China auf der Überholspur

Die Volksrepublik China lässt keinen Zweifel an seinem Status als Weltmacht und erhebt Anspruch auf die globale Führungsrolle. Im Bereich der erneuerbaren Energien trifft das teilweise schon zu.

Vor allem in den chinesischen Städten wird unglaublich viel Strom gebraucht. Bis 2030 soll dieser ausschließlich aus erneuerbaren Energien stammen.

Energypeace ist ein Verein, der sich für ein Energiesystem engagiert, das dem Frieden mit der Natur und unter den Völkern dient. So stellte der frühere Kammerdirektor Heinz Kopetz den Verein bei einer Veranstaltung im Steiermarkhof vor. An diesem Abend ging es aber vor allem um die Frage: „ist China bei der Energiewende auf der Überholspur?“ Die Antwort, die der deutsche China-Kenner und Energieexperte Hans-Josef Fell gab, war erdrückend eindeutig: „Ja!“

Schon im Jahr 2022 betrug der Ökostrom-Anteil in China sieben Prozent. „Dieser Wert verdoppelt sich alle zwei Jahre, sodass China im Jahr 2030 den gesamten Strom aus erneuerbarer Energie beziehen wird“, sagte Fell. Riesengroße Solarparks werden im Rekordtempo zum Beispiel in der Wüste Gobi errichtet. Hier wurden in den letzten Jahren auch 45 Millionen Hektar Wald aufgeforstet, das ist größer als Deutschland“, sagte Fell und nannte eine positive Begleiterscheinung: „Deshalb gibt es in Peking auch keinen Sandsturm mehr. Das ist keine Frage der Technik, sondern des politischen Willens.“

PV-Module aus China

In punkto PV-Module ist China weltweit die Nummer eins. „90 Prozent aller Module kommen aus China. Auch bei der Windkraft sind die Chinesen in kürzester Zeit zum Weltmarktführer aufgestiegen. Allerdings zeigt sich das noch nicht bei den weltweit aufgestellten Windkraftanlagen, wo zurzeit nur drei Prozent aller Anlagen aus China kommen.“

Auch im Bereich der Mobilität tut sich in diesem riesengroßen Land unglaublich viel. „2024 wird schon jedes zweite Auto in China elektrisch betrieben. In sechs Jahren werden fast alle Fahrzeuge in der Volksrepublik E-Autos sein.“ Derzeit sind 57 Prozent aller weltweit verkauften E-Mobile in China produziert worden. „Die Solarenergie haben die westlichen Staaten schon an China verloren. Jetzt droht, dass wir auch unsere Automobilindustrie an China verlieren“, sagte Fell und ergänzte: „BYD und Tesla produzieren jetzt schon mehr E-Autos als alle anderen weltweiten Autohersteller zusammen.“

Fell beklagte, dass vor allem im Westen eine aktiv organisierte Kampagne gegen den Einsatz von erneuerbaren Energieträgern läuft: „Es wird keine Renaissance der Atomenergie geben und Wasserstoff als Alternative ist zu teuer.“

In der anschließenden Diskussion meinte Rektor Harald Kainz von der TU Graz: „Die Chinesen haben sich von den Kopierern zu zielgerichteten Forschern entwickelt.“ Geschäftsführer Helmut Matschnig von der Firma KWB versuchte den Unterschied zwischen China und Westeuropa darzustellen: „Wir haben Demokratien und setzen auf mündige Bürger. Wir müssen den Menschen aber die Vorteile darstellen und mit Anreizen statt Verboten operieren.“

Quelle: NL
(V.l.) Karl Totter, Franz Titschenbacher, China-Experte Hans-Josef Fell, Heinz Kopetz und Harald Kainz.

 

Forderungen

Das Tempo, das die Chinesen bei der Verwendung von erneuerbaren Energien vorlegen, ist in Österreich schwer möglich. Trotzdem hat Energypeace-Obmann Heinz Kopetz angesichts des dramatischen Klimawandels klare Forderungen. Dazu zählen der Ausbau der E-Mobilität um 40 Prozent pro Jahr bis zum Jahr 2030, die Reduktion der fossilen Energien in der Wärmeversorgung durch bessere Dämmung und Umstellung der Fernwärme und individuellen Heizsystem auf erneuerbare Energiequellen sowie die Weiterentwicklung der ökosozialen Steuerreform – mit Lenkungsabgabe auf Kohlendioxid-Emissionen in Verbindung mit einem Klimabonus. Zudem fordert der Verein ein Beschleunigungsprogramm für den Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung mit dem Ziel, dass sowohl im Sommer als auch im Winter 100 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen bezogen werden können. Kopetz betonte: „Wir müssen von der Überzeugung getrieben sein, dass wir innerhalb von zehn bis zwölf Jahren auf 100 Prozent erneuerbare Energien in Österreich kommen. Die Steiermark als grüne Mark könnte dabei eine Leitregion werden.“

Präsident Franz Titschenbacher sagte abschließend, dass auch die Biomasse ein Teil dieser Energiewende sei. Die Ausführungen des Referenten Hans-Josef Fell wertete er als Auftrag und Verpflichtung, die Energiewende mitzutragen. 

- Bildquellen -

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AUTORKarl Brodschneider
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