Der Zusammenhalt bewegt alle sehr

Zusammenhalt ist in der Corona-Krise wichtiger denn ja. FOTO: Robert Kneschke-adobe.stock.com

Burgenlands Obmann Nikolaus Berlakovich hält sich wie 95 % der Österreicher an die Vorgaben der Bundesregierung. Er arbeitet daheim am Computer und ist zwischendurch auf seinen Feldern unterwegs. „Ich telefoniere viel. Zahlreiche Fragen drängen darauf, beantwortet zu werden, um die Landwirtschaft gut durch die Krise zu bringen. Der LK-Präsident hat mit seinen Mitarbeitern auch intensiv am Aufbau der Arbeitskräfteplattform mitgearbeitet. In  vielen Sparten gibt es bereits Einbußen. „Hier soll der Härtefallfonds der Bundesregierung Abhilfe schaffen.“ Auch ihm fehle derzeit der unmittelbare Kontakt zu den Menschen: „Ein Telefonat oder Mail ersetzt für mich nicht das direkte Gespräch.“ Berührt ist er „von den vielen kleinen und großen Initiativen der gegenseitigen Hilfe, gerade für alte Menschen. Auf das können wir in Österreich stolz sein.“ Berlakovich ist überzeugt: „Gerade der Agrarsektor kann mit schwierigen Situationen umgehen. Mit Zusammenhalt werden wir diese Krise meistern.“

Als für den Zivil- und Katastrophenschutz zuständiges Regierungsmitglied ist Tirols Bauernbundobmann Josef Geisler besonders gefordert. Der LH-Stellvertreter berichtet: „Wir mussten in Tirol in den letzten Tagen einschneidende Entscheidungen treffen. Alle politisch Verantwortlichen sind in einer Ausnahmesituation. Die Zeit für Verschnaufpausen sind bei mir rar.“ Trotzdem geht er daheim weiterhin auch in den Stall. Dort könne er derzeit am besten vorübergehend abschalten. Die größten Probleme für Tiroler Bauern ortet er vorerst beim Zuchtviehabsatz, aber auch im Gemüsebau. Waren, die für den Tourismus und die Gastronomie gedacht waren, finden keinen Absatz mehr. „Auch die Frage der fehlenden Saisonniers ist noch nicht gelöst.“

OÖ Bauernbundobmann Max Hiegelsberger pendelt nur mehr, wenn unerlässlich, zwischen seinem Hof und seinem Agrarlandesrats-Büro in Linz. „Sonst läuft derzeit fast alles über Telekommunikation oder Videokonferenzen. Er ist überzeugt: „Unser Zusammenleben wird sich nach der beklemmenden Corona-Krise nachhaltig verändern.“ Derzeit gelte es vor allem, ausreichend Arbeitskräfte und Erntehelfer bereitzustellen. „Mit der Online-Börse haben wir einen wichtigen ersten Schritt gesetzt.“ Wie jeder Betrieb werde auch sein Hof die wirtschaftlichen Auswirkungen zu spüren bekommen. „Trotzdem muss die Arbeit weitergehen.“ Persönlich nimmt er derzeit die Kontakte mit seiner Familie „viel bewusster wahr, etwa das gemeinsame Mittagessen“. Wenn er auch für deren Arbeit nur wenig mediale Aufmerksamkeit ortet, die Bäuerinnen und Bauern sieht Hiegelsberger derzeit als „stille Helden“. Und er appelliert an sie: „Durchhalten!“ Generell würden die Bäuerinnen und Bauern derzeit hoch geschätzt „Das sollte auch in der Zeit nach der Krise die Basis für einen guten Dialog mit den Konsumenten bilden.“

Johann Mößler in Kärnten hält auch als LK-Präsident zwischen der täglichen Stallarbeit in seinem Hof-Office Kontakt zu Bauern und Funktionären auf allen Ebenen. „Probleme müssen jetzt rasch erkannt, Informationen, besonders schnell weitergeleitet werden. „Fast ausschließlich nur per Telefon und digital zu kommunizieren, ist nach wie vor ungewohnt, aber nun unumgänglich.“ Speziell im Fleischbereich sei der Gas-
tronomieabsatz völlig weggebrochen. „Und die Supermärkte brauchen jetzt mehr  Klein- und Singleportionen.“ Bäuerliche Existenzen stehen am Spiel, am Holzmarkt oder bei Urlaub am Bauernhof. „Deshalb ist es wichtig, dass der Härtefallfonds auch für land- und forstwirtschaftliche Betriebe geöffnet wird.“ Zur Ruhe komme er jetzt schwer. „Mich beschäftigt, wie sich die Krise in den kommenden Wochen noch verschärft.“

Laufend Lagebesprechungen, Krisenstab-Abstimmung via Videokonferenzen, indes kaum persönliche Kontakte und keine Musikproben in der Freizeit: NÖ. Bauernbundobmann Stephan Pernkopf, als LH-Stellvertreter neben Landwirtschaft auch zuständig für die Landeskliniken und den Katastrophenschutz, ist derzeit beruflich dreifach gefordert.  Und daheim in Wieselburg macht die Krise auch vor seiner Haustüre nicht halt: „Auch unsere drei kleinen Kinder können jetzt ihre Großeltern nicht besuchen. Aber Österreich hält zusammen, das gibt Hoffnung.“

Hans Seitingers Arbeitstag besteht aus „telefonieren, telefonieren, E-Mails schreiben und Videokonferenzen“.Die Umstellung auf Heimarbeit ging „ganz gut“. Wer wie der Steirer „seit Jahr und Tag immer gern unter Menschen ist“, für den sei das Vermeiden von sozialen Kontakten aber „ein besonders harter Einschnitt“. Auch dass nun in den Verarbeitungsbetrieben Tausende Arbeitskräfte ausfallen können oder dass im Obst-, Wein- und Gemüsebau die dringend benötigte Saisonarbeitskräfte fehlen, „lässt mir keine Ruhe mehr“, so der Agrarlandesrat. Umso größer sei sein Respekt vor der Bundesregierung und ihrem hervorragenden Krisenmanagement leiste. Sehr bewegt hat ihn ein Foto aus Mariazell. Dort hat Pater Superior Michael Staberl auch für die steirischen Bäuerinnen und Bauern eine Kerze angezündet und um die Hilfe der Gnadenmutter gebeten.

Home-Office gilt derzeit auch für Wiens Obmann Franz Windisch. Er strukturiert täglich seinen Tagesplan, definiert für sich Online-Zeiten, „damit auch noch ein Fenster für Tätigkeiten am eigenen Betrieb bleibt.“ Einen Vorteil hätten Landwirte in der gegenwärtigen Zeit der Bewegungseinschränkungen durch ihre Arbeit im Freien. „Da besteht nicht so sehr die Gefahr, dass einem die Decke auf den Kopf fällt.“ Seit Motto: „Das Handy mal eine Stunde abschalten und Arbeiten an der frischen Luft schafft Ausgleich.“ Wiens Gärtner kämpfen bereits mit massiven Absatzproblemen ihrer Zier- und Jungpflanzen, die Winzer mit der fehlenden Gastronomiekundschaft sowie der Sperre ihrer Buschenschanken. Windisch rät daher allen Landwirten, für allfällige Entschädigungsansprüche, das Entsorgen nicht absetzbarer Ware sowie Umsatzeinbußen und Verdienstentgänge zu dokumentieren.

Bernhard Weber

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