Niederschlagsdefizite in den Frühlingsmonaten März und April.

Zum Besten stand es noch nie um den Ruf des April(wetters). Als unbeständig und launisch gilt es. Auf Sonnenschein folgt rasch Regen und umgekehrt. Doch nicht so in diesem Jahr (und dem vergangenen). Wassertropfen, die vom Himmel fallen, waren bis dato Mangelware – im April als auch im März. Seit Jahresbeginn weisen die Daten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) für Oberösterreich ein Niederschlagsdefizit von 25 bis 40 Prozent aus. Im Monat März waren es sogar 50 bis 80 Prozent. Im April fielen in der nördliche Landeshälfte dann faktisch keinerlei Niederschläge, mit Ausnahme sehr kleinräumiger und unergiebiger Regenfälle (siehe Grafik).

Leidtragende dieser Wetterlaune sind die Grünlandbestände sowie einige Ackerkulturen. Für sie gilt: Bringt der Mai nicht bald konstanten Regen, war‘s das mit dem heurigen Ertragssegen.

Biodiversitätsflächen freigeben

„Kommen die Niederschläge, die für diese Woche vorhergesagt sind nicht, haben wir ein Problem“, sagt Georg Ecker, Bauernbundbezirksobmann und Milchviehbauer aus Rohrbach. Der Mühlviertler Bezirk hatte schon im Vorjahr mit Ausfällen im Grünland (Engerling) zu kämpfen. Durch die Trockenheit ist die Futtergrundlage der vielen Milchviehbetriebe erneut in Gefahr, weil „auf den Wiesen zurzeit fast nichts steht“. Ebenso prekär stellt sich die Lage im Sauwald dar. Aber auch die Ertragseinschätzungen für schottrige und sandige Standorte im Inn- und Hausruckviertel sind schlecht. Ändern könnte das nur ein feuchtes Restjahr.

„Wenn eine Regenperiode kommt, ist noch vieles möglich und aufholbar“, sagt Andreas Pfaller. Der Pflanzenbauexperte der Landwirtschaftskammer Österreich rechnet nichtsdestotrotz mit Ertragseinbußen. Der anstehende erste Schnitt sei schließlich der Wichtigste und Ergiebigste. Auch Hans-Peter Kaul Leiter des Pflanzenbauinstituts an der BOKU geht davon aus, dass man die Niederschlagsdefizite in der absoluten Ertragshöhe merken wird. „In dieser Hinsicht wäre es strategisch zu überlegen, ob man Zwischenfruchtbestände auch als Futter verwenden kann.“

Futterreserven will auch Oberösterreichs Landwirtschaftskammer-Präsidentin Michaela Langer-Weninger mobilisieren. Sie insistiert: „Der drohenden Futterknappheit ist mit allen Mitteln gegenzusteuern. Die Landwirtschaftskammer fordert daher die möglichst umgehende Freigabe von ökologischen Vorrangflächen und Biodiversitätsflächen.“ Ein entsprechender Antrag an das zuständige Ministerium wurde bereits gestellt. Zustimmung hierfür kommt von Pfaller und Kaul. Letzterer meint: „In Notsituation wie diesen kann man auf ein bisschen Biodiversität – in Gottes Namen – verzichten.“

Defizite auch bei Ackerkulturen

Spurlos vorübergegangen ist die Frühjahrstrockenheit auch an den Ackerfrüchten nicht. „Alle Kulturen werden die Defizite sicher nicht mehr aufholen können“, meint Andreas Pfaller. Vor allem Bestände, die sich gerade in der Ertragsausbildung befänden, bräuchten ausgiebigen Regen. Besonders problematisch ist die Lage bei der Wintergerste. Auch beim aktuell blühenden Raps wird sich der Wassermangel im Ertrag niederschlagen – davon geht jedenfalls Hans-Peter Kaul aus. Winterweizen, -roggen und -triticale könnten sich dagegen bei einem feuchten Mai noch relativ gut erholen.
„Noch nichts verloren ist bei Sommerkulturen wie Mais, Soja, Rübe, Kartoffel und Kürbis – sofern sie aufgehen“, meint Pfaller. Einzig die Sommergerste sei schon „hart an der Grenze“.

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AUTORElisabeth Hasl
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