Landwirtschaft hautnah erlebt

Rund 2500 Arbeitskräfte wurden über die Plattform „Die Lebensmittelhelfer“ vermittelt. Wie diese neuen Erfahrungen ihre Sicht auf die Arbeit der Bauern veränderten, berichten Sandra Zeitelberger und Michael Liboswar.

Biobauer Herbert Hofer erklärt seinen Helferinnen, worauf es beim Hacken der Rüben ankommt.

Auch wenn die schwere Arbeit  nicht für alle Freiwilligen zu stemmen war, gibt es sie doch: Die positiven Beispiele, wie über die Plattform „Die Lebensmittelhelfer“ Betriebe zu helfenden Händen und interessierte Menschen zu neuen Sichtweisen auf die Landwirtschaft gekommen sind.

Die Wertschätzung für  die Lebensmittel wächst

„Die Arbeit der Bäuerinnen und Bauern schätzt man höher, wenn man selber einmal mitgearbeitet hat“, sind sich Sandra Zeitelberger und Michael Liboswar einig. Beide haben sich auf der Plattform „Die Lebensmittelhelfer“ registriert und wurden an Betriebe in NÖ vermittelt.

Was den Bauern in der Umgebung von Sandra Zeitelberger an Zeit zu wenig war, hatte die angehende Volksschullehrerin durch den Wegfall der praktischen Ausbildung „zu viel“. Eine perfekte Mischung, die unkompliziert und spontan auf der Vermittlungsplattform Lebensmittelhelfer.at zusammen traf. „Im Moment findet keine praktische Ausbildung an der Uni statt und das stundenlange arbeiten am Laptop braucht einen Ausgleich. Über die Medien bin ich auf die Plattform aufmerksam geworden, der Rest ging schnell und unkompliziert. Innerhalb von zwei Wochen begann ich mit der Arbeit am Hof“, beschreibt Sandra ihre Situation. Gemeinsam mit einer Freundin trat sie den Dienst in Sigmundsherberg am Betrieb von BBK-Obmann Herbert Hofer an.

Ihre bisherige Meinung über die Arbeit in der Landwirtschaft hat die junge Weinviertlerin schnell verworfen. „Beim Rübenscheren geht man etwa eine Stunde in eine Richtung. Die Arbeit ist schon ziemlich hart. Der Wert des Geldes, das man verdient, und die Achtung vor den Lebensmitteln, die hier auf dem Feld wachsen, steigt mit jedem Meter getaner Arbeit“, ist sich Sandra sicher. Mit rund 15 bis 20 Stunden pro Woche hilft Sandra am Bio-Ackerbaubetrieb aus. „Das alle zusammen helfen ist das schönste, hier stehen drei Generationen nebeneinander und arbeiten“, ist Zeitelberger vom Zusammenhalt der Bauernfamilie begeistert.

BBK-Obmann Herbert Hofer ist mit den Helferinnen besonders zufrieden: „Die Mädels sind ein Glück für den Betrieb. Als Sportlerinnen haben sie enorme Ausdauer“, weiß Obmann Hofer und führt einen besonders wichtigen Punkt aus: „Es freut mich, dass die beiden Helferinnen zwei angehenden Volksschullehrerinnen sind, und damit in Zukunft auch Meinungsbildnerinnen. Sie können von ihren Erfahrungen erzählen und so unsere Landwirtschaft unterstützen“, ist der Bio-Bauer überzeugt.

Michael Liboswar war vor Beginn der Krise IT-Techniker und Musiker. Auch er wurde durch die Medien auf die prekäre Situation in der Landwirtschaft aufmerksam. Als Besitzer eines Traktorführerscheins vermittelte ihn der Maschinenring Wiener Becken auf den Betrieb von Christian Augustin in Münchendorf. „Als Wiener hatte ich bis zu diesem Tag mit Landwirtschaft überhaupt nichts zu tun“, erzählt Liboswar und führt weiter aus: „Mir war einfach nicht egal, was mit unseren Lebensmitteln passiert. Die Meldungen rund um die Versorgungssicherheit und die Leistungen der Landwirtschaft haben mich motiviert.“

Besonders imponiert hat Liboswar die Handschlagqualität. „Ich hab mich ganz unkompliziert mit meinem zukünftigen Chef getroffen. Wir haben uns kennen gelernt und uns über die Arbeiten unterhalten. Eigentlich haben wir uns gleich verstanden und mit einem Handschlag die Zusammenarbeit besiegelt“, beschreibt Liboswar den Beginn seiner neuen Arbeit von 40 Stunden pro Woche. Auch er schätzt das familiäre Umfeld bei der Arbeit, die Wertschätzung und Geduld beim Erlernen der Arbeiten. „Es gibt immer einen zweiten Versuch, sollte der erste nicht klappen“, zeigt sich Michael froh und beschreibt seine komplett neue Tätigkeit begeistert. Er nimmt die 50 Kilometer Arbeitsweg pro Tag gerne auf sich und ist mit seiner neuen Arbeit sehr zufrieden. Auch er berichtet über die große Veränderung seiner Sicht auf die Landwirtschaft, die Arbeit und die damit verbundene Verantwortung: „Es klingt komisch, aber für mich hatte die Krise etwas sehr Positives bewirkt.“

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