Petschar: „Die Milchwirtschaft hat den Härtetest 2020 bestanden“

Leicht verbesserte Umsätze und Bauernpreise auf Erzeugerseite im Corona-Jahr 2020.

Mit einem leichten Plus beim Gesamtumsatz ist Österreichs Milchwirtschaft durch das außerordentlich herausfordernde Jahr 2020 gekommen. Helmut Petschar, Geschäftsführer der Kärntnermilch und Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM) hat das zurückliegenden Milchjahr 2020 im Rahmen der Jahrespressekonferenz am 25. März 2021 wie folgt bilanziert: „Die Milchwirtschaft hat den Härtetest des Coronajahres 2020 bestanden. Kurzfristige Umstellungen in der Produktion wurde bewerkstelligt und auch höhere Mengen – zu gewohnt höchster Qualität – geliefert. Die Versorgungssicherheit war zu jedem Zeitpunkt gewährleistet.“ Größte Herausforderungen waren laut Petschar vor allem der abrupte Ausfall des Tourismus- und Gastronomiesektors sowie kurzfristige Nachfrageverschiebungen zum Lebensmitteleinzelhandel.

Großer Gewinner ist der Lebensmittelhandel

Die Absatzverschiebungen hin zum Lebensmittelhandel machen diesen Sektor laut Petschar zum „großen Gewinner“. Während die Umsätze im Gastrobereich um 60 bis 80 Prozent eingebrochen sind, konnte der LEH laut RollAMA Rekordmengen verzeichnen, besonders bei Butter (+ 15,5 %) und Käse (+ 10,8 %). Die Einkaufspreise für die Konsumenten stiegen um durchschnittlich 3,3 %.
Die Milchwirtschaft und die Milchbauern brauchen den LEH als Partner, so der VÖM-Präsident, aber gerade hier sei „Fairness ein Gebot der Stunde, nicht Aktionitis“. Denn die hohe Konzentration im LEH ermögliche es, dass die Handelskonzerne, verbunden mit steigenden Anteilen der Eigenmarken, ihre Spannen und Anteile an der Wertschöpfung steigern. Diese Diskussion sollte nicht auf der Straße ausgetragen werden müssen, so Petschar. Die seitens der EU gesetzten Maßnahmen zur Vermeidung unfairer Handelspraktiken seien in Österreich noch nicht umgesetzt. Auch sollte die Entwicklung der Wertschöpfung in der Lebensmittelkette analysiert werden und daraus Maßnahmen abgeleitet werden.

Umsätze leicht gestiegen, Ertragslage knapp

Die Umsätze der heimischen Milchverarbeiter sind 2020 insgesamt um ca. 3,2 % auf 2,95 Milliarden Euro gestiegen. Begründet ist dies vor allem in der Preissituation. Weiterhin sehr knapp sei allerdings die Ertragslage der Molkereien. Vor allem die coronabedingten Schutz- und organisatorischen Maßnahmen haben zusätzliche Kosten verursacht. Das Ergebnis vor Steuern der heimischen Milchverarbeiter bezogen auf den Umsatz ergab 2020 einen Wert von lediglich 1,4 %.

Erzeugermilchpreise leicht gestiegen

Die Erzeugermilchpreise lagen im Jahr 2020 mit einem durchschnittlichem Auszahlungswert von 42,65 Cent (2019: 41,82 Cent) für Milch mit natürlichen Inhaltsstoffen inkl. USt. über dem Vorjahresniveau. Für gentechnikfreie Qualitätsmilch wurden durchschnittlich 34,26 Cent/kg erzielt (2019: 33,66 Cent für Milch mit 4,0 % Fett, 3,4 % Eiweiß, ohne USt.). Weiters hatten die Landwirte mit Kostensteigerungen zu kämpfen.
Die Gesamtanlieferung blieb mit 3,38 Mio. t insgesamt stabil. Mehrere Molkereien mussten aufgrund der coronabedingten Nachfragerückgänge im Frühjahr Mengensteuerungsmaßnahmen bei der Milchanlieferung setzen. Der Anteil von Biomilch und Heumilch konnte weiter gesteigert werden, Österreich erreichte mit 19,1 % bzw. 600.000 t den höchsten Bioanteil in der EU.

24.650 Milchbauern, 525.000 Kühe

Die Anzahl der Milchbauern verringerte sich 2020 von 25.600 auf 24.650 um 3,8 %. Der Milchkuhbestand blieb mit 525.000 gleich. im Durchschnitt hielt jeder Landwirt 21,3 Kühe und lieferte rund 137.000 kg Milch – international gesehen recht kleine Werte. Die durchschnittliche Milchlieferleistung der Kühe erreichte mit 6.458 kg (+ 0,2 %) im internationalen Vergleich einen moderaten Wert, der die nachhaltige Produktion dokumentiert.

Qualitätsstrategie im Export erfolgreich

Als Faustpfand am Markt setzt die heimische Molkereiwirtschaft weiter auf eine Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstrategie. Besondere Schwerpunkte in diesem Bereich sind u. a. das Verbot von Palmöl und Milchaustauschern in der Fütterung für Kühe und Kälber, das Verbot der Verwendung von Soja aus Übersee und die Gentechnikfreiheit. Zusätzliche Bemühungen gibt es beim Tierwohl und Biodiversität durch spezielle Programme der Molkereien.
Diese Qualitätsstrategie liefert auch gute Argumente im Export. Laut Petschar erreichten die österreichischen Milchexporte 2020 mit 1,312 Mrd. Euro einen neuen Höchstwert (+4,5 %). Bei den Importen gab es mit 1,2 % auf 836,3 Mio. einen geringeren Zuwachs, was zu einem gestiegenem, positiven Außenhandelssaldo von 475,4 Mio. Euro (+10,7 %) führte. Die Exportquote bezogen auf den Umsatz betrug 44,5 %, die Importquote 28,4 %. Wichtigstes Exportland mit einem Anteil von 50,4 % ist weiterhin Deutschland, gefolgt von Italien, China, den Niederlanden, Griechenland und Slowenien.

Milchwirtschaft fordert Unterstützungsmaßnahmen

An die Politik gerichtet, erneuerte der VÖM-Präsident die dringede Forderung, den Mehrwert der heimischen Milchprodukte durch eine entsprechende Herkunftskennzeichnung auch sichtbar zu machen und zu honorieren. Ein verkürzter Vergleich zu internationaler Standardware sei hier nicht gerechtfertigt. Beim jüngsten Entwurf zu den Kennzeichnungsregeln habe man die Milchwirtschaft „einfach vergessen“, so Petschar. Dies sei zu korrigieren.
Für die Corona bedingten Umsatz- und Deckungsbeitragsverluste der Milchwirtschaft seien geeignete Unterstützungsmaßnahmen zu entwickeln. Die Milchwirtschaft sei nach wie vor erheblich betroffen und sei deshalb bei den anstehenden Wirtschaftsrettungsmaßnahmen zur weiteren Absicherung einer nachhaltigen und hochwertigen, eigenständigen Lebensmittelversorgung im nationalen Interesse zu berücksichtigen, so VÖM-Präsident Petschar.

- Bildquellen -

  • W210325 VOeM Milchpreis: VÖM
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