
Unterschiedliche Bedürfnisse der Mitglieder

Am Beispiel der WWG Raabs an der Thaya erläutert er die Leistungen, die der Verband für seine Mitglieder erbringt. “Wir haben bereits rund 250 Mitglieder – vom ‚g ‘standenen‘ Landwirt bis zum Zahnarzt, der den Wald von seinen Großeltern geerbt hat.” Dementsprechend unterschiedlich sei auch die benötigte Unterstützung. Während ein aktiver Landwirt in erster Linie an aktuellen Informationen und einer schlagkräftigen Vermarktungsorganisation interessiert sei, brauche ein “hofferner” Waldbesitzer vollen Service – vom Aussetzen der Forstpflanzen über Durchforstungsarbeiten bis zur Holzernte und Vermarktung.
Risikobereitschaft schafft Gestaltungsspielraum

“Egal ob Sägewerk oder Industrieholz, auch die Abnehmer sehen Vorteile für sich, wenn sie nur einen Ansprechpartner haben.” Die Preise sind auch in der Holzwirtschaft am Weltmarkt angekommen und nur durch faire Partnerschaften auf Augenhöhe über die gesamte Wertschöpfungskette könnte jeder Einzelne längerfristig wirtschaftlich bestehen, so Fischer.
Dass eine Gemeinschaft mehr erreichen kann als ein Einzelner, zeigt auch die Geschichte der Fernwärmegenossenschaft Raabs an der Thaya, an deren Gründung Franz Fischer ebenfalls federführend beteiligt war. 2003 wurde von zwölf Mitgliedern in zentraler Lage ein Fernheizwerk errichtet, mit dem 30 Abnehmer – fünf öffentliche Gebäude, sechs Gewerbebetriebe, zwei Geldinstitute, ein Pflegeheim und zwei Trockenkammern – im angrenzenden Sägewerk beheizt werden.
“Zuerst gab es Überlegungen, das Projekt gemeinsam mit einem externen Betreiber umzusetzen”, erinnert sich Franz Fischer an die Anfänge. Doch schlussendlich haben die zwölf Mitglieder der Genossenschaft das Risiko nicht gescheut und auf eigene Rechnung das Heizwerk und die Wärmeleitungen errichtet. “Wenn man bereit ist, unternehmerisches Risiko einzugehen und Verantwortung zu übernehmen, hat man im Gegenzug weit mehr Gestaltungsspielraum. Wir sind dadurch Wärmeverkäufer anstatt Holzverkäufer, was mit entsprechender Wertschöpfung verbunden ist”, freut sich Fischer.
“Mit dem Bau der Fernwärmeanlage ist auch Wertschöpfung in die Region gekommen – vom Baumeister bis zum Installateur wurden alle Arbeiten an regionale Gewerbebetriebe vergeben”, zeigt Fischer die Bedeutung einer derartigen Investition für die gesamte Region auf.
In der Stadtgemeinde Raabs an der Thaya leben rund 2800 Menschen. Sie besteht aus 33 Katastralgemeinden und zählt flächenmäßig zu den größten Gemeinden in NÖ. Seit den 1950er-Jahren ist die Bevölkerungszahl stets rückläufig. Dennoch ist Fischer überzeugt, die Region hat Zukunft, wenn die Menschen, die hier leben, daran glauben.
Auch wenn die Marktsituation in vielen Bereichen der landwirtschaftlichen Produktion derzeit schwierig ist, glaubt Fischer an eine Zukunft für die heimische Landwirtschaft. “In vielen Bereichen sind der Hausverstand und der Blick auf das Wesentliche verloren gegangen. Was die bäuerlichen Belange betrifft, reden immer mehr Experten mit, die kaum noch wissen, was es heißt, Bäuerin oder Bauer zu sein”, fordert Fischer von der Agrarpolitik in erster Linie eine effektivere Bürokratie.
“Gerade weil vielen Menschen der Bezug zur Landwirtschaft fehlt, ist es wichtig, dass wir als bäuerliche Funktionärinnen und Funktionäre aufzeigen, was die Bauernschaft wirklich braucht”, begründet Franz Fischer sein Engagement als Landeskammerrat in der bäuerlichen Interessenvertretung, wo er zum Vorsitzenden des Forstausschusses gewählt wurde. Ein Thema liegt Fischer noch besonders am Herzen: eine fundierte Ausbildung für die bäuerliche Jugend. Grund genug auch für den angehenden Jungbauern Sebastian, im kommenden Herbst eine Ausbildung an der LFS Edelhof zu beginnen.
Waldverband NÖ: Interessenvertretung & Vermarktung

Die Waldverband NÖ GmbH ist ein eigenständiges Unternehmen mit Firmensitz in Pressbaum. Firmenziele: Bündelung und gemeinsame Vermarktung aller anfallenden Sortimente; transparente Abwicklung aller Holzgeschäfte im Sinne der Mitglieder; verlässlicher Biomasselieferant
Eva Riegler
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