Der gespielte Schock

Kommentar von Wolfgang Wallner
Bauernbund-Direktor Oberösterreich

Der Corona Hotspot bei Tönnies im deutschen Nordrhein-Westfalen macht deutlich, welche Auswirkungen der Trend nach immer billigeren Lebensmitteln hat. Dabei werden auch die Hintergründe erstmals kritisch diskutiert. Nicht nur die immense Menge von verarbeitetem Fleisch pro Tag, sondern vor allem auch das auf Werksvertragsbasis aufgebaute Arbeitskraft-System in der deutschen Fleischindustrie. Eines muss man jedoch deutlich sagen – neu ist dieses System nicht. Wer jetzt erschrocken aufblickt und sich über die Zustände beschwert, hätte das auch schon früher machen können. Wenn sich ein Herr Tönnies als großer Sponsor von Fußballvereinen feiern lässt, werden von vielen die Arbeitsbedingungen in seinen Firmen und die Billigstproduktion in den Hintergrund gedrängt. Es zeigt aber, dass bei Lebensmitteln genauer auf Preisdumping und Billigimporte geachtet werden muss. Jetzt ist der Zeitpunkt, zu informieren, welche Firmen aus diesen Industrieanlagen Fleisch beziehen, und damit unsere Qualität und unsere Preise unter Druck setzen. Aber auch aufzuzeigen, dass jeder, der im Handel zu Billigfleisch greift, oder unter dem Deckmantel „für alle leistbare“, billigste Lebensmittel fordert, dieses System aktiv unterstützt. Auch die Arbeitssituation in diesen Betrieben muss sich ändern und auf einen einheitlichen europäischen Standard gehoben werden. Und zwar einen, der sich an den hohen Standards orientiert die bei uns selbstverständlich sind, aber zu Wettbewerbsnachteilen für die heimische Branche führt.
 

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  • Wallner: OÖ Bauernbund
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