Euregio-Forstschutztagung: Gemeinsame Strategien zur Sicherung der Bergwälder

Landesforstdirektor Josef Fuchs, LR Luis Walcher (Südtirol), Bundeminister Norbert Totschnig, LHStv Josef Geisler, Sektionschefin Elfriede Moser, Oberst Giovanni Giovannini (Leiter des Forstdienstes der Autonomen Provinz Trient) und Günther Unterthiner (Leiter des Forstdienstes der Autonomen Provinz Bozen).
Ein klares Bekenntnis zum Wald mit all seinen Funktionen sowie zu einer aktiven Waldbewirtschaftung gerade in Zeiten der Klimaveränderungen haben Bundeminister Norbert Totschnig und die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino vertreten durch LHStv Josef Geisler und seinen Südtiroler Amtskollegen LR Luis Walcher heute, Montag, in Osttirol im Rahmen der Euregio-Fortschutztagung und des Österreichischen Walddialogs abgegeben. Zur Stärkung der Bergwälder will man in Zukunft noch enger über die Grenzen hinweg zusammenarbeiten.
 

„Die Borkenkäferschäden zeigen, dass wir unsere Wälder für die Zukunft klimafit gestalten müssen. Um das zu erreichen brauchen wir eine aktive, nachhaltige Waldbewirtschaftung, verbunden mit einer konsequenten Jagdbewirtschaftung und keine großflächige Außernutzungstellung von Waldflächen. Mit gezielten Maßnahmen können wir eine Wiederbewaldung mit klimaresilienten Baumarten erreichen, die auch noch in 100 Jahren vital sind“, so Bundesminister Totschnig. Die Strategien dazu werden im Rahmen des Österreichischen Walddialogs und der Euregio-Forstschutztagung erläutert.

Zukunft der Bergwälder nachhaltig sichern

„Um unseren Wald vital zu halten, müssen wir den Umbau der Wälder hin zu klimafitten Bergwäldern forcieren, Schadholz nach Extremereignissen schnell aus dem Wald bringen, Schädlinge wie den Borkenkäfer gezielt bekämpfen und die Funktion des Schutzwaldes nach Schadereignissen durch Wiederbewaldung wiederherstellen“, nennt LHStv Geisler die zentralen Herausforderungen. Fast die Hälfte des gesamten österreichischen Holzeinschlags im vergangenen Jahr ist auf Schadholz entfallen. „Die Schadholzmenge und Wiederaufforstung ist für die betroffenen Waldbesitzerinnen und -besitzer nur mit Mitteln aus dem Waldfonds zu bewältigen, den wir als Bundesregierung 2021 gestartet und Ende 2023 um 100 Millionen Euro aufgestockt haben. In Summe stehen 450 Millionen Euro zur Verfügung“, so Bundesminister Totschnig.

„Die Förderung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit ist wesentlich für die Bewältigung der Herausforderungen im Berggebiet. Es gilt den Wald als Schutzfunktion und Lebensraum zu erhalten. Dazu gehört auch die gemeinschaftliche Waldpflege kranker Wälder“, sagt Südtirols LR Walcher. Oberst Giovanni Giovannini, Leiter des Forstdienstes der Autonomen Provinz Trient, war in Vertretung des zuständigen Landesrates Roberto Failoni anwesend. „Im Trentino sind schätzungsweise 40.000 Hektar durch das Sturmtief Vaia und den Borkenkäfer geschädigt. Besonders besorgniserregend ist die Verringerung der Schutzkapazität gegen Steinschlag und Schneerutsche, aber auch die Fähigkeit zur Wasserregulierung und zum Erosionsschutz. Aus diesem Grund hat das Trentino einen speziellen Wiederaufforstungsplan erstellt, der Kriterien und operative Prioritäten festlegt und diese insbesondere mit den Bodenschutzleistungen verknüpft“, berichtet Giovannini.

Welche Kraftanstrengung notwendig ist, um die Zukunft der Bergwälder gerade nach Schadereignissen nachhaltig zu sichern, zeigt sich am Beispiel Osttirol. „Im Zeitraum 2018 bis 2023 haben wir die Schadholzaufarbeitung, Borkenkäferbekämpfung und Wiederbewaldung allein in Osttirol mit 23 Millionen Euro unterstützt. Möglich war das nur mit Hilfe des Waldfonds“, so LHStv Geisler. Nach dem letztjährigen Sturmereignis in Nordtirol sind 85 Prozent des Schadholzes bereits aufgearbeitet. Ein Hauptaugenmerk gilt nun sowohl in Ost- als auch in Nordtirol dem Borkenkäfer und der Wiederbewaldung von Kahlflächen. Auch wenn die kühlere Witterung in den letzten Wochen die Entwicklung etwas eingedämmt hat, hat die Borkenkäferbekämpfung höchste Priorität. „Ein hoher Ausgangsbestand an Borkenkäfern in Kombination mit Schadholz ist eine gefährliche Kombination“, weiß LHStv Geisler. Ein landesweites Netz an Käferfallen mit zugelassenen Pheromonen zur Anlockung der Käfer ist im Aufbau. Diese müssen regelmäßig entleert werden. Vorreiter war auch hier Osttirol.

Um die Wiederbewaldung und den Umbau hin zu klimafitten Bergwäldern zu bewerkstelligen, braucht es die entsprechenden Forstpflanzen in ausreichender Menge. Der Forstgarten Tirol produziert jährlich rund drei Millionen Forstpflanzen. Zusätzlich wurde in den letzten Jahren eine halbe Million Forstpflanzen für das Trentino im Landesforstgarten Nikolsdorf für die Wiederaufforstung der Sturmflächen aus dem Jahr 2018 gezogen. Auch mit dem Landesforstgarten in Südtirol gibt es bereits seit längerer Zeit eine enge Kooperation. Zudem werden im Rahmen eines ARGE-ALP-Projekts Angebot und Nachfrage an Forstpflanzen zusammengeführt. Die Regionen geben benötigte Baumarten bekannt und tauschen Saat- und Pflanzgut aus.

- Bildquellen -

  • AUT, Euregio Forsttagung: Land Tirol/Groder
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AUTORRed. JS
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