Betriebsbesichtigung am Hof von Bauernbundobmann Franz Haitzinger (m.) in Aurach: Angelika Winzig, Alexander Bernhuber, BB-Direktor Wolfgang Wallner und Josef Muss (v.l.)

Ich habe 2017 einen Bio-Geflügelmaststall nach den damals geltenden Richtlinien gebaut. Heute – drei Jahre später – entspricht er nicht mehr den EU-Standards“, erzählt Josef Muss. Der Vöcklabrucker Jungbauern-Bezirksobmann ist somit selbst ein Betroffener von der fehlenden Planungssicherheit in der Landwirtschaft. Diese Schnelllebigkeit gehe nicht mit dem Erstellen von langfristigen Betriebskonzepten und Finanzierungsplänen einher. Gefordert wird daher, dass Investitionen die nach aktuell geltenden Vorschriften getätigt werden, mindestens bis zum Ende der Abschreibung gesetzeskonform sein müssen. Der EU-Abgeordnete Alexander Bernhuber, selbst Junglandwirt in Niederösterreich, stimmte vollends zu: „Planungssicherheit ist ein Kernelement, damit Jungbauern die Höfe übernehmen können und somit sogar wichtiger als der ein oder andere Förder-­Euro mehr.“

Steigerung der bäuerlichen Einkommen erforderlich

Ein weiterer zentraler Punkt der sich im Positionspapier findet, ist das Thema Steigerung der landwirtschaftlichen Einkommen. „Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig die Versorgung der Bevölkerung mit heimischen Lebensmitteln ist. Hier stellt sich die Frage, warum viele Landwirte dann nicht von ihrem Beruf leben können,“ so Muss. Würden Landwirte für ihre Erzeugnisse einen dementsprechend angemessenen Stundenlohn verdienen, könnte auch die Entlohnung von landwirtschaftlichen Arbeitern angepasst werden. Dies würde laut Muss dringend benötigte Arbeitsplätze schaffen und in weiterer Folge zu einer Entlastung sowohl auf den landwirtschaftlichen Betrieben als auch am angespannten Arbeitsmarkt führen.

Landwirtschaft als verpflichtendes Unterrichtsfach

Des weiteren fordert die Jungbauernschaft einen neuen, anderen Zugang bei der Bildung. „Es gibt keine lila Kühe, sprechende Schweine und es wird auch nicht mehr jeder Liter Milch mit der Hand gemolken“, betonte Muss. Hier gelte es das verfälschte Bild zu korrigieren und am besten beginne man mit der Aufklärung bereits im Kindesalter. Der Jungbauern-Bezirksobmann kann sich dafür beispielsweise speziell ausgebildete Pädagogen vorstellen, die in Kindergärten und Schulen landwirtschaftliche Theorie vermitteln und den Kindern im Anschluss auf den Höfen auch die Praxis näher bringen. „In den Schulen ist Bewegung und Sport ein verpflichtendes Unterrichtsfach – das könnte doch auch für Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion eingeführt werden“, so Muss.

Positionspapier: Klarer Auftrag für EU-Abgeordnete

Einen klaren Widerspruch sehen die Jungbauern auch im Spannungsfeld zwischen dem Green Deal der EU und den aktuellen Verhandlungen zum Mercosur-Abkommen. „Es kann nicht sein, dass die heimischen Bäuerinnen und Bauern in der Produktion Vorschriften einhalten müssen, diese aber in keinster Weise für importierte Lebensmitteln gelten“, gab Muss zu bedenken. Bernhuber bestätigte, dass diesen Strategien oftmals der vielzitierte Hausverstand fehle. Er will sich daher im EU-Parlament unter anderem dafür einsetzen, dass die gesetzlichen „Eckpfeiler für die Versorgungssicherheit und Herkunftskennzeichnung eingeschlagen werden.“

Die oberösterreichische EU-Abgeordnete Angelika Winzig sieht das Positionspapier der Jungbauernschaft als klaren Auftrag: „Wir müssen auf europäischer Ebene die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, damit es für Jungbauern wieder attraktiv ist, den heimischen Hof zu übernehmen.“

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  • DSC 4434: BZ/Mursch-Edlmayr
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