Für Landwirte gilt: Jegliche Form der Bodenverdichtung ist unbedingt zu vermeiden. Denn für Pflanzen und Bodenlebewesen ist eine gute Bodenstruktur Grundvoraussetzung, um den Bodenraum optimal nutzen zu können.

Größer, breiter, schneller – das Ultimum ist nicht immer besser

Ein wesentliches Kaufkriterium für Traktoren ist die Zugleistung. Mit leistungsfähigeren Fahrzeugen steigen auch die Ansprüche an die zu ziehenden Geräte. Dabei sind Effizienz und Schlagfähigkeit ein wichtiger Aspekt.

Die daraus resultierenden höheren Gewichte dürfen dabei aber nicht außer Acht gelassen werden. Denn sobald ein Fahrzeug über den Boden rollt und der Druck unter den Reifen die Tragfähigkeit des Bodens übersteigt, werden die Bodenbestandteile dichter zusammengedrückt und die Hohl-räume weniger. Der Boden wird verdichtet und seine Funktionsfähigkeit verändert sich.

Kurz gesagt, entstehen Bodenverdichtungen immer dann, wenn zu feuchte Böden befahren werden und die vom Fahrzeug verursachten Bodendrücke zu hoch sind.

Was aber passiert genau? Beim Befahren der Böden müssen Gewichts- und Antriebskräfte im Boden abgestützt werden. Die Kräfte werden über die Kontaktfläche „Rad-Boden“ in den Boden eingeleitet und wirken dort als Bodendruck.

Zwar erwirbt der Boden dadurch eine höhere Tragfähigkeit, das ist aber mit dem Verlust von luftführenden und wasserleitenden Grobporen verbunden. Ob es zu einer Verformung kommt und wo diese stattfindet, hängt von Ausmaß und Art der Belastung durch das Fahrzeug sowie von der Tragfähigkeit des Bodens ab.

Einflussfaktoren auf die Stabilität des Bodens

Den größten Einfluss auf die Tragfähigkeit von Böden hat der Wassergehalt. Je feuchter ein Boden ist, umso leichter lassen sich die Bodenpartikel zueinander verschieben. Dabei wirkt Wasser wie ein Gleitmittel – mit zunehmender Feuchtigkeit sinkt der Reibungswiderstand.
Besonders auf Standorten mit hohem Feinanteil, also mit Ton und Feinschluff, leidet die Stabilität beim Befahren unter nassen Bedingungen. Auch Sandböden sollten keineswegs als problemlos und jederzeit befahrbar eingestuft werden.

Negative Auswirkungen falscher Bodenbearbeitung

  • geringere Infiltration von Niederschlägen (Folge: Erosion)
  • Boden kann weniger Wasser speichern (Trockenstress)
  • schlechteres Wurzelwachstum
  • schlechtere Durchlüftung und Nährstoffverfügbarkeit
  • geringere Aktivität der Bodenlebewesen (vor allem Regenwürmer)
  • mögliche Ertragsverluste
  • verstärkt Lachgasemissionen (Verlust von gasförmigem Stickstoff)

Ein Lernprozess – die Sprache des Bodens verstehen

Im Gegensatz zum Menschen hat der Boden auch ein erstaunlich gutes (Langzeit-) Gedächtnis. Eine Überfahrt bei zu feuchten Bedingungen oder eine Bodenbearbeitung bei ungünstigen Verhältnissen kann mitunter noch nach Jahren negative Folgewirkungen haben. Doch wer die Sprache des Bodens zu verstehen weiß, denkt nicht über die Behebung eines schadverdichteten Bodens nach, sondern da-rüber Verdichtungen generell zu vermeiden. Wer jedoch feststellt, dass sein Boden womöglich Verdichtungsschichten aufweist, sollte sich Gedanken über mögliche Fehler in der Vergangenheit machen: War der Boden befahrbar? Waren bzw. sind meine Werkzeuge verschlissen? Und wichtig: daraus lernen.

Fazit

  • weniger Arbeitsgänge
  • Gewicht reduzieren (kleinere Maschinen)
  • Verdichtungen erkennen, verstehen und handeln
  • Spatenprobe vor jeder Befahrung bzw. Bearbeitung

Den Zusammenhang von Bereifung und Bodendruck erörtert der zweite Teil der Bodendruck-Serie. Im Beitrag “Angepasster Reifendruck” werden die unterschiedlichen Reifendruck-Regelungssystemen vorgestellt. Der vierte und damit finale Teil der Fachartikel-Serie widmet sich dem wichtigen Thema Bodenschonung und -sanierung.

- Bildquellen -

  • Tire Tracks With Rainwater In Arable Field Under Dark Cloudy Sky: ysbrandcosijn – stock.adobe.com
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