Heimische Lebensmittel schaffen Arbeitsplätze

„Global denken – lokal handeln: Mehr heimische Lebensmittel aus Österreich“ – das ist der Titel einer neuen Studie der Johannes Kepler Universität Linz, erstellt im Auftrag der Österreichischen Hagelversicherung. Die Ergebnisse zeigen: Heimische Lebensmittel sind eine enorme Chance für Umwelt, Klima und den österreichischen Arbeitsmarkt.

Vorstandsvorsitzender der Österr. Hagelversicherung Kurt Weinberger, Dorfladenbesitzerin Petra Wirth, Abg. z. NR Niki Berlakovich und Univ.-Prof. Friedrich Schneider (v. l. n. r.) Foto: ZVG

Die Österreichische Hagelversicherung beauftragte die Johannes Kepler Universität Linz/Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung GAW, unter der Leitung von Univ. Prof. DDr. Friedrich Schneider, mit einer Studie über die positiven Effekte eines stärkeren Konsums heimischer Lebensmittel. „Es geht in dem Zusammenhang um mehr Arbeitsplätze in Österreich, es geht um den Wirtschaftsstandort Österreich. 21.000 Arbeitsplätze – das entspricht in etwa den Arbeitslosen beispielsweise in Tirol – werden geschaffen, wenn 10 Prozent mehr heimische Lebensmittel gekauft werden. Alleine im Burgenland würden mehr als 1.000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Zusätzlich sind heimische Lebensmittel auch besser für Umwelt und Klima. Wir als Österreichische Hagelversicherung haben diese Studie daher in Auftrag gegeben, weil der Klimawandel und seine Folgen für unsere Kunden und für uns als Naturkatastrophenversicherer eine existentielle Bedeutung hat. Denn der Klimawandel bringt eine Zunahme extremer Wetterereignisse mit sich. Wegen dieser Verantwortung haben wir ein zwingendes und logisches Interesse an mehr Klimaschutz. Und gerade mit dem Kauf heimischer Lebensmittel mit ihren kurzen Transportwegen kann jeder täglich und aktiv zu einem besseren Klima beitragen. Deshalb engagieren wir uns bereits seit 2001 mit Informationskampagnen für mehr Klimaschutz durch den Konsum heimischer Lebensmittel“, erklärt Dr. Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Produktion und Konsum regionaler Lebensmittel enorme Chancen für die Umwelt, für das Klima und für den heimischen Arbeitsmarkt darstellen. Neben den Konsumenten ist auch die öffentliche Hand gefordert, aus dieser Studie umgehend und wirksam Lehren zu ziehen. Die konkreten Zahlen zeigen die Folge, wenn die Importe von Lebensmitteln und landwirtschaftlichen Produkten um zehn Prozent reduziert und durch inländische Produkte ersetzt werden. Dann

• erhöht sich in Österreich das BIP um 1,8 Milliarden Euro (Gesamt-BIP AT 340 Mrd. Euro)

• werden 21.187 Arbeitsplätze gesichert beziehungsweise neu geschaffen werden (Gesamt-Arbeitsplätze AT 4,15 Mio.).

Für das Burgenland bedeutet das

• eine Erhöhung des Bruttoregionalproduktes um 88 Millionen Euro (Gesamt-BIP Burgenland 8 Mrd. Euro), und

• dass mehr als 1.000 Arbeitsplätze in der burgenländischen Wirtschaft geschaffen bzw. gesichert werden (Gesamt-Arbeitsplätze Burgenland 133.000).

 

Importe haben seit 2007 um 50 Prozent zugenommen

Und noch eine Zahl, die zu denken geben sollte: 2015 wurden in Österreich Nahrungsmittel im Wert von mehr als neun Milliarden Euro importiert – ein Zuwachs von 50 Prozent seit 2007. Allein daraus lässt sich das Potenzial erkennen, das durch eine Importreduktion und eine höhere Nachfrage nach inländischen Produkten für die heimische Wertschöpfung und die Beschäftigung in Österreich besteht.

 

Schneiders Appell: Konsumenten können viel bewegen

Prof. DDr. Schneider beleuchtet in dieser Studie weiters, wie schnell das Schlagwort „Global denken – lokal handeln“ in den Mund genommen, jedoch nur unzureichend umgesetzt wird. „Im Supermarkt oder in einem Lebensmittelgeschäft greifen viele Käufer aus Gewohnheit zu bestimmten Produkten“, weiß Schneider, „da wird selten auf die Herkunft geachtet. Da steht für die Konsumentinnen und Konsumenten in den wenigsten Fällen die Qualität im Vordergrund, sondern meist die Gewohnheit und der Preis der Produkte.“ Zudem zieht Schneider auch den Preisfaktor mit ein: „Heimische Produkte sind oftmals nicht so viel teurer als importierte, als dass es vielen nicht möglich wäre, den einen oder anderen Euro mehr auszugeben und dafür auf heimische Produkte mit ihren positiven Merkmalen und Folgen zu setzen.“

 

Berlakovich: Heimischen Lebensmitteln den Vorzug geben

„Unsere heimischen Bauern produzieren Lebensmittel von höchster Qualität. Sie wirtschaften nachhaltig und sorgen für eine gepflegte Kulturlandschaft. Den Weg einer produzierenden Landwirtschaft mit ökologischer Verantwortung wollen wir auch zukünftig weitergehen. Letztendlich entscheidet aber der Konsument durch sein Kaufverhalten, in welche Richtung sich die heimische Landwirtschaft entwickelt. Der Kauf heimischer Produkte kommt nicht nur den Bäuerinnen und Bauern zugute, sondern ist auch umweltfreundlich und schafft bzw. sichert Arbeitsplätze. Das belegen die Ergebnisse dieser Studie eindrucksvoll“, erklärt Bauernbund-Landesobmann NR Niki Berlakovich.

„Täglich werden in Österreich mehr als 2 Mio. Mahlzeiten außer Haus – insbesondere in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Kasernen, Krankenhäusern, Pflege- oder Altersheimen usw. – eingenommen. Durch die Novelle zum Bundesbeschaffungsgesetz kann das Bestbieterprinzip auch bei der öffentlichen Beschaffung im Lebensmittelbereich angewendet werden. Dadurch können ökologische Kriterien, wie kurze Transportwege, nachhaltige Produktion, Gentechnikfreiheit, Tierwohl-Regeln etc. berücksichtigt werden. Im Vergabegesetz wurden Lebensmittel wie Fleisch und Nebenerzeugnisse, Kuhmilch, Butter, Eier, Gemüse und Obst aufgenommen. Diese Chancen gilt es nun auch zu nutzen“, so Berlakovich weiter.

So nutzt das Land Niederösterreich die neuen Möglichkeiten bereits. Unter dem Motto „Gut zu wissen, wo’s herkommt“ wird in den Großküchen des Landes die regionale Herkunft von Fleisch und Eiern auch sichtbar gemacht. Mit diesem Schritt wird Transparenz und Sicherheit für alle geschaffen, die in den Küchen des Landes Essen konsumieren.

„Auch die burgenländische Landesregierung ist gefordert rasch alle Beschaffungspläne dieser neuen Situation anzupassen und in den öffentlichen Einrichtungen den regionalen Produkten den Vorzug zu geben. Im Interesse der Umwelt, des Klimaschutzes, des österreichischen Arbeitsmarktes und nicht zuletzt auch der heimischen Landwirtschaft“, so Niki Berlakovich.

 

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