Auf nach Venedig

Kommentar von Bernhard Weber,
Chefredakteur.

Im heimischen KFZ-Handel laufen die Geschäfte derzeit eher flau. 2020 soll sich die Autonachfrage aber wieder erhöhen. Bis 2050 soll der in Österreich ohnehin hohe PKW-Bestand von derzeit
5 Mio. Fahrzeugen sogar auf rund 6,5 Mio. anwachsen. Indes boomt weltweit das Geschäft mit Kreuzfahrten. Bei den Werften sind derzeit so viele Mega-Liner wie nie zuvor geordert, mehr als zwei Dutzend laufen 2020 vom Stapel. Auch jeder fünfte Österreicher hat schon einmal eine Kreuzfahrt unternommen, beinahe jeder Zweite plant eine solche. Und am Flughafen Wien verzeichnete man heuer um fast 20 % mehr Passagiere als noch vor einem Jahr – dem Beginn von Greta Thunbergs weltweiter „Fridays for future“-Bewegung und „flight shaming“ (Flug- scham). Diese Meldungen stimmen nachdenklich: Autofahren, Fliegen und Cruisen zählen unbestritten zu den großen CO2-Verursachern, von der Herstellung der dazu nötigen Verkehrsmittel ganz zu schweigen. Anzeichen für das vielbeschworene Umdenken in Sachen Klimaschutz sind obige Meldungen nicht.
Weiter ansteigen wird daher wohl die Erderwärmung – und die Suche nach Sündenböcken. Für die Landwirtschaft bedeutet das nichts Gutes, steht diese gerade bei jenen oft rasch in der Kritik, die ihr eigenes Verhalten selbst nicht hinterfragen. Und da reden wir noch gar nicht von Rohstoffen, Industriegütern, und Nahrungsmitteln, die über die globalen Handelsströme ausgetauscht werden, um uns alle weiterhin in Sicherheit zu wiegen: Die Wirtschaft wächst, der Konsum steigt, die nächste Kreuzfahrt scheint gesichert. Also rasch auf nach Venedig, so lange es noch nicht untergegangen ist…

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