Gastro-Lockdown drückt massiv auf Fleischmärkte

Besonders belastet sind die Märkte bei Rindern und Schweinen. Die Landwirtschaftskammer OÖ fordert daher rasche Unterstützung für betroffene Bauern.

Die Fleischmärkte sind eingebrochen: Schweine- und Rinderbauern sehen sich derzeit mit wöchentlichen Erlösverlusten in Millionenhöhe konfrontiert.

Die Schließung der Gastronomie- und Tourismusbetriebe im Großteil der EU bringt die Fleischmärkte derzeit massiv unter Druck. Die Mastschweinenotierung ist diese Woche in Österreich um weitere 9 Cent auf 1,22 Euro pro Kilo zurückgegangen. Gegenüber dem Frühjahr liegt der Preiseinbruch mittlerweile bei 60 Cent. Im Rindfleischbereich sind besonders die Märkte für Kalbinnen und Kühe betroffen. Grund dafür ist, dass der Absatz für Edelteile in andere EU-Länder fast zur Gänze weggebrochen ist. „Als kurzfristige Marktentlastungsmaßnahme fordern wir daher von der EU-Kommission die Freigabe der geförderten privaten Lagerhaltung für Rind- und Schweinefleisch. Zudem braucht es rasche direkte Entlastungen für Rind- und Schweinefleischerzeuger“, fordert Landwirtschaftskammer-Präsidentin Michaela Langer-Weninger.

Absolutes Preistief gerade in Vorweihnachtszeit frustrierend

Die aktuelle Sperre der Gastronomie und Hotellerie trifft auch die Vorlieferanten extrem hart. Während für die geschlossenen Betriebe mit dem 80-prozentigen Umsatzersatz eine Entschädigung geschaffen wurde, sind für die mittlerweile massiv angestiegenen Erlösverluste der Rinder- und Schweinebauern bisher keine konkreten Unterstützungen absehbar. Und dass obwohl die Verluste bereits in die zig Millionen Euro gehen. Zudem lastet die Unsicherheit, wann Gastronomie und Tourismus wieder öffnen können und ob heuer überhaupt eine Wintersaison zu erwarten ist, wie ein Damoklesschwert über den Betrieben.

Durch die corona-bedingten Turbulenzen am Markt ist der Stierpreis heuer um knapp 50 Euro je Stier niedriger als 2019. Der Jahresschnitt wird aller Voraussicht nach auf das niedrigste Niveau der letzten neun Jahre abrutschen. Noch stärker trifft es die Schlachtkuh. Dort liegt das aktuelle Preisniveau wie zuletzt Ende 2009.

Bei Schweinefleisch verschärft sich die Lage zusätzlich durch die seit September auch in Deutschland aufgetretene Afrikanische Schweinepest und die damit einhergehende Exportsperre nach China. Der Rückstau fertiger Schlachtschweine hat sich in Deutschland mittlerweile auf circa 600.000 Tiere erhöht. Damit wurde das Preisgefüge zuletzt auch hierzulande massiv nach unten gedrückt. Auch in Österreich kommt es mittlerweile zu verspäteten Abholungen und steigenden Schlachtgewichten bei Schweinen.

„Ohne wirksame Marktmaßnahmen und im Falle eines harten Brexit droht nach Weihnachten und zu Beginn des neuen Jahres eine noch dramatischere Zuspitzung der Lage in unseren Ställen und auf den Fleischmärkten. Schon in normalen Jahren sind die Erzeuger quasi mit einem ‚Jännerloch‘ konfrontiert. Das gilt es nun mit allen Mitteln zu verhindern. Es müssen daher dringend und rasch wirksame Marktentlastungs- und Unterstützungsmaßnahmen gesetzt werden, um den Lebendtierabsatz sicher zu stellen, die Preisspirale nach unten zu stoppen und die Liquidität der betroffenen Rinder- und Schweineerzeuger auch in den kommenden Monaten sicherzustellen“, appelliert Langer-Weninger.

Quelle: LK OÖ
„Nur mit raschen Maßnahmen und finanziellen Hilfen können bäuerliche Betriebsaufgaben wirksam verhindert werden”, betont Michaela Langer-Weninger.

- Bildquellen -

  • LK Präsidentin LK OÖ (90): LK OÖ
  • Rind Schlachten 33: agrarfoto.com
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