Dreifache Malaise

Kommentar von Prof. Hubert Wachter,
Publizist.

Neo-Minister Martin Kocher ist mit viel Vorschuss-Lorbeer ins Amt gestartet. Bundespräsident Alexander Van der Bellen attestierte Kocher, dafür „ganz zweifellos fachliche Kompetenz und Expertise mitzubringen”. In ebenso sonorem wie väterlich-freundlichem Ton fügte das Staatsoberhaupt, ehe es den neuen Minister formell angelobte, indes gleich auch mahnende Worte hinzu:
„…und es ist mir wichtig zu betonen, dabei vor allem ein Auge auf den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft zu haben. Wir müssen alles tun, um eine Spaltung unserer Gesellschaft zu vermeiden und zu verhindern. Denn wir wollen in dieser Krise niemanden zurücklassen.”
Wer hören wollte, konnte verstehen!
Tatsächlich hat damit der Bundespräsident in der ihm so eigenen Art etwas anklingen lassen, was der Regierung nach der Bewältigung der Corona-Malaise, wann immer das sein wird, erst recht blüht: Einerseits die Rettung der Wirtschaft und damit zusammen hängend anderseits die sich schon jetzt deutlich abzeichnende sozialpolitische Malaise Hunderttausender Arbeitsloser mit deren Job- und Existenzängsten. Vor allem für das 2. Halbjahr 2021 prophezeit der Alpenländische Kreditorenverband Österreich eine enorme Insolvenzwelle, sowohl bei Firmen als auch, als Folge davon durch den zusätzlichen Schub an Arbeitslosigkeit, bei Privaten.
Fazit: Österreichs Regierung steht vor einer absoluten Herkulesaufgabe, von der manche sagen, dass sie mehrere Jahre benötigen wird, um bewältigt zu werden. Weil es in Wahrheit um eine dreifache und gleichzeitige Malaise geht.

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