Mitte Juni gipfelte die anhaltende Frühjahrstrockenheit in einer Hitzewelle über ganz Mitteleuropa. Auch Österreich wurde schwer getroffen. Die ersehnten großflächigen Regenschauer blieben aus. Regional sorgten Gewitter oder Regenfronten für ein Aufatmen. Auch an der Warenterminbörse waren die Wetterextreme die Preistreiber. Der Impuls dazu kam aber nicht aus Europa, sondern aus den USA. Ausgehend von den Sommerweizenanbaugebieten Nord- und Süddakotas weitete sich die Hitze Anfang Juli auch auf die Winterweizenanbaugebiete des US-Midwest aus. Nervosität zu den mehr als entspannten globalen Versorgungsbilanzen machte sich am Markt breit. Innerhalb weniger Tage kletterten die Kurse nochmals deutlich über bereits beim ersten Wettermarkt im Juni etablierten Kurshochs. Der Terminmarkt reagierte sensibel – innerhalb weniger Tage fand mehr Kursbewegung statt, als im letzten Jahr. Neben Händlern und Produzenten investierten zu dieser Zeit auch mehr Finanzinvestoren, als üblich in Weizen.

Lokale Märkte reagieren zurückhaltend

Der Wettermarkt erreichte am 10. Juli seinen bisherigen Höhepunkt. Niederschlagsreichere Wettermodelle für die US-Great Plains, sowie ein Bericht des US-Landwirtschaftsministeriums, der die ausgezeichneten globalen Überlager zurück auf den Tisch brachte, trübten die Kurse ein. Die Zugewinne bauten sich Stück um Stück wieder ab. Momentan (24. Juli) wird leicht oberhalb des Niveaus vor der ersten Hitzewelle notiert (175 Euro pro Tonne für Matif Dezember-Weizen). Die Börsenrallye wurde vom hiesigen Agrarhandel wahrgenommen, die Offerte wurden jedoch nur bedingt nachkorrigiert. Vielerorts kamen kurz vor der Ernte auch gar keine Vorkontrakt-Geschäfte mehr zustande – abwartende Aufkäufer standen Landwirten mit Qualitätsbedenken gegenüber. Die Frühjahrstrockenheit brachte Bedenken über Schrumpfkorn und mangelhafte innere Qualitäten.

OÖ: Überraschend gute Mengen und Qualitäten

Die Weizenernte kam in der vergangenen Woche voll in Schwung. Die Grundstimmung zu den Druschergebnissen würden wir bisher als überrascht positiv einstufen. Auf gut versorgten, wasserspeichernden Böden zeigen sich zufriedenstellende bis ausgezeichnete Erträge bei mehr als acht Tonnen pro Hektar. Auf seichtgründigeren Böden zeigt sich die Feuchtigkeit als ertragsbegrenzender Faktor mit teils erheblichen Einbußen. Generell dürfte sich aber der mit trockener Witterung verbundene, minimale Krankheitsdruck heuer sehr positiv zeigen. Ein zufriedenes Ertragsbild zeigt sich vom Innviertel bis ins Mostviertel. Da auch schon die Gerstenerträge positiv überrascht haben, ist die Verfügbarkeit in den veredelungsstarken Regionen recht gut. Zudem warten noch Überlager. Deutlich höhere Preise infolge schwacher Erträge werden also vorerst sehr schwer zu rechtfertigen sein. Von Sankt Pölten ostwärts – vor allem im Weinviertel, dem Marchfeld bis ins Mittelburgenland – sind teils erhebliche Ausfälle (30 Prozent oder mehr) zu verkraften. Europaweit deutet sich derzeit aber eine Durchschnittsernte ab.

Bessere Qualitäten international gefragt

Die von der Hitzewelle betroffenen US-Sommerweizen-Anbaugebiete sind bekannt für ihr üblicherweise reichhaltiges Angebot an hochqualitativem Weizen (Hard Red Spring). Nach der Trockenheit wird erwartet, dass genau dieser Weizen in der internationalen Bilanz fehlen wird. In Europa konnte man in den letzten Wochen bereits Bemühungen von Exporthändlern sehen, die fieberhaft hochwertige Qualitätsweizen für spätere Exportaufträge suchten. Aus der letzten Ernte sind bei den besseren Weizenqualitäten die Überlager fast geleert. Auch für Mahl- und Futterweizen herrscht Kaufinteresse in den Herbst hinein, einstweilen ist die Zahlungsbereitschaft jedoch im Vergleich zu Qualitätsweizen noch vergleichsweise verhalten. Am EU-Exportmarkt zeichnet sich immer deutlicher die im Frühjahr vermutete starke Konkurrenz aus Russland an. Vor allem im Herbst und Winter sind Russland und die Schwarzmeerstaaten am Aktivsten mit ihren Ausfuhren. Sie sind aber nicht für das obere Qualitätssegment bekannt, sondern eher für Futterweizen und schwächere Mahlweizen. Mit einem stärkeren Euro (derzeit circa 1,15 €/USD, Frühjahr: 1,05 €/USD) könnten auch die EU-Exporte brauchen, um Fahrt aufzunehmen.

Mais als Preismagnet für Weizen

So zufrieden die Stimmung während der Weizenernte zu den Mengen und Qualitäten ist, umso besorgter ist man um die Herbstkulturen. Besonders Mais kommt gebietsweise an seine Belastungsgrenzen. Es ist schwer abzuschätzen, mit welchen Einbußen er nach der Hitzewelle zur Ernte gehen wird. Die bisherigen EU-Ernteerwartungen von knapp über 60 Millionen Tonnen Körnermais sind schon in Ferne gerückt. Bald einsetzender, ergiebiger Regen könnte Schäden noch begrenzen. Einbußen werden aber bleiben – alleine schon durch fehlende Druschflächen, die vorzeitig als Grünsilage oder Biogassubstrat geerntet werden. Fehlender Mais an den europäischen Futtertrögen könnte nicht nur festere Maiskurse bedeuten. Diese Konstellation könnte auch die Weizenkurse mit nach oben ziehen. Nicht nur in Europa, sondern auch im US-Corn Belt deutet sich anhaltende Hitze während der Blüte und Einkörnung an. Trotz der hohen globalen Mais-Überlager sind die Märkte besonders anfällig für wetterbedingte Ertragskorrekturen im Spätsommer und Herbst.

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