Ernüchternde Zahlen

Der neueste „Grüne Bericht“ des Landwirtschaftsministeriums für das Jahr 2020 beinhaltet einmal mehr durchwegs unerfreuliche Daten und Fakten über die jüngste Entwicklung des Agrarsektors.

Grüner Bericht 2020
Grüner Bericht 2020 FOTO: BMLRT

Auf genau 274 Seiten liefern die Statistiker des Ministeriums wieder die markantesten Zahlen und Statistiken über Ackerbau und Viehzucht, Forstwirtschaft, Wein-, Obst- und Gartenbau, vor allem aber über die daraus resultierende wirtschaftliche Situation, sprich die Einkommen der Bäuerinnen und Bauern im Land. Diese sind wenig erbaulich, weil angespannt.

Basierend auf den Aufzeichnungen von genau 1.926 freiwillig buchführenden Betrieben betrug der Produktionswert der Land- und Forstwirtschaft 2019 rund 9,64 Milliarden Euro, um 1,5 % weniger als im Jahr davor. Davon entfielen 2,16 Mrd. Euro auf die Forstwirtschaft. Damit trug der Agrarsektor zu 1,3 % an der Bruttowertschöpfung Österreichs bei.

Das durchschnittliche Einkommen der errechneten nur noch knapp 136.000 Vollzeit-Arbeitsplätze im klassischen Agrarbereich hat sich real um 7,9 % verringert, der „Nettounternehmensgewinn“ auf den Höfen real sogar um 10,2 %.
Als Gründe dafür nennen die Autoren des Berichtes die Auswirkungen der anhaltenden Trockenheit vor allem im Osten Österreichs, eine nach Rekorderträgen im Jahr 2018 wieder weit geringere Obsternte sowie Einbußen bei Wein und Zuckerrüben. Die Erzeugerpreise für pflanzliche Produkte blieben im Mittel stabil.

Der Wert der Tierproduktion nahm 2019 zwar um 2,6 % zu. Die Erzeugerpreise erhöhten sich dabei im Durchschnitt um fast 3 %, während das Produktionsvolumen stabil blieb. Dem kräftigen Anstieg des Produktionswertes bei Schweinen stand indes ein Rückgang bei Rindern, Geflügel und Milch gegenüber.

Vom Gesamtproduktionswert der Landwirtschaft entfiel 2019 knapp die Hälfte (48 %) auf die Tierhaltung. Am Schweinemarkt trieb die rege Nachfrage aus Asien die Preise in die Höhe. Bei den Rindern führte die knappe Futtersituation aufgrund der Trockenheit zu einer Abstockung der Viehbestände und damit weniger Schlachtungen. Auch die Milchproduktion ging erstmals seit fünf Jahren leicht zurück.

Beim Geflügel führten geringere Erzeugerpreise für Masthühner sowie ein Rückgang der Putenhaltung zu einem schlechteren Produktionswert.
Österreichs Waldbesitzer mussten auch 2019 Spitzenwerte beim Schadholzanfall aufgrund extremer Wetterereignisse und Borkenkäferkalamitäten hinnehmen. Der Holzeinschlag betrug rund 18,9 Mio. Erntefestmeter und lag damit um 1,5 % unter 2018. Die Holzpreise fielen um 7,9 % zurück.

Erfreulich dagegen: der Agraraußenhandel stieg 2019 stärker als der Gesamtaußenhandel. Weil sich die Exporte um 6,8 % auf 12,3 Mrd. Euro erhöht haben, war das agrarische Handelsbilanzdefizit von 442 Mio. Euro (bei um nur 4,6% höheren Importen von 12,7 Mrd. €) um 223 Mio. Euro geringer als 2018.
Alles das hat wieder auf das Einkommen der Bauern gedrückt. Es betrug im Durchschnitt aller Betriebe 27.966 Euro je Betrieb. Damit hat auch 2019 keine Trendwende gebracht. Egal ob Marktfrucht- oder Veredlungsbetriebe – die Einkommen der heimischen Bäuerinnen und Bauern stagnieren seit vier Jahren auf nach wie vor sehr geringem Niveau.
Gernot Maier, Generalsekretär des BMLRT nennt als Hauptgründe für die stagnierende oder gar leicht rückläufige Entwicklung vieler Agrarsparten die Auswirkungen des Klimawandels mit Trockenheit, Unwettern und Schädlingskalamitäten, vor allem im Forst. Ministerin Köstinger verweist auf die „Entlastungen in Höhe von 120 Millionen Euro für die bäuerlichen Familienbetriebe“, die man in den vergangenen zwei Jahren umgesetzt habe. Und die zwingend notwendig waren.

www.gruenerbericht.at

Bernhard Weber

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