Werbeverbot für Käpt‘n Iglo!?

Gastkommentar von Katharina Koßdorff,
Geschäftsführerin des Fachverbandes der Lebensmittelindustrie.

Quelle: WKO
Die EU-Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste (AVMD-RL) sieht vor, dass Werbung für Lebensmittel mit hohem Zucker-, Salz- oder Fettgehalt im Umfeld von Sendungen für Kinder zu reduzieren ist. Ihr Ziel ist es, die Einwirkung „unangebrachter audiovisueller kommerzieller Kommunikation“ auf Kinder wirkungsvoll zu verringern. Das Gesundheitsministerium beabsichtigt jedoch, darüber hinausgehend („Gold Plating“) ein nationales Nährwertprofil zur Bewertung von Lebensmitteln zu schaffen und nicht nur Kinder, sondern Personen bis 18 Jahre zu umfassen. Die Folge wären umfangreiche Werbeverbote für Lebensmittel. In der EU-Richtlinie sind aber weder solche restriktiven Nährwertprofile noch absolute Werbeverbote vorgesehen. Vielmehr sollen Ende 2022 Nährwertprofile auf europäischer Ebene vorgelegt werden. Nationale Werbeverbote lehnen wir daher klar ab, weil diese unverhältnismäßig sind und in der wirtschaftlich schwierigsten Zeit seit dem Zweiten Weltkrieg das völlige falsche Zeichen wäre. Eine Sitzung der Nationalen Ernährungskommission brachte letzten Freitag dazu kein endgültiges Ergebnis.
 
Ein „österreichisches Nährwertprofil” würde laut Entwurf des Gesundheitsministeriums zu absoluten Werbeverboten für eine Reihe von Lebensmitteln führen, etwa für Milch und Joghurt, verarbeitetes Obst und Gemüse, Süßwaren, Müsli- und Getreideriegel, Kekse und Backwaren, bestimmte Wurst- und Fleischerzeugnisse, paniertes Fleisch, Fisch und Geflügel. Das Nährwertprofil würde auch die bäuerlichen Direktvermarkter treffen. Denn Werbung etwa für Biomilch oder daraus hergestelltes Joghurt wäre dann ebenfalls verboten. Und zwar sowohl in kommerzieller Kommunikation im Zusammenhang mit Kindersendungen als auch in Social Media – und zusätzlich auch noch bis zu einem Alter von 18 Jahren. Skurril, denn Jugendliche unter 18 Jahren dürfen wählen, heiraten und Autofahren – aber eine Werbung für Fischstäbchen dürften sie dann nicht sehen. Offenbar ist Käpt’n Iglo gefährlicher als Straßenverkehr oder Computerspiele…
 
Seit 2010 haben sich Lebensmittelindustrie, Werbewirtschaft und Rundfunkbetreiber zu einem eigenen Verhaltenskodex verpflichtet. Dieses System der Selbstregulierung funktioniert seit 10 Jahren hervorragend und wird jetzt auf Soziale Medien erweitert. Österreichs Lebensmittelindustrie steht für verantwortungsvolle Informationen über Lebensmittel, insbesondere auch gegenüber Kindern und Jugendlichen.
Auf www.oesterreich-isst-informiert.at findet man transparente, wissensbasierte Informationen über Lebensmittel und deren Herstellung.

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  • Kossdorff: WKO
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