Preisdruck steigt: Schweinehalter wieder zunehmend in Existenznot

Hilferuf der Ferkelproduzenten und Schweinemäster: Die Erzeugerpreise für Schweinefleisch entwickeln sich schon wieder äußerst unzufriedenstellend, während sich große Supermarktketten wie zuletzt Billa mit Lockangeboten unterbieten. Am Ende fehlen den Bauern 25 Euro pro Tier.

Misere in Österreichs Schweineställen: Sinkende Tiererlöse stehen einem starken Anstieg der Betriebsmittelkosten gegenüber.

Sinkende Verkaufserlöse mit gleichzeitig stark steigenden Preisen für Betriebsmittel machen den Ferkelproduzenten und Schweinemästern derzeit zu schaffen. Pro Ferkel und Mastschwein fehlen ihnen rund 25 Euro in der Bilanz. Das haben Berechnungen der Erzeugergemeinschaft (EZG) Gut Streitdorf ergeben. Gründe dafür sind neben der Corona-Pandemie die in Europa voranschreitende Afrikanische Schweinepest (ASP), aber auch die in den vergangenen Jahren massive Überproduktion in einigen Mitgliedsstaaten der EU.

Schweinehaltung ist derzeit überhaupt nicht mehr rentabel

„Das Vorjahr war für unsere Ferkelerzeuger und Schweinemäster sehr schwierig. Preislich zählt es zu den schlechtesten des vergangenen Jahrzehnts“, weiß Werner Habermann, Geschäftsführer der Streitdorfer EZG. Während in Österreich der Selbstversorgungsgrad mit Schweinefleisch seit Jahren um die 100 Prozent betrage, werde laut Habermann besonders in Deutschland, Spanien und Dänemark „deutlich über dem Eigenbedarf produziert. Die Folgen dieser Überproduktion haben sich zuletzt noch einmal sprunghaft verschärft, als der Export von Schweinefleisch – vor allem in Richtung Asien – überwiegend zum Erliegen gekommen ist.“
Mit dem Auftreten der Schweinepest in Italien gerieten nun weitere Absatzströme am Binnenmarkt der EU aus den gewohnten Bahnen. „Die Schweinepreise wurden sprichwörtlich durchgebeutelt.“ Dazu komme laut Habermann die Covid-Pandemie als eine seit bald zwei Jahren enorme Belastung für die Fleischwirtschaft. Am Beginn der Krise schienen Schweinemarkt und -preise einigermaßen resistent gegen das Virus zu sein. Der wegfallende Außer-Haus-Verzehr konnte durch eine stark gestiegene Nachfrage in den Supermärkten größtenteils kompensiert werden. Nun, in der Omikron-Welle, falle ein beträchtlicher Teil des Personals in Schlacht- und Zerlegewirtschaft aufgrund von Krankheit oder Quarantäne aus. „So ist zusätzlich ein Flaschenhals im Bereich der Schlachtung und Zerlegung entstanden, der einen Rückstau von schlachtreifen Tieren auf den heimischen Betrieben verursacht“, berichtet Habermann.
Für EZG-Obmann Franz Rauscher ist klar, dass „bei dieser anhaltend brisanten Marktsituation Betriebe aus der Produktion aussteigen werden“. Mittelfristig sei in diesem Fall eine völlige Eigenversorgung mit Schweinefleisch nicht mehr aufrecht zu erhalten. Immer mehr seiner Berufskollegen stünden finanziell mit dem Rücken zur Wand. „Die Schweinehalter benötigen dringend wieder anhaltend höhere Preise, damit es ihnen möglich ist, auch Einkommen zu erzielen, entsprechende Rücklagen zu bilden und auch Investitionen in neue Stallungen und Stallsysteme zu tätigen.“

Bauernbund will Verlustersatz und Herkunftskennzeichnung

Ebenfalls in Alarmstimmung ist Johannes Schmuckenschlager, LK Niederösterreich-Präsident und Präsidiumsmitglied im NÖ Bauernbund: „Die Schweinebauern stehen massiv unter Druck. Es ist daher dringend notwendig, die Betriebe auch heuer durch entsprechende Covid-Hilfen, an den bereits intensiv gearbeitet wird, finanziell zu unterstützen, da sich vor allem durch die anhaltende Pandemie die Situation erneut verschärft hat. Wichtig ist auch, dass diese Hilfe rasch kommt. Schließlich können sich die Menschen jeden Tag darauf verlassen, dass die Bäuerinnen und Bauern die Lebensmittelversorgung sichern. Genauso müssen sich unsere bäuerlichen Betriebe darauf verlassen können, dass die finanzielle Unterstützung schnell umgesetzt wird.“
Ebenfalls einen baldigen Covid-Verlustersatz speziell für die Schweinebranche fordert auch der Direktor des NÖ. Bauernbundes, Paul Nemecek. „Die Schweinbäuerinnen und -bauern brauchen jetzt unsere Hilfe.
Sowohl EZG-Obmann Rauscher als auch Johannes Schmuckenschlager und Paul Nemecek drängen zudem einmal mehr „auf die rasche Umsetzung einer klaren Herkunftskennzeichnung“. Diese sei nicht nur eine zentrale Frage, um langfristig die Versorgungssicherheit im Inland mit heimischem Fleisch oder anderen Agrarprodukten gewährleisten zu können. Gegenüber der BauernZeitung meinte Franz Rauscher: „Für viele Schweinehalter ist das längst eine wirtschaftliche Überlebensfrage.“

- Bildquellen -

  • Schweinehaltung braucht eine Perspektive: Adobe Stock.com/ Countrypixel
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AUTOREva Riegler und Bernhard Weber/red. AR
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