Landjugend setzt mit dem “Bäuerlichen JungunternehmerInnentag” Impulse

Die ReferentInnen: Martin Schnuppe (Bundesvorstandsmitglied der Landjugend Österreich und Jungübernehmer), Markus Pannagl (Landesobmann der Wiener Junggärtner/ Landjugend und Jungübernehmer), Andreas Jirkowsky (Leiter Landwirtschaftlicher Erzeugnisse in der RWA), Sophie-Kristin Hausberger (Moderation), Andreas Pfaller (Referatsleiter Pflanzliche Erzeugnisse in der Landwirtschaftskammer Österreich) und Barbara Eichinger (Geschäftsführerin weizenfrei)
Quelle: Landjugend Österreich (LJÖ)
420 wissbegierigen JunglandwirtInnen nutzen die Chance, sich beim “Bäuerlichen Jungunter-nehmerInnentag” online weiterzubilden.

Mit dem “Bäuerlichen JungunternehmerInnentag” hat die Landjugend Österreich einmal mehr ihre Vorreiterrolle als Weiterbildungs- und Anlaufstelle für junge Menschen in agrarischen Fragen bewiesen. Aufgrund der Coronasituation gab es diesmal eine Liveübertragung der ReferentInnen direkt zu den TeilnehmerInnen nach Hause auf den Hof. Insgesamt wurde der bäuerliche JungunternehmerInnentag von 420 JunglandwirtInnen dazu genutzt, sich im Rahmen von verschiedensten Vorträgen über Themen wie die aktuelle Marktsituation im Ackerbau, Zeitmanagement und Klimaanpassung hinsichtlich landwirtschaftlicher Kulturen zu informieren.

Herausforderungen im Ackerbau

Andreas Pfaller, Referatsleiter für pflanzliche Erzeugnisse in der Landwirtschaftskammer Österreich, berichtete über die Zukunft im Ackerbau. Die Herausforderungen sind hier vielfältig, allen voran klimatische Veränderungen aber auch schwierige Produktionsbedingungen führen zur Veränderung im Portfolio der angebauten Kulturen, aber auch neue Arten werden interessant. „Die Niederschläge werden mehr und unregelmäßiger, sie verlagern sich tendenziell auch in den Winter, dies soll beim Anbau der Kulturen beachtet werden“, so Pfaller. Die Bodenbonität ist wesentlich für einen erfolgreichen Ertrag. Interessant ist auch die Ausweitung der Anbaufläche bei Melonen. Hier ist die Ernte in Österreich von rund 11 Tonnen im Jahr 2000 auf 1.392 Tonnen im Jahr 2019 gestiegen.

Direktvermarktung oder Verkauf an Erzeugerorganisationen

Markus Pannagl (Wien) und Martin Schnuppe (Kärnten) sind beide Jungübernehmer eines Gartenbaubetriebes. Doch eines unterscheidet sie, Pannagl liefert seine Ernte an Erzeugerorganisationen und Schnuppe setzt ganz auf den persönlichen Kontakt in der Direktvermarktung. „Durch die Direktvermarktung habe ich die Möglichkeit einer eigenen Preisgestaltung, man ist hier von keinem abhängig außer von den Endkunden selbst. Mir gefällt der direkte Kontakt zu den KonsumentInnen, so kann ich meine Geschichte über unser Gemüse erzählen und die Kundenbindung wird gestärkt“, argumentiert Schnuppe. Pannagl hingegen setzt auf die Abnahmegarantie der großen Erzeugergemeinschaften. „Ich brauche kein Budget in das Marketing investieren, wir sind spezialisiert auf die Produktion einzelner Sorten und auch die Planbarkeit ist durch die Vermarktung an Erzeugerorganisationen einfacher“, kontert Pannagl. Beide sind sich jedoch einig, dass es nicht nur Vorteile gibt. Jeder Bauer, jede Bäuerin hat für sich und seinen Betrieb selbst zu entscheiden, welche Argumente ausschlaggebend sind.

 Aktuelle Entwicklungen am Getreidemarkt

Andreas Jirkowsky, Bereichsleiter für landwirtschaftliche Erzeugnisse in der RWA, gab einen Marktüberblick über das Getreide und aktuelle Entwicklungen. Die weltweite Produktion von Weizen ist von knapp 590 Mio. Tonnen auf 780 Mio. Tonnen in den letzten 20 Jahren gestiegen. „In Österreich hat es beim Anbau wesentliche Zuwächse in den Kulturen Ölkürbis, Sonnenblume, Dinkel und Wintergerste gegeben. Rückgänge hingegen gab es bei Ölraps, Körnermais (in erster Linie Bio-Körnermais), Sommergerste und Zuckerrübe“, so Jirkowsky zu den Veränderungen der Anbauflächen 2019/20 gegenüber 2018/ 2019. „Ölraps kommt in den letzten Jahren mit einem Anbau von 35.000 ha schon in den Bereich der Nischenkulturen“, ergänzt Jirkowsky. Die Anbauverschiebungen sind verursacht durch klimatische Veränderungen und der Nachfrage nach bestimmten Produkten. Zu der Frage der Auswirkungen von der Corona-Pandemie auf das Agrargeschäft: „Im März gab es aufgrund von Hamsterkäufen einen kurzfristigen Anstieg des Verbrauches, vereinzelte Probleme in der Logistik im Exportgeschäft und ein Anstieg der Preise an den Börsen folgten. Nach dem Hype gab es einen spürbaren Rückgang der hohen Nachfrage durch den Lockdown, da die Gastronomiegeschäfte geschlossen blieben.“

Zeitmanagement gekonnt gemeistert

Barbara Eichinger führt seit 2016 gemeinsam mit ihrem Mann eine 100% weizenfreie und glutenfreie Bäckerei. Für Eichinger ist es wichtig, den Tag und die Woche zu planen und sich dabei klare Ziele zu setzen. „Routinetätigkeiten sind ein entscheidender Bereich und gehören bewusst in die Tagesplanung eingeführt“, gibt Eichinger als Tipp. „Zeitfresser und Zeitmonster sollen identifiziert und ausgeschalten werden, da sie kostbare Ressourcen rauben.“ Führungskräfte wollten oft alles selber in der Hand haben, dabei sei es aber wichtig, dass man nicht alles selber mache. Bewusst Verantwortungen an Personen zu übertragen, könne den Arbeitsalltag enorm erleichtern, doch dabei müsse es einen “Steuermann” geben, der stets den Überblick behalte

“Es ist erfrischend zu sehen, wie viele junge Menschen Interesse an unser aller Zukunft zeigen. Nur durch den stetigen Austausch und die offene Diskussion können wir unsere Zukunft und die der Landwirtschaft selbst in die Hand nehmen und mitgestalten”, unterstrich Marianne Mikusch, Bundesleiterin Stellvertreterin der Landjugend. Durch den Abend führte Sophie-Kirstin Hausberger (ORF-Journalistin).
(M.S.)

 

 

- Bildquellen -

  • Bäuerlicher JungunternehmerInnentag 2020 (2): Landjugend Österreich (LJÖ)
  • Bäuerlicher JungunternehmerInnentag 2020 (1): Landjugend Österreich (LJÖ)
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