In Deutschland wurden bereits Erntehelfer eingeflogen. Auch in Tirol landete am Mittwoch, 15. April, eine Maschine mit 120 Erntehelfern aus Rumänien an Bord, wie derStandard.at berichtete. Die Arbeitskräfte sollen in Tirol und Kärnten im Obst- und Gemüsebau eingesetzt werden. Organisiert wurde der Flug laut Tiroler Landwirtschaftskammer vom Branchenverband für Obst und Gemüse gemeinsam mit den Tiroler Gemüsebauern.

Österreichs Landwirtschaftsministerium wählt hier allerdings einen anderen Weg. Laut Ministerin Elisabeth Köstinger liege der Fokus darauf, die heimischen Arbeitskräfte umzuverteilen, also Arbeitssuchende, Studierende und Interessierte an die landwirtschaftlichen Betriebe zu vermitteln. Schließlich herrscht Rekordarbeitslosigkeit. Das Ministerium ist außerdem nicht dafür zuständig, Flugbrücken für Saisonarbeitskräfte einzurichten. Dies müsse von den Landwirtschaftskammern oder den einzelnen Branchenverbänden in Zusammenarbeit mit dem Außenministerium organisiert werden.

Neben Tirol und Kärnten besteht auch in Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark großer Bedarf an Saisonarbeitskräften. Die BauernZeitung hat in den Länderdirektionen der Landwirtschaftskammern nachgefragt, welche Maßnahmen die Bundesländer neben der Vermittlungsplattform www.dielebensmittelhelfer.at ergreifen, um dem Arbeitskräftemangel entgegen zu wirken.

Die Kammern prüfen derzeit ihre Möglichkeiten

In Niederösterreich arbeitet die Kammer auf vier Ebenen gegen den Arbeitskräftemangel. Die Vermittlungsplattform funktioniert hier für jene Betriebe gut, die nur wenige Arbeitskräfte brauchen oder die Arbeitskräfte für speziellere Aufgaben einsetzen wollen. Für Betriebe, die viele Arbeitskräfte brauchen, bieten Personaldienstleister größere Arbeitstrupps an. Für jene Betriebe, die ihre Stammarbeitskräfte bereits auf dem Betrieb haben, ist es wichtig, diese auch behalten zu können. Deshalb gibt es laufend arbeitsrechtliche Beratungen über die aktuellen Entwicklungen hinsichtlich Einreise- und Ausreisebestimmungen. Durch ein zumindest teilweises „Durchlässighalten“ der Grenzen zu Nachbarstaaten, wie etwa Ungarn, gelingt es, den Arbeitskräftemangel durch Tages- und Wochenpendler reduziert zu halten.

Bei der Frage des Flugkorridors geht es primär um die Verfügbarkeit von Schlüsselarbeitskräften, die bereits Erfahrung im Sektor und auf den Betrieben haben. Dies betrifft sicherlich nur einen Teil der fehlenden Arbeitskräfte. Die LK NÖ prüft momentan die Möglichkeit, derartige Flüge abzuwickeln. Zu prüfen gilt es aber auch die Bedingungen für die Arbeitgeber, wie Quarantänebestimmungen für die Arbeitskräfte oder dienstrechtliche Fragen.

Ein erstes Fazit aus Oberösterreich lautet: Die Bereitschaft zu helfen ist enorm. Zahlreiche Freiwillige haben sich bereits auf der Vermittlungsplattform angemeldet. Der Bedarf wird aber auch hier weiter steigen. Vom Nationalrat wurden am 4. April Erleichterungen für Erntehelfer auf Schiene gebracht. Um drohende Engpässe bei Erntehelferinnen und –helfern zu vermeiden, wird es Landwirten vorübergehend gestattet, drittstaatsangehörige Saisonarbeitskräfte über die geltende neunmonatige Maximalbeschäftigungsdauer hinaus zu beschäftigen. Zudem sollen auch bestimmte Gruppen geduldeter Fremder, die grundsätzlich keine Arbeitserlaubnis in Österreich haben, vorübergehend als Saisonier oder Erntehelfer eingesetzt werden können. Abgelaufene Visa von Saisoniers bleiben vorläufig weiter gültig, solange eine Beschäftigungsbewilligung vorliegt. Die Verlängerung bzw. Zweckänderung von Aufenthaltstiteln muss, befristet bis Jahresende, nicht persönlich beantragt werden, sondern kann auch postalisch oder elektronisch erfolgen.

In Oberösterreich wurde ein eigenes Arbeitsmarktpaket geschnürt, das unter anderen einen Schwerpunkt auf die Sicherstellung von Arbeitskräften für wichtige Bereiche der Lebensmittelversorgung legt. Ziel der Kampagne ist es, beispielsweise Arbeitslose als Erntehelfer anzuwerben oder Mitarbeiter aus der Gastronomie für die Beschäftigung in Betrieben zur Lebensmittelproduktion zu vermitteln. Trotz dieser kurzfristigen Möglichkeiten brauchen die Betriebe aber jedenfalls unbedingt auch das qualifizierte und bereits eingearbeitete Stammpersonal an Saisonarbeitskräften, heißt es aus der LK OÖ.

Nachdem Deutschland einen Flug-Korridor für rund 80.000 Saisonarbeitskräfte aus Rumänien beschlossen und dabei auch auf die Möglichkeit gepocht hat, Arbeitskräfte aus der Ukraine einzufliegen, stiegen auch in Oberösterreich die Hoffnungen ukrainische Stamm-Saisonniers nach Österreich bringen zu können. Das scheint aus heutiger Sicht jedoch wenig realistisch, da die Ukraine ein sehr rigoroses Covid-Management betreibt und faktisch keinen grenzüberschreitenden Personenverkehr zulässt, erklärt die Kammer. Auch hier lotet die LK OÖ derzeit alle Möglichkeiten aus, solche Schritte möglich zu machen.

Die Situation auf den steirischen Betrieben stellt sich so dar, dass die Vermittlungsplattform dielebensmittelhelfer.at von den Landwirten genutzt wird, und die Kooperation hinsichtlich Vermittlung zwischen den Maschinenringen und der Landwirtschaftskammer zufriedenstellend läuft. Generell melden sich auch in der Steiermark wesentlich mehr Bewerber, als untergebracht werden können. Darüber hinaus gibt es auf vielen steierischen Betrieben auch sehr, sehr viele unterstützungswillige Personen aus dem Bekannten- und Verwandtenkreis. Auch dies wird entsprechend genutzt. In der Angelegenheit allfälliges Einfliegen von Erntehelfern gibt es in der Steiermark drei Betriebe, die sich bis dato konkret dafür gemeldet haben.

Eva Zitz

- Bildquellen -

  • Erntehelfer: Fotos: CGiHeart – stock.adobe.com, Agrarfoto.com; Retusche BZ/Merl
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