Im BMLRT am Stubenring beobachten Experten verschiedener Branchen die Marktlage. Foto: BMLFUW William Tadros

Um die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine auf die Versorgungslage mit Lebens- und Betriebsmitteln sowie der Agrarmärkte in Österreich bestmöglich aufzugliedern und daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten, hat das Landwirtschaftsministerium (BMLRT) unmittelbar nach Kriegsausbruch einen Krisenstab eingerichtet. Rund 50 Expertinnen und Experten der Sektion Landwirtschaft im Ministerium, der Agrarmarkt Austria und der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen beobachten auch mit Vertretern agrarischer Interessenvertretungen, Verbänden und Unternehmen die Märkte und Handelsströme im Inland wie auch in ganz Europa und weltweit. Denn die Betriebsmittelkosten für die Landwirtschaft und die Lebensmittelpreise befinden sich mittlerweile rund um den Globus kriegsbedingt auf einem Allzeithoch.

Versorgung hat Priorität
Der Leiter des Krisenstabs ist Marcus Kucera. Er ist zugleich Leiter der Abteilung Internationale Agrar- und Handelspolitik im BMLRT und sagt: „Die Versorgung der österreichischen Bevölkerung mit Agrarprodukten, Lebensmitteln und Trinkwasser steht für uns an oberster Stelle. Darüber hinaus werden Abfederungsmaßnahmen oder auch mögliche Beihilfen für die Landwirtschaft diskutiert.“ Bei diesen gebe Brüssel den Rahmen vor. Kucera: „Alle Beteiligten sind mit den heimischen Agrarproduktionssektoren, den EU- und Weltagrarmärkten, auch mit den Instrumenten der Agrarmarktorganisation und der Gemeinsamen Agrarpolitik vertraut und haben in ihrer langjährigen Erfahrung auch die notwendigen Netzwerke in Österreich und in Brüssel aufgebaut.“

Auf der Tagesordnung
Der hochrangige Beamte nennt viele Themenfelder, mit denen sich der Krisenstab derzeit auseinanderzusetzen hat, allen voran die Ernährungssicherheit, also die Versorgungslage der Österreicher mit Agrarprodukten, Lebensmitteln und Trinkwasser. Ebenso brisant sind die Energieversorgung und deren Auswirkungen auf die Agrarproduktion und Lebensmittelpreise. Für die Bauern derzeit besonders brennend sind die hohen Düngemittelpreise bei knapper werdendem Düngerangebot: Auch hier stehen laufende Marktbeobachtung und der Austausch mit Vertretern der Branche auf der Tagesordnung. Massiven Belastungen durch hohe Betriebs- und Futtermittelpreise sehen sich auch die Nutztierhalter und damit Erzeuger von Fleisch und Milch ausgesetzt. Deren Probleme gehen Hand in Hand mit einer raschen Entscheidungsfindung für die anstehende Aussaat von Getreide, Eiweiß- und Ölpflanzen. Im Obst- und Gemüsebereich fehlen die Erntehelfer. Und all das will abgestimmt werden mit geplanten und möglichen EU-Maßnahmen zur Agrarmarktstützung und Ernährungssicherheit.

Auch Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger steht in ständigem Kontakt mit dem Krisenstab. „Wir haben in Österreich einen hohen Selbstversorgungsgrad mit Grundnahrungsmitteln. Das verdanken wir unseren Bäuerinnen und Bauern.“ Weil an Europas Haustür Krieg herrscht, müsse Österreich auf akute Entwicklungen sofort reagieren können. Der Krisenstab könne im Bedarfsfall rasch handeln und notwendige Maßnahmen setzen. „Das betrifft eine stabile Versorgungslage mit landwirtschaftlichen Betriebsmitteln und die Abfederung von Kostensteigerungen“, so Köstinger.

Bernhard Weber

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AUTORRed. SN
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