Schuss vor den Bug

Kommentar von Paul Nemecek,
Bauernbund-Direktor, Niederösterreich

Vor rund einem Jahr veränderte das Corona-Virus schlagartig unser Leben. Binnen Stunden waren nach massiven Hamsterkäufen die Supermarktregale nahezu leergefegt. Unsicherheit in der Bevölkerung war die Folge. Sogleich haben unsere Bäuerinnen und Bauern aber ihre Systemrelevanz für die Versorgungssicherheit Österreichs mit regionalen Lebensmitteln unter Beweis gestellt.
Dieser Tage folgte – im wahrsten Sinne des Wortes – der nächste Warnschuss vor den Bug. Ein mächtiger Ozeanriese blieb im Suezkanal stecken, das havarierte Containerschiff blockierte tagelang bis Montag eine der wichtigsten Wasserstraßen der Erde, mit verheerenden Folgen für die Weltwirtschaft. Erneut drohten unterbrochene Lieferketten nicht nur in der Verarbeitung und Industrie, aber auch wie vor einem Jahr leere Regale im Handel.
Wie viele Warnungen und Schüsse vor den Bug braucht es eigentlich noch? Die Folgekosten für unsere Gesellschaft – durch die zunehmend globale „Just in time“-Wirtschaft, die Blockade des Kanals und drohende Lieferengpässe – sind noch gar nicht absehbar und dürften sich in Milliardenhöhe bewegen.
Unsere Lebensmittel sollten wir ohnehin am besten vom Bauernmarkt holen, aber gleichzeitig nicht auch alle Bedarfsgüter vom Weltmarkt.
Dramatisch und ebenso Anlass zum Nachdenken: Am Nadelöhr zwischen Europa und Asien steckten unter den Hunderten Schiffen mehrere Frachter mit zigtausenden Lebendtieren (auch Schafe aus der EU) an Bord fest. Der Bauernbund fordert nicht von ungefähr seit Langem: Rind(fleisch) muss, soll und darf nicht fliegen oder schwimmen. Ich ergänze:
Das gilt auch für kleine Wiederkäuer.
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