„Sommerfrische ist ein buchbares Lebensgefühl“

Niederösterreich positioniert sich in der Corona-Krise als die Ferien-/Freizeitregion vor den Toren Wiens, wo sich Gäste nicht nur wohl, sondern vor allem sicher fühlen sollen, betont Jochen Danninger.

Wirtschaftslandesrat Danninger: „Niederösterreich ist so vielfältig, vieles noch unbekannt, da lohnt sich allemal ein Urlaub zu Hause“. Er plant selber Ausflüge im Land.

Am 1. März hat der neue Landesrat die Agenden Wirtschaft, Tourismus und Sport in der NÖ Landesregierung von Petra Bohuslav übernommen. Fast zeitgleich hat die Coronakrise das Leben der Menschen im Land gehörig durcheinandergebracht.
Im Interview mit der BauernZeitung NÖ spricht Jochen Danniger über die aktuellen Herausforderungen für Wirtschaft, Landwirtschaft und Gastronomie.

BauernZeitung: Nach der Krise befinden wir uns am Weg in eine „neue Normalität“. Wie geht es der Wirtschaft in NÖ?

DANNINGER: Ich habe in den vergangenen Wochen viele Unternehmerinnen und Unternehmer getroffen, die Tag und Nacht arbeiten, um ihren Betrieb wieder ins Laufen zu bringen. Dieser Weg ist gerade im Tourismus besonders steinig. Ich habe aber in
den Gesprächen auch viel Zuversicht wahrgenommen. Viele sind froh, dass die Einschränkungen aufgehoben wurden und es endlich wieder losgeht.

Was brauchen die Betriebe derzeit vorrangig und wie kann sie das Land dabei unterstützen?

Die Hilfspakete von Bund und Land sind essentiell, um unsere Betriebe wieder aus der Krise zu führen. Wir stehen vor den größten Herausforderungen seit dem Zweiten Weltkrieg und es wird dauern, bis wir wieder mit vereinten Kräften aus dieser Krise
herauskommen. Es kann aber auch jeder einzelne von uns einen Beitrag leisten, um diese Krise zu überwinden. Etwa indem er jetzt bewusst einen Urlaub oder Ausflug in Niederösterreich macht oder beim regionalen Händler ums Eck einkauft statt beim
US-Online-Giganten.

Apropos Urlaub und Ausflug in Niederösterreich. Wie stellt sich die Lage hier konkret dar?

Mit dem ersten Maßnahmenpaket des Landes haben wir uns ganz bewusst der Tourismuswirtschaft gewidmet, weil wir wissen, hier ist der Druck am größten. Dabei haben wir vor allem auf den Faktor Sicherheit gesetzt. Diesen Sommer werden vor allem jene Destination gebucht, wo sich die Gäste nicht nur wohl, sondern vor allem
auch sicher fühlen. Mit unserer Initiative „Sicher Rausgehen“ beraten wir Betreiber von Ausflugszielen. Wir haben ein Handbuch für Outdoor-Ausflugsziele, samt Checklisten für
alle wesentlichen Kontaktpunkte mit den Gästen, und ein Hygienekonzept erarbeitet. Weiters unterstützen wir unsere Tourismusbetriebe bei ihren infektionspräventiven Maßnahmen mit bis zu 1500 Euro, wenn sie etwa Plexiglaswände installieren. Aber vor
allem setzen wir auf eine großangelegte Marketinginitiative.

Was bedeutet das nun für die einzelnen Betriebe?
Viele Gastgeber in Niederösterreich freuen sich auch diesen Sommer über eine passable Buchungslage, andere spüren die Krise stärker. Wirtschaftstourismus und Gruppenreisen sind derzeit nach wie vor nicht vorhanden. Schon in den vergangenen
Jahren kamen 60 Prozent unserer Gäste aus dem Inland. Für die unsere Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe wäre es sehr erfreulich, wenn so viele Österreicher wie möglich heuer die Gelegenheit nützen, um das eigene Bundesland kennen zu lernen. Niederösterreich ist so vielfältig, vieles noch unbekannt, da lohnt sich
allemal ein Urlaub zu Hause.

Die Landwirtschaft und die Gastronomie haben es gleichermaßen schwer, wieder in Schwung zu kommen. Gibt es hier gemeinsame Projekte, um sich gegenseitig zu stärken?

Niederösterreichs Tourismus, die Kultur und der Weinbau stehen derzeit vor denselben großen Herausforderungen, um wieder in Schwung zu kommen. Daher haben wir das Projekt „Kultur beim Winzer“ initiiert. Ab 17. Juli bis 20. September 2020 finden bei
32 Winzerinnen und Winzern in ganz Niederösterreich prominent besetzte Kulturveranstaltungen statt, bei denen die Gäste Wein- und Kunstgenuss miteinander
verbinden können. Unser Ziel ist es, die Kombination aus Wein, Genuss und künstlerischer Darbietung für unsere Gäste wieder uneingeschränkt erlebbar zu machen. Und wo gelingt dies besser, als bei unseren vielen großartigen niederösterreichischen Weingütern und Heurigen. Winzerinnen und Winzer aus allen Weinbauregionen Niederösterreichs haben dafür attraktive, kulturaffine Packages
geschnürt.

Warum sollen auch die Menschen in Niederösterreich im eigenen Bundesland
Urlaub machen oder anders gefragt, was hat das Land, was die anderen Bundesländer oder gar Nachbarländer nicht haben?

Wir positionieren Niederösterreich heuer als die Ferien- und Freizeitregion vor den Toren Wiens. Besonders attraktiv ist hier natürlich die Nähe, denn in maximal eineinhalb Stunden ist man in jeder Destination Niederösterreichs. Zudem gibt es auch bereits
Angebote, viele Regionen Niederösterreichs öffentlich zu erreichen. Ob alleine, mit Kindern, mit dem Rad, hier gibt es bereits viele attraktive Lösungen. Dazu kommt, dass die Sommermonate in den Städten auch immer heißer werden und es die Wiener daher
auch vermehrt aufs Land zieht. Mit unserer neuen Sommerfrische in Niederösterreich haben wir das perfekte Angebot – und zwar für die ganze Familie. Sie ist nämlich viel mehr als nur Sommerurlaub – sie ist ein buchbares Lebensgefühl.

In Wien wurden zuletzt Gastronomiegutscheine an die Bevölkerung verteilt. Helfen solche Gutscheine jetzt weiter?

Wir haben uns dazu entschieden, Wirtshaus-Gutscheine mit der Niederösterreich-
Card zu verbinden. Davon erwarten wir uns einen höhere Wertschöpfungseffekt in den Regionen, weil der Wirtshausbesuch im Idealfall mit dem Besuch in einem Ausflugsziel
und einer Nächtigung in Niederösterreich mit der gesamten Familie verbunden werden kann. In den Sommermonaten werden wir daher heuer erstmals unter den Card-Besitzern 20.000 Wirtshauskultur-Gutscheine verlost, was die Attraktivität der Card
weiter erhöht und unsere Wirte in der aktuellen Lage unterstützt.

Zum Schluss eine private Frage: Gibt es heuer Urlaub für Sie und wenn ja, wo werden Sie diesen verbringen?

Ich werde mit Freunden eine mehrtätige Radtour unternehmen und mit meinen Töchtern habe ich einige Ausflüge geplant.

(E.R./A.R.)

- Bildquellen -

  • Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger im Interview: PHILIPP MONIHART
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