Covid-19 legt US-Fleischindustrie lahm

Kein Bacon mehr in den US-Supermärkten, bei den Farmen stauen sich dagegen die Tiere in den Ställen.

In den USA herrscht ein Versorgungsnotstand bei Fleisch. Aufgrund einer Covid 19-Epidemie unter dem Schlachthofpersonal hat die US-Fleischindustrie größere Schlachthöfe stillgelegt. Im Lauf des April konnten die Fleischregale in den Supermärkten nicht mehr nachgefüllt werden und blieben leer. Bei den Landwirten dagegen stauen sich Schweine, Rinder und Geflügel in den Ställen. Während die Fleischpreise boomen, verfallen die Erzeugerpreise für Stech- und Schlachtvieh.

15 Großschlachthöfe geschlossen

Laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung haben die großen Fleischverarbeiter Tyson, JBG und Smithfield bis dato 15 der größten Schlachthöfe geschlossen, weil Arbeiter an Covid-19 erkrankt sind. Das Schlachtvolumen soll in Summe etwa um ein Viertel eingebrochen sein. Bemerkenswert ist dies auch deshalb, weil beispielsweise die Schweinefarmer noch im Vorjahr in Erwartung höherer Chinaexporte ihre Tierbestände deutlich aufgestockt haben.
Nach Angaben der Branchengewerkschaft UFCW sollen bislang mindestens 20 Beschäftige der Fleischindustrie nach einer Corona-Infektion verstorben sein, mehr als 5000 Schlachthofarbeiter sollen unter Krankheitssymptomen leiden. Nach den Schlachthöfen kommen zunehmend auch die noch geöffneten Zerlegebetriebe ins Stocken, weil krankheitsbedingt Personal fehlt und weil Hygienemaßnahmen die Arbeitsprozesse verlangsamen.

Illegal Beschäftigte nicht im sozialen Netz

Warum vor allem Großschlachthöfe von der Misere betroffen sind, lässt sich nur vermuten. Eine Ursache könnte sein, dass die Betriebe möglicherweise ausländische Arbeitnehmer ohne Arbeitserlaubnis beschäftigen. Die illegal Beschäftigten stehen außerhalb des sozialen Netzes und kommen noch zur Arbeit, auch wenn sie schon schwache Krankheitszeichen verspüren.
Stark in Bedrängnis befinden sich aufgrund dieser Entwicklung die US-Farmer. Viele bleiben auf ihren schlachtreifen Schweinen sitzen. John Tyson, Chef des gleichnamigen Familienkonzerns warnten “Millionen Tieren – Hühner, Schweine und Rinder – droht wegen der Schließung der Verarbeitungsbetriebe die Keulung. Die Wertschöpfungskette bricht”. Insbesondere bei Schweinen herrsche ein Stau in den Ställen, bei Rindern lasse sich die Wartezeit leichter überbrücken. Komme nicht bald Entlastung, sei ein großflächiges Höfesterben absehbar.

Trump erklärte Fleischindustrie als „systemrelevant“

Der Versorgungsnotstand bei Fleisch und die Bedrängnis der Branche veranlassten US Präsident Donald Trump am Dienstag dieser Woche zu einer Anordnung, dass die Produktion in den Fleischfabriken trotz der Corona-Krise weiterlaufen müsse. Per Dekret stufte der Präsident die Fleischindustrie als “wesentlichen Wirtschaftssektor” ein, der in nationalen Krisenzeiten weiterlaufen müsse. Die amerikanische Regierung kündigte an, sie werde die Betriebe bei der Verstärkung ihrer Hygienemaßnahmen unterstützen.

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  • 200430 Web US Supermarkt Bacon: Lynne Ann Mitchell - stock.adobe.com
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