Fehlanzeige

Kommentar von Bernhard Weber,
Chefredakteur.

Wie die Agrarsprecher der einzelnen Parteien so ticken, ist gerade vor einer Wahl von besonderem Interesse. Auf einige wird man überhaupt erst in diesen Wochen aufmerksam, so auf Erwin Preiner von der SPÖ. Merken muss man sich den Namen nicht mehr. Ab 2005 im Bundesrat und seit neun Jahren Abgeordneter im Nationalrat, scheidet der frühere Lehrer aus dem Seewinkel im Herbst aus dem Hohen Haus. Er stellt sich Ende September nicht mehr der Wahl.
Die SPÖ braucht also einen neuen Agrarsprecher. Ist vielleicht auch besser so. Ein Interview Preiners im Politik-Magazin „Factum“ rund um das von der SPÖ initiierte Glyphosat-Totalverbot offenbarte eher schonungslos dessen Überforderung in dieser Funktion. Vermutlich im Glücksrausch über das mit FPÖ und NEOS erwirkte Aus für Glyphosat auf Österreichs Äckern (trotz EU-Anwendungserlaubnis bis Ende 2022) faselte Preiner auf Servus-TV von „einigen biologischen Unkrautbekämpfungsmitteln mit entsprechender Wirkung“ als Alternative zu Glyphosat. Produktnamen wollte er aber nicht nennen, um keine Vorlieben für einzelne Anbieter zu zeigen. „Daher verzeihen Sie mir, wenn ich keine Firmennamen nenne“, meinte der Agrarsprecher listig. Dann halt Angaben zum Wirkstoff? Erneut Fehlanzeige. Nur Preiners Lächeln wechselte von selbstgefällig verschmitzt zu verbissen. Denn solche Mittel gibt es nicht.
Ein Beispiel für Fremdschämen vor dem Fernsehschirm. Noch mehr aber ein Ärgernis, wie unbedarft trotz vielfältiger Faktenlage für und wider Glyphosat ein für die Gesetzgebung speziell mit diesem Sachbereich betrauter Abgeordneter seine offensichtliche Ahnungslosigkeit vor einer Kamera präsentiert.

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