Viel ist nicht immer besser

Die optimale Mineralstoffversorgung von Rindern ist eine Kunst. Die meisten Halter sind aus guter Absicht zu spendabel. Beim Landestag der Rindermast informierte Fütterungsexperte Franz Tiefenthaller daher über Aufgaben und Bedarf dieser wichtigen Nährstoffe sowie über die Folgen bei falscher Dosierung.

In der Praxis ist das Mineralfutter meist Teil des Kraftfutters. Richtig dosiert fördert es die Fresslust und sorgt für gute Tageszunahmen. Orientierungshilfe bietet die „Gruber Tabelle“.

Für die Rindermast gibt es relativ exakte Bedarfswerte für die Mineralstoffversorgung. Werden die Tiere nicht ausreichend mit den wichtigsten Mengen- und Spurenelementen versorgt, liegt ein Mangel vor. Eine „kleine Katastrophe“ für den Mäster, wie Fütterungsberater Tiefenthaller betont: „Mangelsituationen bremsen die Mastleistung. Für den Mäster, der hohe Tageszunahmen will, ist das alles andere als optimal.“ Gleiches gilt aber auch für die Überversorgung, insbesondere, wenn sie in den Bereich der Toxizität rutscht. Auch das kommt in der Praxis regelmäßig vor. „Wenn ich draußen auf den Betrieben bei Beratungen bin, sehe ich immer wieder, dass manche Werte stark überschritten werden. Gerade bei Elementen wie Zink, Selen oder Kupfer kommt man dann schnell in den Bereich des Vergiftens.“

Aufgaben der Mineralstoffe am Beispiel der Mengenelemente

Innerhalb der Gruppe der Mineralstoffe wird zwischen Mengen- und Spurenelement unterschieden. Wie der Name schon sagt, ist der Bedarf an Mengenelementen höher. Ihre Aufgaben sind mannigfaltig, gemein ist ihnen jedoch, dass sie essentiell für eine gute Mastleistung sind.

„Der wichtigste Mineralstoff ist das Calcium. Es ist für Knochen- und Zahnbildung sowie Blutgerinnung zuständig. Wird es zu wenig gefüttert, haben wir ein langsames Wachstum“, erklärt Tiefenthaller. Die Tiere vorsorglich zu überfüttern, sei aber auch keine Lösung. „In der Praxis habe ich oft eine Überversorgung angetroffen. Man denkt sich: Viel hilft viel. Das stimmt aber nicht. Calcium ist Antago­nist von anderen Mineralstoffen wie Magnesium und hemmt deren Aufnahme“, warnt der Experte.

Ebenfalls „tunlichst zu vermeiden“ sei eine Unterversorgung mit Phosphor. Ein Mangel an diesem für Wachstum und Enzymbildung essentiellen Nährstoff reduziert die Fresslust und mindert damit die Tageszunahmen. „Die Rindermastminerale sind dementsprechend gut mit Phosphor ausgestattet“, beruhigt Tiefenthaller jedoch, sodass es eher zu einer Überversorgung kommt. „Viel hilft viel, ist auch hier nicht g‘scheit. Zumal Phosphor Kosten­treiber bei den Mineralstoffmischungen ist“, gibt der Experte zu bedenken.

Keine Probleme bei einer Überversorgung ergeben sich beim Magnesium. Bei einem Mangel zeigen die Stiere jedoch erhöhte Erregbarkeit und Tetanie (Motorikstörungen). Von der gängigen Praxis der massiven Überdosierung hält der Mastspezialist jedoch wenig. „Die Erregbarkeit der Tiere hat andere Gründe, die in der Gesamtration zu suchen sind. Die Taktik, Tiere mit der drei- oder vier-fachen Magnesiummenge ruhig zu stellen, gefällt mir überhaupt nicht.“

Ausreichend in Mais- und Grassila­gen enthalten ist Kalium. Der Antagonist (Gegenspieler) von Natrium und Magnesium sei oft zu viel vorhanden, „etwas, das wir zähneknirschend
hinnehmen müssen, denn Kalium bringen wir nicht aus der Ration“, so Tiefenthaller.
So gut wie keine Probleme haben Mäster mit einem Schwefelmangel. „Überhaupt wenn Rapsprodukte eingesetzt werden. Die enthalten sehr viel schwefelhaltige Aminosäuren“, so der Experte.

An Natrium, das ganz wichtig für Muskel- und Nervenkontraktion ist, mangle es dagegen immer wieder. Für den Tierhalter sei das leicht zu erkennen: Die Rinder haben Lecksucht und knappern ständig an Wänden, der Aufstallung oder Holz. Ihre Fresslust ist aber indes gemindert. Selbige Wirkung habe aber auch eine Überversorgung mit Natriumbicarbonat.
Tiefenthaller rät daher: „Man sollte wirklich danach trachten, die Rationen so hinzubringen, dass sie bei den wichtigen Mengenelementen im Bedarfsbereich liegt.“

Beim „Bruder von Natrium im Viehsalz“ Chlor treten vor allem Mängel auf. Die Folge: verminderte Fresslust.

Versorgungsempfehlung für Mineralstoffe und Co.

Welche Mengen ein Tier pro Tag nun braucht, lasse sich sehr gut von der „Gruber Tabelle“ ablesen. Der von der bayrischen Forschungsanstalt Grub erstellte Leitfaden steht als Download jedem Rindermäster zur Verfügung. Dazu die Website
www.lfl.bayern.de/publikationen/ aufrufen und im Suchfeld (Seitenende) „Gruber Tabelle zur Fütterung in der Rindermast“ eingeben.
Neben Bedarfsangaben zu den Mengenelementen sind dort auch Zielgrößen für die Versorgung mit Vitaminen und Spurenelementen angegeben.

Letztere sind nicht minder wichtig, beeinflussen sie doch ebenfalls Gesundheit, Wachstum und Fresslust der Stiere. Nachfolgend eine Übersicht , was es aus Expertensicht hinsichtlich der wichtigsten Spurenelemente zu beachten gilt.

Eisen (Fe): Bei höheren Grassilagerationen bzw. der Fütterung von Kleegras kann es in der Hauptmast – insbesondere durch Verschmutzungen – zur Überversorgung kommen.

Kupfer (Cu): Ein Mangel ist heute kaum mehr Thema, dafür aber die Überversorgung. In beiden Fällen zeigen die Tiere keine Fresslust. Kupfer ist Antagonist von Zink und Mangan.

Zink (Zn): Eine Unterversorgung bedingt geringere Tages-zunahmen und schlechtere Futterverwertung. Ein Mangel ist oft mit Haut- und Klauenproblemen verbunden.

Selen (Se): Oberösterreich ist zwar ein Mangelgebiet, aber der Bedarf wird mit Mineralfutter durchwegs gedeckt. Oft liegt eher eine Überversorgung vor. Besonders dann, wenn mit mehreren Mineralfuttermitteln oder Fertigfuttersorten im Eiweißfutterbereich gearbeitet wird. Folgen: Abmagerung und Leberschäden.

Versorgungsempfehlung
Empfehlungen der Gruber Tabelle nach Mastgewicht (in Kilogramm, kg) für die Mengenelemente (in Gramm) pro Tier und Tag.

In Teil 2 der Rindermast-Serie wird anhand von zwei Rationsbeispielen gezeigt wie eine optimale Mineralstoffversorgung in der Rindermast aussehen kann.

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AUTORElisabeth Hasl
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