Landwirtschaft zwischen Idyll und Skandal

Was erwartet die Gesellschaft von der Landwirtschaft? Welche Rollen spielen dabei Ethik und Bildung? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigte sich die Veranstaltung „LAKO-Weitblick“. Vor Kurzem lud dazu die "Landwirtschaftlichen Koordinationsstelle" (LAKO) Philosophen Christian Dürnberger als Gastredner ein.

Gegenwärtig sieht sich die heimische Landwirtschaft vor besondere Herausforderungen gestellt. Insbesondere das “gesellschaftliche Wissen” über die agrarische Urproduktion ist in breiten Teilen der Bevölkerung gering. Umso wichtiger ist deshalb die Kommunikation der Bäuerinnen und Bauern über ethische Grundsätze wie Nachhaltigkeit, Tierschutz, Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit mit breiten Teilen der Gesellschaft.

Streaming-Link zur Veranstaltung

LAKO Weitblick 2023 – YouTube

 
Quelle: Jürgen Mück
Im Spannungsfeld zwischen landwirtschaftlicher Praxis und gesellschaftlicher Erwartungen sollen Bäuerinnen und Bauern in den Debatten Rede und Antwort stehen.
 
Ethische Grundsätze erfordern einen intensiven Dialog

Philosoph Christian Dürnberger betonte in seinem Vortrag, dass es weniger darum geht zu klären, was moralisch richtig oder falsch ist und wie jemand unbedingt zu handeln hat. Vielmehr versuchte er moralische Kontroversen zu beschreiben, um sie besser zu verstehen. Laut Dürnberger ist die Ethik nicht das Predigen moralischer Gewissheiten, sondern das Reflektieren moralischer Ungewissheiten und das Strukturieren von Konflikten.

„Ein zentrales ethisches Problem besteht darin, wie Landwirtschaft betrieben werden soll, um die Bedürfnisse der Gesellschaft zu erfüllen, ohne dabei die Umwelt zu schädigen oder Tierleid zu verursachen“, betonte Christian Dürnberger.

„Auf der einen Seite steht die Notwendigkeit, Nahrungsmittel für eine wachsende Bevölkerung zu produzieren und die Lebensgrundlage von Bäuerinnen und Bauern sowie deren Familien zu sichern. Auf der anderen Seite stehen die Interessen der Gesellschaft an einer gesunden und nachhaltigen Lebensmittelversorgung sowie der Schutz von Tieren und Umwelt“, so Dürnberger.

Die Erwartungen an die Landwirtschaft spiegeln zentrale gesellschaftliche Werte wider und sind dementsprechend hoch angesiedelt. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, ist eine dialogorientierte Kommunikation und die Identifikation der Bäuerinnen und Bauern mit den selbst erzeugten Produkten notwendig. Dabei ist der direkte Kontakt mit den Kundinnen und Kunden entscheidend, um gegenseitiges Vertrauen aufzubauen.

Über „LAKO-Weitblick“

Die Landwirtschaftliche Koordinationsstelle (LAKO) veranstaltet jährlich das Jour fixe „LAKO-Weitblick“, bei dem neue Perspektiven der Bildung und Gesellschaft im Mittelpunkt stehen. Die Veranstaltung wurde von LAKO-Leiterin Martina Piribauer moderiert. Für die musikalische Umrahmung sorgten Schüler der Bergbauernschule Hohenlehen. Beim anschließenden Buffet wurden selbst erzeugte Schmankerl der Landwirtschaftlichen Fachschulen serviert und Wein und Fruchtsäfte der NÖ Landesgüter ausgeschenkt.  

Zur Person Dürnberger

Christian Dürnberger ist Doktor der Philosophie und hat darüber hinaus Kommunikationswissenschaften studiert. Seine gegenwärtigen Arbeitsschwerpunkte sind Fragen der angewandten Ethik in der Landwirtschaft wie der Veterinärmedizin. Seit über einem Jahrzehnt arbeitet er zu diesen Themenfeldern an verschiedenen Forschungsinstitutionen und Universitäten in Deutschland wie in Österreich.

Zu seinen bekanntesten Büchern zählen „Ethik für die Landwirtschaft“ (2020), „Ein Roadtrip durch die Geschichte der Philosophie“ (2022), „Moralische Herausforderungen der Veterinärmedizin in der Nutztierhaltung“ (2022) und „Natur als Widerspruch. Die Mensch-Natur-Beziehung in der Kontroverse um die Grüne Gentechnik“ (2019).

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- Bildquellen -

  • Ethik für die Landwirtschaft: Jürgen Mück
  • Dialog mit der Landwirtschaft: Jürgen Mück
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