Neuer Entwurf für verpflichtende Herkunftskennzeichnung

Die Koalitionspartner werden über drei Vorschläge zur Herkunftskennzeichnung verhandeln.

Der Entwurf für eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung, den das Gesundheitsministerium von Rudolf Anschober Anfang des Jahres präsentierte, stieß bei vielen Vertretern des Agrarsektors auf Empörung. Die Vertreter des Bauernbundes, die sich seit Jahren für eine solche Verpflichtung einsetzen, zeigten sich enttäuscht.

Darin vorgesehen war lediglich eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung in der Gemeinschaftsverpflegung für Rindfleisch und Eier. Das entspreche weder dem Regierungsprogramm, noch dem Wunsch der Bauern, meinte etwa Bauernbund-Präsident Georg Strasser. Gefordert wurde eine Nachschärfung.

Zwei Monate später wollte man bei der Landwirtschaftskammer Österreich nicht mehr warten und übermittelte dem zuständigen Gesundheitsministerium einen diesbezüglichen Entwurf. Wie im Regierungsübereinkommen vorgesehen, enthalte derselbe eine umfassende und verpflichtende Herkunftskennzeichnung sowohl für die Gemeinschaftsverpflegung als auch für Verarbeitungsprodukte.

 „Nach Abstimmung dieses Entwurfs mit dem Gesundheitsministerium sollen umgehend die notwendigen Schritte gesetzt werden, damit die Europäische Kommission diese Vorlage prüft und wir mit der Umsetzung beginnen können”, erklärt Josef Moosbrugger, Präsident der LK Österreich, der betont: „Wer Konsumenten darüber im Unklaren lassen will, woher die Rohstoffe für die Lebensmittel stammen, meint es nicht gut mit ihnen und will sie offenbar hinters Licht führen“

„Österreich als Vorzeigeland profilieren“

Das sehen auch die unabhängige Interessenvertretung der österreichischen Biogastronomen, „Die BiowirtInnen“, und die „Ramsauer Bioniere“, ein Zusammenschluss von Bio- Landwirten, Bio- Gastronomen und Kaufleuten in der Ramsau am Dachstein so. Die beiden Organisationen, die 500.000 Konsumenten pro Jahr versorgen, übermittelten ihre Wünsche ebenfalls dem Gesundheitsminister.

Ihre Forderungen gehen aber noch einen Schritt weiter und setzen sich für eine Kennzeichnung nach Herkunft & Produktionsart ein, die ähnlich wie bei der Deklaration von Hühnereiern (gegliedert in Stufen 0-3), den Grad der Tier- und Umweltgerechtigkeit der Produktion nachvollziehbar macht, meint Gerold Hubmer, Obmann der BiowirtInnen.

Diese Idee findet bei den Grünen, der Partei des zuständigen Gesundheitsministers, Anklang. Landwirtschaftssprecherin Olga Voglauer meinte: „Geht es nach den Grünen, könnten künftig neben der Herkunft auch die Haltungsbedingungen transparent ausgewiesen werden.“  In der Diskussion sieht sie vor allem auch die Möglichkeit für Österreich, sich als Vorzeigeland in der EU zu profilieren.

Anschober selbst erklärte am Gründonnerstag in einer Pressekonferenz mit drei Vorschlägen in die Verhandlungen mit dem Koalitionspartner gehen zu wollen. Das wäre erstens ein Lückenschluss, um die Weitergabe von Informationen zu erleichtern und so die Grundlage für mehr freiwillige Auslobungen in nachgelagerten Sektoren zu schaffen. Zweitens geht es um die verpflichtenden Angaben für alle Sorten von Fleisch und für Eier in der Gemeinschaftsverpflegung, von Kantinen über Schulen bis zu Restaurants und Catering-Unternehmen, und drittens um die Angabe der Herkunft bei Fleisch und Milch als primäre Zutat in verpackten Lebensmitteln. Man übernehme dabei die exakte Formulierung aus dem Regierungsprogramm. Österreich könne hier ein Vorreiter auf EU-Ebene werden, sagte auch der Gesundheitsminister.

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