Kommentar von Bernhard Weber,
Chefredakteur.
Immer wieder werde ich mit folgender Frage konfrontiert: „Was, Du gibst noch Zucker in Deinen Kaffee?“ Wer seinen „verlängerten Braunen“ heutzutage noch mit (Kuh-)Milch und Zucker statt ungesüßt und mit „Hafer-Barista“ ordert, kennt diese Reaktion samt schiefer Blicke.
Ich habe daher kürzlich selbst der Versuchung widerstanden, etwa Stephan Büttner, den Boss von Agrana, nach seinem persönlichen Zuckerkonsum zu fragen. Dabei wäre es schon verlockend, auch den (üblichen) Mehlspeisen-Gusto von Mühlen-Managern, den (täglichen) Fleischverzehr von Agrarpolitikern und Verbändesprechern oder den (gängigen) Verbrauch von Milch, Joghurt und Käse unserer Molkereidirektoren auszuheben.
Feststeht: Die Ernährungsgewohnheiten haben sich geändert. Weniger Fett, Zucker oder Alkohol, dafür immer öfter mal fleischlos, vegetarisch, auch bewusst vegan liegen im Trend. Die Lebensmittelhersteller haben ihre Rezepturen angepasst, Limonadenerzeuger und Molkereien etwa die Zuckerdosis ihrer Produkte längst massiv reduziert. Keine Speisekarte in Kantinen, Gasthäusern oder Fast-Food-Restaurants ohne veganes Angebot, wie auch jenes im Kühlregal im Supermarkt.
Klar, diese Entwicklung kann man beklagen, aufhalten lässt sie sich nicht. Also: Zuckern Sie (auch) Ihren Kaffee? Essen Sie (noch) täglich Fleisch? Oder hin und wieder Veggie-Produkte – viele übrigens von heimischen Bauern erzeugt?! Und fragen Sie doch einfach auch Ihre Kinder, Enkelkinder, Freunde und Kollegen, was sie essen.