof. Hubert Wachter,
Publizist.

Es war eine vergleichsweise sehr kleine Meldung, die da in den vergangenen Tagen unter den Horror-Kriegsberichten fast unterging: Russland, so stand da zu lesen, zahle finanzielle Verpflichtungen an „unfreundliche Staaten” nur noch in Rubel aus. Zu jenen gehöre auch Österreich.
Im Klartext: Moskau befiehlt jetzt seinen Bürgern, seinen Firmen, seinen Kommunen und sich selbst, dem russischen Staat, finanzielle Verpflichtungen in anderen Währungen nur noch in Rubel, dessen Kurswert weltweit im freien Fall befindlich und folglich fast wertlos geworden ist, zu bezahlen. Als eine der Antworten Putins auf Sanktionen.
Ein Parade-Industrieller Österreichs, der sich selbst bislang aus Russland-Geschäften herausgehalten hat, kommentiert dies so: Eine Währung, die nicht mehr angenommen wird, ist keine mehr, dagegen seien „selbst Bierdeckel mehr wert…“.
Deutliche Worte. Immerhin, 500 österreichische Unternehmen sind in Russland engagiert, mit Geschäftsvolumina in Euro-Milliardenhöhe. Das wird verlustreich. Mit unabschätzbaren Folgen.
Die Vizekanzler Werner Kogler scharf so formulierte: Zu lange hätten heimische Wirtschaftsfunktionäre Wladimir Putin „den roten Teppich mit Schleimspur ausgelegt”. Was wird nun aus MAN-Steyr, wo Fahrerkabinen für russische LKWs gefertigt werden sollen? Oder dass der Borealis-Verkauf (Düngemittel, eine OMV-Tochter, 700 Mitarbeiter in Linz) um 455 Millionen Euro an die russisch-schweizerische EuroChem (des Oligarchen Andrei Melnitschenko) vielleicht doch gestoppt wird, ist für Österreichs Landwirtschaft von essenzieller Bedeutung.
So ist sie, die Zeitenwende.

wachter.hubert@aon.at

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