Noch vor Kurzem haben Hamsterkäufe die heimischen Molkereien an die Grenzen ihrer Lieferkapazitäten gebracht. Doch der Lebensmitteleinzelhandel konnte durchgehend versorgt werden. Mittlerweile ist die Nachfrage im Einzelhandel wieder auf ein normales Niveau gesunken. Nun wirkt sich jedoch nach bereits mehrwöchigem „Shutdown“ die geschlossene Gastronomie auf die Milchverarbeiter und Molkereien aus.

Laut VÖM-Geschäftsführer Johann Költringer traf die Gastro-Sperre die Molkereien im Westen Österreichs besonders – aber nicht nur. Salzburg Milch-Geschäftsführer Andreas Gasteiger: „Durch den abrupten Wegfall der gesamten Gastronomie und Hotellerie im März, einer Zeit, in der normalerweise im Bundesland Salzburg noch 3.5 Mio. Nächtigungen gezählt werden, hat uns natürlich hart getroffen, da die SalzburgMilch einen beachtlichen Teil des Umsatzes mit speziellen Milchprodukten in Großgebinden erzielt.“
Durch die Hamsterkäufe im österreichischen und deutschen LEH konnten diese Verluste aufgrund der raschen Reaktion der Molkerei und einer entsprechenden frühzeitigen Anpassung der Produktionen zum Teil kompensiert werden. Auch Gmundner Milch-Geschäftsführer Michael Waidacher erklärt, man habe die Nachfrageentwicklung etwa bei Haltbarmilch-Produkten nutzen können. Die Pinzgau Milch könne kurzfristig auf lagerfähige Produkte ausweichen, wie etwa lang gereiften Käse, so Geschäftsführer Hannes Wilhelmstätter. Auch die Berglandmilch konnte durch rasche Reaktion auf die stärkere Nachfrage im handel auf die weggefallene Gastronomie reagieren.

Bemühungen, den Markt zu entlasten

Die Bemühungen der Milchverarbeiter, auf EU Ebene Marktentlastungsmaßnahmen in Form einer privaten Lagerhaltung oder einer staatlich unterstützten, freiwilligen Lieferrücknahme durchzusetzen, waren trotz Unterstützung des Landwirtschaftsministeriums bisher ohne Ergebnis. Weder die EU-Kommission noch viele der Mitgliedstaaten waren dazu bereit, erklärt Költringer. Es sahen sich daher mehrere Molkereien entsprechend ihrer Absatzsituation veranlasst, in ihren Molkereien Informationen für die Landwirte oder Konzepte zu entwickeln, um Überschussmengen und damit Preisdruck auf den Bauernmilchpreis bestmöglich zu verhindern. Ziel all dieser Maßnahmen ist es, den Bauernmilchpreis stabil zu halten, auch wenn das Umstellungen in den Betrieben nach sich zieht. Von der VÖM heißt es: „Wichtig ist dabei, dass aus wettbewerbsrechtlichen Gründen hier die einzelnen Molkereien und nicht Verbände zuständig sind. Wir versuchen hier nicht nur auf Ergebnisse der EU zu warten, sondern selbst das Beste daraus zu machen.“

Eine Herausforderung sei sicherlich die aktuelle Milchmenge, denn die jedes Jahr im Frühling wiederkehrende „Milchspitze“ fällt heuer – corona-bedingt – genau mit sehr schwierigen Absatzmärkten zusammen. Gasteiger: „Daher haben wir auch bereits Mitte März unsere Bauern gebeten, die Anliefermengen entsprechend zu reduzieren, um die Situation nicht noch weiter zu verschärfen. Wir sind unseren 2.500 Milchlieferanten sehr dankbar, dass diese so rasch reagieren konnten und unserem Aufruf spürbar gefolgt sind.“ Auch bei der Pinzgau Milch erging die Empfehlung an die Landwirte, ihre Anlieferungen bis Mitte Juni freiwillig zu reduzieren. „Ab Juli entschärft sich der Mengendruck im Berggebiet durch die saisonale Anlieferungskurve“, so Wilhelmstätter.

Strategien zur Absatzsteigerung

„Was wir jetzt weiters tun müssen, ist auf die Vorzüge einer gesicherten heimischen Versorgung hinzuweisen“, betont Költringer. Dazu gibt es Kampagnen der AMA Marketing und auch der Molkereien. Außerdem sei es zu hinterfragen, wieso einzelne Handelsketten selbst in Krisenzeiten aggressive Preisaktionen mit Importprodukten fahren würden. „Wir dürfen hier niemanden aus seiner Verantwortung entlassen, zumal die Krise für die Wirtschaft und die Arbeitsplätze in unserem Land eine schwere Prüfung darstellt und wir alle zusammenstehen müssen, um die Krise bestmöglich zu meistern“, betont der VÖM-Geschäftsführer.

Die Molkereien selbst wollen ihre Qualitätsstrategien weiterverfolgen. Bei der Salzburg Milch bedeutet das, die Tiergesundheitsinitiative und die „Premium Milchmacher-Strategie“ weiter umzusetzen. Auch bei der Gmundner Milch setzt man wie auch schon zuvor auf das Regionalitätsmarketing. Waidacher sieht in der Corona-Krise sogar einen Impuls für alle heimischen Produzenten, da die lokale Lebensmittelversorgung wieder mehr zur Debatte steht.
Neben dem Schulterschluss aller Akteure und mit den Konsumenten, brauche es aber auch die Unterstützung des Handels für regionale Produkte, so Waidacher.

Auswirkungen noch nicht abschätzbar

Die Herausforderungen für die Berglandmilch ergeben sich laut Unternehmenssprecherin Elisabeth Haimberger vor allem durch Nachfrageverschiebungen und den damit einhergehenden Marktverwerfungen. Einige Absatzmärkte seinen völlig weg, einige Exportmärkte zeigen eine steigende Nachfrage, andere eine gegenteilige Entwicklung. Einen grundsätzlichen Einbruch der Nachfrage nach Milch und Molkereiprodukten sieht die Berglandmilch aber nicht.

Wie sich die Corona-Krise tatsächlich auf die einzelnen Molkereien wirtschaftlich auswirken wird, ist noch nicht absehbar. Gerade Haltbarmilch-Produkte seien gerade stärker nachgefragt, so der Gmundner Milch-Chef. Problematisch waren in Salzburg die Lagerbestände für die Gastronomie. Mengenmäßig werden die Herausforderungen mit der steigenden Anlieferung und den eingebrochenen Marktpreisen für Versandmilch nun sukzessive größer, erklärt auch der Pinzgau Milch-Geschäftsführer. „Die tatsächlichen Auswirkungen werden sich erst Mitte des Jahres 2020 bemerkbar machen, da dann die erhöhten Mengen, welche in den Monaten April und Mai produziert wurden, durch Wegfall der Gastronomie auf den Markt kommen“, so Salzburg Milch-Geschäftsführer Gasteiger.

Die Molkerei-Verantwortlichen sind sich jedenfalls einig: „Wir hoffen sehr, dass die Gastronomie im Mai wieder öffnet.“ Gastronomiebetriebe und Hotels werden frühestens mit Mitte Mai stufenweise und unter besonderen Sicherheitsvorschriften öffnen können. „Die Entscheidung dazu, ob das möglich sein wird, wird Ende April getroffen“, erklärte dazu Bundeskanzler Sebastian Kurz.

Eva Zitz

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